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Wie vor 20 Jahren Hochwasser den Saarländern Weihnachten verdarb

So sah es im Dezember 1993 in der Blieskasteler Altstadt aus: Das Hochwasser war auf über drei Meter gestiegen.

So sah es im Dezember 1993 in der Blieskasteler Altstadt aus: Das Hochwasser war auf über drei Meter gestiegen.

Spätestens als Ulrich Wickert in den „Tagesthemen“ dazu aufruft, den Rettungskräften beim Sandsäckefüllen zu helfen, ahnt ganz Deutschland, wie schlimm die Lage im Saarland sein muss. Seit dem 6. Dezember 1993 schüttet es wie aus Kübeln. Tief „Victoria“ bringt am 19. Dezember Windböen der Stärke 10 und Starkregen. Innerhalb von 36 Stunden fällt der Niederschlag eines Monats. Schneeschmelze in den Vogesen lässt die Pegel insbesondere von Saar und Blies weiter steigen. Kritisch wird es am Abend des 20. Dezember. Straßen überall im Land müssen gesperrt werden, hunderte Keller werden überschwemmt und Stromund Telefonnetze brechen zusammen. Am schlimmsten trifft es die Bürger in Blieskastel. Gegen 22 Uhr fließen die Wassermassen in die historische Altstadt. Sie ist in den nächsten Tagen nur noch per Schlauchboot zu erreichen.

Viele Betroffene warten in ihren Häusern ohne Telefon auf Hilfe. Der Proviant geht aus – von der Kälte ganz zu schweigen. Der in Gersheim- Reinheim gemessene Pegel der Blies von 6,57 Metern ist der bis heute gültige Höchstwasserstand. Als Folge schwillt der Pegel der Saar in Saarbrücken auf 9,32 Meter an. Am 21. Dezember, heute vor 20 Jahren, wird Katastrophenalarm ausgerufen. In Luisenthal müssen Menschen evakuiert werden. „Die Weihnachtsfreude ist verdorben“, titelt tags darauf die Völklinger Lokalausgabe der SZ. Die Weihnachtsmarktbuden am St. Johanner Markt stehen unter Wasser, die Keller der Wirte laufen voll. Dort lagert der Geschäftsführer des „Stiefel“ zwölf Tanks Bier. „Wir wussten nicht, inwieweit das Wasser im Bier drin ist. Wir hatten nur eine Chance: Die Tanks öffnen und alles rauspumpen“, erinnert sich Thomas Bruch im SR.Folge: Die Fröschengasse war voller Bier.

Wie die SZ am 23. Dezember 1993 vermeldet, bricht Ministerpräsident Oskar Lafontaine (damals SPD) wegen der Katastrophe seinen Weihnachtsurlaub ab, die Regierung stellt zehn Millionen Mark Soforthilfe bereit. Einen Tag vor Heiligabend ziehen die Wassermassen weiter. Zurück bleiben schlammige Straßen und verwüstete Keller. Saarlandweit sind 7000 Helfer im Einsatz. Die Schäden, die das Hochwasser angerichtet hat, beziffert der Hochwassermeldedienst 1998 auf 20,3 Millionen Euro. Rechnet man die Reparaturen an öffentlichen Einrichtungen hinzu, liegt der Schaden sogar bei 25,5 Millionen Euro.

20 Jahre später sieht der Hochwasser-Experte des Umweltministeriums, Jens Götzinger, das Land besser gerüstet: „Das Wetter-Ereignis könnte wieder so passieren. Aber die Schäden wären heute geringer.“ Als Gründe dafür sieht er eine verbesserte Hochwasserprognose, einen besser aufgestellten Katastrophenschutz sowie verbesserte bauliche Maßnahmen. „Es gibt heute gesetzliche Regelungen, etwa dass im Überschwemmungsgebiet nicht gebaut werden darf“, sagt er. Auch durch den Ausbau der Saar könne das breitere und tiefere Flussbett mehr Wasser fassen. Zudem seien Deiche gebaut worden. Auch die Bevölkerung sei besser sensibilisiert.
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