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Wieder ein Dopingfall im Saarland

Die große Sportnation spielt alles herunter, obwohl bereits flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik bekannt ist. Foto: Seeger/dpa

Die große Sportnation spielt alles herunter, obwohl bereits flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik bekannt ist. Foto: Seeger/dpa

Acht Monate nach dem positiven Dopingtest bei Sprinter Rouven Christ wird die saarländische Leichtathletik erneut von einem Dopingfall erschüttert. Wie die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) und der Saarländische Leichtathletik-Bund (SLB) mitteilten, wurde der frühere Saar-05-Athlet Timothy Abeyie nach einem Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen für vier Jahre gesperrt. Der Schiedsspruch erging am 16. Oktober durch das Deutsche Sportschiedsgericht. Positiv getestet wurde Abeyie am 4. Juli 2015 bei den süddeutschen Meisterschaften in Kaiserslautern. In seinem Urin wurden Stanozolol und Metandienon nachgewiesen. Beide Substanzen stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).

Lothar Altmeyer, der Präsident des SLB, verurteilt den Fall Abeyie aufs Schärfste: „Wir treten ganz klar für einen sauberen Leistungssport ein.“ Altmeyer betont aber, dass der Brite Abeyie „mit dem Verband selbst nichts zu tun“ gehabt habe. „Er war ein Athlet außerhalb unseres Systems und hat sein eigenes Ding gemacht“, sagt Altmeyer.

Der 34-jährige Abeyie ist in der Nähe von London geboren, kam wegen seiner damaligen Lebensgefährtin, einer früheren Leichtathletin, nach Saarbrücken und zum SV Saar 05. Abeyie war zuvor für Großbritannien auch bei internationalen Meisterschaften aktiv, unter anderem nahm er an der Europameisterschaft 2006 in Göteborg teil. Von 2011 an startete er für Ghana und hatte sogar die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio im Visier. Seine Zeiten ließen dies sogar realistisch erscheinen: Abeyies Bestzeit über 100 Meter steht bei 10,27 Sekunden, aufgestellt am 5. Juli 2014 in Regensburg – im Trikot des SV Saar 05 Saarbrücken .

Abeyie hat den Verein Ende 2015 verlassen und lebt inzwischen auch nicht mehr im Saarland. Nach Informationen der SZ ist er nach England zurückgekehrt und arbeitet in der Nähe von London als Fitnesstrainer .

Auch Rouven Christ arbeitet im Saarland inzwischen als Fitnesstrainer , nachdem der SLB in seinem Fall „sofort gehandelt“ und alle Verbindungen und Tätigkeiten im Nachwuchsbereich gekappt habe, wie Altmeyer erklärt. Christs Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, ein Urteil erwartet Altmeyer im Laufe des Jahres 2017.

Der SLB-Präsident sieht bei Abeyie und Christ, der auch als Athletiktrainer im Saarfußball gearbeitet hatte, Gemeinsamkeiten, weil zwei Sportler „aus der zweiten Garnitur“ der Versuchung erlegen gewesen wären, unerlaubte Mittel zu nehmen, „um ihre Existenz aufrecht zu erhalten“. Altmeyer nennt beide „Problemfälle des Sportsystems, in dem alle Sportarten außer Fußball darben“. Ein Dopingproblem im Saarland sieht Altmeyer nicht: „Das sind zwei getrennt zu sehende Fälle und individuelle Handlungen, die ich auf keinen Fall verallgemeinern würde.“

 

Meinung:

 

 

Abhaken ist der falsche Weg

Von SZ-Redakteur Kai Klankert

 

Hat die Leichtathletik im Saarland, die Leichtathletik in Saarbrücken ein Doping-Problem? 2003 kamen die damaligen Weltklasse-Athleten Kelli White und Dwain Chambers nach Saarbrücken , um hier an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Ruhe zu trainieren – und zu dopen, wie sich wenig später herausstellte. Im März 2016 machte dann der Fall Rouven Christ Schlagzeilen, nun ist es der Fall Timothy Abeyie.

Die überwältigende Mehrheit an Athleten und Trainern im Saarland tritt für einen sauberen Sport ein – und das nicht nur mit netten Worten. Trotzdem greifen Sportler hier zu unerlaubten Mitteln, und diesem Problem müssen sich der Landessportverband für das Saarland und der Saarländische Leichtathletik-Bund stellen. Einfach abhaken und weitermachen ist der falsche Weg. Auch Mitwisser und Dulder machen sich schuldig.

 

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