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Wieder Fremdenfeindlichkeit in Völklingen?

Völklingen. Hamza Göktas ist 22 Jahre alt, in der Türkei geboren und lebt seit Kindertagen in Völklingen. Er spricht fließend deutsch und bezeichnet sich als „gut integriert“. Vor vier Jahren machte sich Göktas selbstständig – erst mit einer Reinigungsfirma, dann als Geschäftsführer einer Werbeagentur und mehrerer Friseursalons. Es ging ihm gut, sagt er, die Geschäfte liefen, alles war friedlich – bis zum Sommer 2012. In einer Nacht zertrümmern Unbekannte die Scheiben eines seiner Friseursalons. „Ich dachte erst, das war ein Besoffener“, sagt Göktas. Vor zwei Wochen, am Abend des 27. Dezember, ruft ihn ein Kunde an: Jemand habe die Scheiben der anderen drei Geschäfte, die nebeneinander liegen, zerstört. Göktas ist schockiert. Eine Nacht verbringt er im Auto vor den Läden, hofft, dass die Täter zurückkommen. Vergeblich. Er ruft die Polizei.

Einen Monat ist es nun her, dass eine Sonderkommission ihre Ermittlungen zu zwölf Hausbränden in Völklingen zwischen 2006 und 2012 vorgestellt hat. In den Häusern lebten vornehmlich Migranten, Hinweise auf fremdenfeindliche Motive konnten nicht gefunden werden, Täter allerdings auch nicht. Nun kommt weitere Arbeit auf die Ermittler zu. Denn die Reihe an Straftaten, die fremdenfeindliche Motive zumindest möglich erscheinen lassen, reißt in Völklingen nicht ab. So versuchten Unbekannte Anfang Dezember, in ein Haus in der Poststraße einzubrechen. Die türkische Familie, die in den oberen Stockwerken wohnt, wurde in den vergangenen Jahren bereits zweimal Opfer von Brandstiftungen. Sie hat Angst, dass Einbrecher erneut im Erdgeschoss Feuer legen wollten. Wenige Wochen später, am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags, brennt eine Garage in der Stadionstraße. Sie grenzt an ein Haus, in dem nur Migranten leben. Die Garage brennt komplett aus, das Feuer breitet sich bis in den Zwischentrakt zum Wohnhaus aus, Menschen werden nicht verletzt.

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken in allen drei Fällen. Bislang gebe es zwar keine Hinweise auf fremdenfeindliche Motive, sagte ein Sprecher. Ausschließen könne man diese aber nicht. Im Einsatz seien neben der Polizeiinspektion Völklingen auch der Staatsschutz sowie Operative Fallanalytiker, die auf das Herausarbeiten von Serienzusammenhängen spezialisiert sind. Außerdem habe man bei der Staatsanwaltschaft einen Ansprechpartner für Straftaten bestimmt, bei denen rechtsextreme Motive möglich sind – eine Funktion, die es bislang nur bei der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus gab. Seit 1. Januar ist nun auch im Bereich der Rechtsextremismusbekämpfung ein Staatsanwalt damit betraut, für einen schnellen Informationsaustausch zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz zu sorgen.

Hamza Göktas ist sich sicher, dass „Rechte“ für die Schaufensterattacken verantwortlich sind. Für ihn laute die Botschaft „Das ist unser Land!“. Die Polizei verweist auf einen allgemeinen Anstieg der Sachbeschädigungen und Einbrüche in Völklingen im Jahr 2012, von dem auch deutsche Geschäftsleute betroffen gewesen seien. Göktas sagt: „Man muss unterscheiden zwischen Diebstahleinbrüchen und Vandalismus.“ Bei allen ausländischen Geschäftsleuten sei nur zerstört, nicht geklaut worden. „Sowas macht man doch nur aus Hass.“

Göktas will die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen: Er verspricht jedem, der brauchbare Hinweise auf die Täter geben kann, 1000 Euro.
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