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Wieder mehr Abtreibungen im Saarland

Im Vergleich hat es 2014 im Saarland 38 Schwangerschaftsabbrüche mehr gegeben als im Vorjahr. Das geht aus einer Untersuchung des Statistischen Landesamtes hervor. Damit geht die Entwicklung im Saarland gegen den Bundestrend, wo die Zahl der Abbrüche weiter abgenommen hat. „Die minimale Zunahme der Abtreibungen im Saarland würde ich aber nicht überbewerten“, sagt Clemens Bartz, Chefarzt der Frauenklinik des Saarbrücker Klinikums. Denn auch im Saarland war die Zahl der Abtreibungen in den Jahren zuvor deutlich zurückgegangen. Waren es im Jahr 2000 noch 2164 Abbrüche, brachen 2014 nur 1707 Frauen ihre Schwangerschaft hierzulande ab – darunter 1216 Saarländerinnen. Den Anstieg 2014 versteht Bartz als Außreißer. Einen bestimmten Grund dafür gebe es nicht. Er geht grundsätzlich nicht von einer Änderung des Trends aus und führt diesen auf die demografische Entwicklung im Land zurück: „Es gibt immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter.“ Und somit auch immer weniger Schwangerschaften.

Der Leiter von Pro Familia, Heinz Krämer, sieht das ähnlich: „Langsam kommen die geburtenschwachen Jahrgänge, daher gibt es immer weniger 15- bis 45-Jährige im Saarland.“ Aber nicht nur die demografische Entwicklung habe Einfluss auf den Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche, sondern auch die gute Aufklärungsrate führe zu einem bewussteren Sexualverhalten . „Vor allem die Möglichkeit die ‚Pille danach' seit März diesen Jahres rezeptfrei zu erhalten, kann das Sexualverhalten nochmals beeinflussen“, so Krämer.

Noch tiefer werde die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche aber nicht sinken. Deutschland stehe europaweit an zweiter Stelle der niedrigsten Abbruch-Raten. Bartz hingegen schließt nicht aus, dass sich an der demografischen Situation in den kommenden Jahren doch etwas ändern könnte: „Deutschland ist ein Zuwanderungsland.“ Vor allem junge Flüchtlinge würden zuwandern, man müsse einfach abwarten, so der Chefarzt.

Der Großteil der Frauen, die abtreiben, sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Die meisten seien ledig und würden noch keine Kinder wollen, sagt Krämer. Er hat schon viele Schicksale miterlebt. Ein Kind aufzuziehen, dafür „ist die innere persönliche Bereitschaft oft nicht groß genug.“ Viele Frauen seien alleine und trauten sich nicht zu, ohne Partner ein Kind großzuziehen. In anderen Fällen mangele es an der Sicherheit in den Partnerschaften. „Wenn du das Kind kriegst, verlasse ich dich“, sei eine Drohung, die sich Schwangere durchaus anhören müssten, so Krämer.

Aber nicht nur das „Nichtwollen“ des Kindes führe zu Schwangerschaftsabbrüchen. Manchmal sind auch Mutter und Kind in Gefahr. „Wir führen Abtreibungen durch, wenn Mütter gesundheitlich schwer angeschlagen sind oder falls eine Behinderung bei dem ungeborenen Kind festgestellt wurde“, erläutert Bartz. Diese Abtreibungen kommen aber eher selten vor. Die meisten Abbrüche im Saarland geschehen aus privaten Gründen.

Eine Abtreibung berge heute kaum gesundheitliche Risiken für die Frau, führt Bartz aus: „Ausgenommen, wenn es in einer zwielichtigen Hinterhofklitsche stattfindet.“ Innerhalb von 48 Tagen ist eine Abtreibung mit Medikamenten möglich. Wenn die Schwangerschaft aber bereits über diesen Zeitraum hinaus besteht, muss der Fötus operativ entfernt werden. Die häufigste Methode, die 2014 bei Saarländerinnen angewendet wurde, ist die Vakuumaspiration, bei der der Fötus „abgesaugt“ wird. In 163 Fällen wurde das Kind medikamentös abgetrieben, davon 145 Mal mit der „Abtreibungspille“ Mitegyne. Die Ausschabung der Gebärmutter, auch Curettage genannt, wurde bei 147 Fällen angewendet. Ein Fetozid – also ein Abbruch kurz vor der Geburt – wurde drei Mal vorgenommen. „Das ist nur aus medizinischen Gründen möglich“, erläutert Bartz. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche waren 2014 vor der elften Woche.  
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