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Wie will St. Wendel sein neues Freibad bezahlen?

Auch mit dem Globus-Zuschuss und dem Kreisgeld klafft noch eine 2,5 Millionen Euro große Finanzierungslücke im Projekt Freibad.

Auch mit dem Globus-Zuschuss und dem Kreisgeld klafft noch eine 2,5 Millionen Euro große Finanzierungslücke im Projekt Freibad.



St. Wendel. Anfangs waren durchaus an die sieben Millionen Euro geplant, die das neue Freibad an gewohnter Stelle hätte kosten können. „Das war der erste Entwurf“, berichtet Klaus Bouillon (CDU). Dann sei der Plan abgespeckt worden. Ein Tritt auf die Sparbremse also, verkündet der St. Wendeler Bürgermeister. Anderthalb Jahre habe die Verwaltung mit Architekten an der Idee gepuzzelt, bis das stand, was der Rathauschef zum Neujahrsempfang zur Überraschung vieler aus der Tasche zog: der Bau eines modernen Bades für 5,5 Millionen.

Diesen Vorschlag, der für viele seiner Kontrahenten wie ein abgekartertes Spiel zwischen ihm und Parteifreund Landrat Udo Recktenwald wirkte, verteidigt Bouillon gegen jedwede Kritik. „Es bleibt alles wie gehabt. Es wird keine wesentlichen Kürzungen dadurch geben“, versichert er. Denn in umliegenden Dörfern befürchten Lokalpolitiker, dass ihr Ort nun auf Kosten des Stadtzentrums auf längst angekündigte Investitionen verzichten muss. „Es kann höchstens sein, dass die ein oder andere Straßensanierung etwas später angegangen wird“, erklärt der Mann an der städtischen Verwaltungsspitze.

Und noch eins sichert er zu: „Wir werden deswegen keine neuen Schulden machen.“ Allein Globus-Chef Thomas Bruch habe zwei Millionen Euro Zuschuss zugesagt, um das Projekt zu realisieren. Eine weitere Million komme vom Landkreis. Und eben diese persönliche Zusage von Recktenwald hatte die Opposition arg irritiert. Ohne Kreistagsbeschluss eine Zusage? Und das auch noch auf Kosten der übrigen Kommunen im St. Wendeler Land? Doch auch hier zeichnet sich wohl mittlerweile Einvernehmen ab. Wie Namborns Bürgermeister Theo Staub (SPD) informiert, habe er Signale der meisten seiner Amtskollegen pro Freibad-Neubau. „Wir haben 95.000 Einwohner im Landkreis. Viele nutzen das einzige Freibad.“ Darum stimmten voraussichtlich auch die anderen Gemeinden zu.

Bouillon indes versucht, den übrigen Bürgermeistern im Landkreis St. Wendel die Angst vor einer Kostenlawine zu nehmen. Sie würden nicht über Gebühr belastet. Der St. Wendeler rechnet vor: Ein Darlehen von einer Million Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einem angenommenen Zinssatz von 2,5 Prozent ergebe eine jährliche Belastung für alle acht Kommunen im Landkreis von zusammen 75.000 Euro. Die Stadt als größte Kommune übernehme rund ein Drittel der Summe. Verbleibe noch ein Rest über 50.000 Euro, was im Schnitt 7000 Euro pro Gemeinde mache. Hintergrund: Die Stadt St. Wendel und die sieben Gemeinden Freisen, Marpingen, Namborn, Nohfelden, Nonnweiler, Oberthal sowie Tholey finanzieren die Arbeit des Landkreises über die Kreisumlage; Geld, das sie je nach Größe und Finanzkraft beisteuern müssen.

Mit dem Globus-Zuschuss und dem Kreisgeld klafft aber noch eine 2,5 Millionen Euro große Finanzierungslücke. Wie wird die gestopft? Bouillon: „Über die Gewinne der Stadtwerke.“ Das bedeute, dass der städtische Haushalt nicht angetastet werde. In diesem Zusammenhang kann Bouillon einen persönlichen Triumph nicht verbergen: „Vor 20?Jahren habe ich gegen erheblichen Widerstand die Stadtwerke gegründet.“ Damals habe es auch in den eigenen Reihen Anfeindungen deswegen gegeben. Doch heute „ernte ich die Früchte meines Erfolges“. Ein gewinnträchtiges Unternehmen, mit dem er Projekte realisieren könne, für die es sonst kein Geld gebe. „Das sind jetzt Wochen der Befriedigung.“ Jedenfalls mit Zuschüssen des Landes für einen Freibadbau könne St. Wendel nicht rechnen.
Dann noch eine Frage: Wieso ließ sich Thomas Bruch zu seiner millionenschweren Privatspende bewegen? Darauf gibt es bisweilen keine Antwort. Der Globus-Chef weilt laut Pressestelle im Ausland.


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