L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Wie zehn Jungs aus Afghanistan und Eritrea zurzeit in einer provisorischen Unterkunft in Köllerbach leben

Ein Frisbee fliegt durch den Raum, vor der Drei-Punkte-Linie aus versuchen zwei Jungen abwechselnd, mit dem Basketball die meisten Punkte zu machen. Es ist ziemlich laut in der Rathausturnhalle in Köllerbach. Mahdi stört das nicht. Er sitzt auf seiner Liege und hört Musik. Seit diesem Wochenende wohnt der 16-Jährige aus Afghanistan in der Flüchtlingsnotunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die in Köllerbach eingerichtet wurde. Der Platz teilt er sich mit sieben weiteren Afghanen und zwei Eritreern, alle zwischen 14 und 17 Jahre alt. „Ich bin aber mit Abstand der ruhigste in der Gruppe“, sagt Mahdi in gutem Englisch. Dass der Junge Englisch kann, ist für DRK-Einsatzleiter Roland Post auch praktisch. „Wenn wir mit Händen und Füßen nicht weiter kommen, kann ich ihm Sachen auf Englisch erklären und er übersetzt für die anderen.“

Normalerweise werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge , die im Saarland ankommen, in einer Clearingstelle des Diakonischen Werks in Völklingen oder Merzig untergebracht. Dort sind momentan alle Plätze belegt und so betreuen jetzt die DRK-Helfer die zehn Jungs in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Saarbrücken und der Diakonie. Zum ersten Mal lernte Roland Post im vergangenen Jahr junge Flüchtlinge kennen. Denn 2014 war die Sporthalle am technischen Rathaus schon mal als Notunterkunft umfunktioniert. „Dieses Jahr läuft es viel besser, denn wir haben jetzt eine Routine. Wir werden von der Stadt Püttlingen gut unterstützt, Material ist auch genug da. Die Halle und die Bäder halten die Jungs selbst in Ordnung.“ Sollte sich der Einsatz verlängern, wird das einzige Problem die Personalstärke. Es geht hier um eine 24-Stunden-Betreuung und die meisten beim DRK arbeiten ehrenamtlich. Ob in einem Clearinghaus oder einer Wohngruppe, das Ziel ist, dass die Jugendlichen eine feste Unterkunft mit einem richtigen Zimmer bekommen. Sobald irgendwo Plätze frei werden, können sie wechseln. Es kann aber auch sein, dass stattdessen in den nächsten Tagen und Wochen noch mehr Minderjährige in die Turnhalle einziehen. Bis zu 25 Menschen können laut Post hier unterkommen.

Innenminister Bouillon ( CDU ) hatte vor kurzem davor gewarnt, Flüchtlinge in Turnhallen unterzubringen. Er fürchtete einen Anstieg rechter Hetze. Anders als in manchen Städten in Deutschland haben die saarländischen DRK-Helfer bisher keine feindliche Reaktionen erlebt. „Höchstens ein paar Schaulustige“, sagt Posts Kollegin Gaby Schmidt. Die Turngruppe, die am Wochenende in der Halle hätte trainieren sollen, nahm die Umbelegung eher locker. „Sie sind stattdessen zur Eisdiele gegangen“, sagt Schmidt. Ihre erste Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen ist schon lange her. „Damals waren es die Übersiedler, um die man sich gekümmert hat.“ Jugendliche zu betreuen sei schon anders als Erwachsene. „Der persönliche Kontakt ist extrem wichtig, sie brauchen Zuwendung. Man muss auf sie eingehen und mit dem Herzen dabei sein.“ Sicher, sauber, satt – die Betreuung hier geht weit darüber hinaus. Dazu gehören auch gemeinsame Spielrunden. „Mensch-ärger-dich-nicht, das gibt's auch in Afghanistan“, hat Roland Post beim Spielen mit den Jungs festgestellt.

Diese Woche startet das Ferienprogramm der Stadt Püttlingen. Mahdi und seine Mitbewohner können auch mitmachen. Während sich die anderen vor allem auf Fußballspiele freuen, wünscht sich Mahdi vor allem eins: „Ich möchte so gerne schwimmen gehen.“ Er könne das zwar nicht besonders gut oder schnell, aber er mag ins Wasser gehen, erzählt er. Bis es so weit ist, lernt er ein bisschen Deutsch. Roland Post hat für ihn schon eine Vokabelliste zusammengestellt. Die ersten Wörter hat er schon drauf. „Vielen Dank“ antwortet er, als er von Post ein englisch-deutsches Wörterbuch bekommt. Der Betreuer lobt begeistert. Mahdi unterbricht ihn, es sei aber nicht alles. „‚Guten Tag', ‚durstig' und ‚hungrig' kann ich auch“, sagt er mächtig stolz. Mahdis Mitbewohner Majtaba, der wie er aus Afghanistan kommt, kennt auch ein paar Wörter der neuen Sprache. Allerdings sind da eher Eigennamen und zwar die der Spieler von Bayern München – er ist ja großer Fan. „Das sind die Besten“, sagt er. Sein Bettnachbar schüttelt den Kopf verneinend, er sieht das anders. „Die Eritreer hier sind für Chelsea“, erklärt Betreuer Roland Post, „in der Gruppe gehen da die Meinungen auseinander“.
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