A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis AS Saarlouis-Mitte Baustelle, Ausfahrt gesperrt bis 22.12.2017 16:00 Uhr (13.11.2017, 11:43)

A620

Priorität: Dringend

13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Will Oskar Lafontaine doch wieder in den Bundestag?



Berlin/Saarbrücken. Eigentlich schien Oskar Lafontaine das Kapitel Bundespolitik für sich abgehakt zu haben. Wenig erbauliche Umfragewerte für die Linke, aber auch neuerliche Stasi-Vorwürfe gegen ihren Vormann Gregor Gysi wecken jedoch Zweifel an dieser Annahme. Steht Lafontaine vor einem Comeback im Bundestag? „Natürlich würden wir es begrüßen, wenn er wieder antritt“, sagt Parteichef Bernd Riexinger.

Der Saarländer selbst hatte die Spekulationen kürzlich mit sybillinischen Bemerkungen angeheizt. Er habe sich „noch nicht entschieden“, schließlich gebe es ja „viele Argumente“, die man prüfen müsse. Andererseits: „Vorbereiten muss ich mich nicht großartig.“ Der amtierende Linken-Fraktionschef im Saar-Landtag führte von 2007 bis 2010 die Bundespartei und von 2005 bis 2009, gemeinsam mit Gysi, die Bundestagsfraktion. Da bräuchte es tatsächlich keine Aufwärm-Phase, um wieder bundespolitisch mitzumischen. Doch will Lafontaine das überhaupt?

Ein enger Vertrauter des Saarländers, der Berliner Fraktionsvize Ulrich Maurer, sagt dazu, die Chancen stünden „fifty-fifty“. Lafontaine werde „situationsabhängig“ entscheiden. Andere, die ihn ebenfalls gut kennen, glauben zu wissen, dass Lafontaine derzeit an seiner Partei einiges nicht schmeckt. Stolze 11,9 Prozent der Stimmen fuhr die Linke bei der letzten Bundestagswahl ein. Derzeit dümpelt sie zwischen sechs und sieben Prozent. Dabei ist ihr Potenzial im Osten schon weitgehend ausgereizt. Ohne einen Sympathie-Zuwachs im Westen lässt sich dieser Wert allenfalls halten, aber nicht verbessern.

Letzteres steht wegen der Stasi-Debatte um Gysi ernsthaft in Frage. Lafontaine selbst stimmt in den Partei-Chor ein, wonach die Vorwürfe allzu durchsichtig seien. Klartext redet jedoch sein alter Freund Heinz Bierbaum, der dem Vorstand der Bundespartei angehört. „Es gibt eine Besorgnis“, sagt der Landtags-Abgeordnete. Die Diskussion über Gysi „tut uns nicht gut“.

Auch über manche Forderung der Parteispitze dürfte Lafontaine nicht glücklich sein. Etwa über den Ruf von Co-Parteichefin Katja Kipping nach einer absoluten Obergrenze für Spitzenverdienste. Die jüngsten Avancen von Riexinger & Co. in Richtung SPD sind Lafontaine wohl ebenfalls ein Gräuel. Zumal sich die Linke unmittelbar nach der krachend verlorenen Niedersachsen-Wahl einig gewesen war, derlei Anbiederei zu beenden und stattdessen das eigene Profil zu schärfen.

Lafontaines Gegner wiederum verweisen auf sein nicht eben jugendliches Alter – im September wird der Saarländer 70 – und darauf, dass ein Comeback die politischen Aufstiegschancen seiner Freundin Sahra Wagenknecht zwangsläufig schmälern würde. Der Frontfrau des linken Parteiflügels werden starke Ambitionen auf den Fraktionsvorsitz nachgesagt, was ihr Intimfeind Gysi bislang zu verhindern wusste. Doch auch dafür gibt es schon ein denkbares Szenario: Gysi und Lafontaine könnten erneut gemeinsam den Fraktionsvorsitz übernehmen, nach der Hälfte der kommenden Wahlperiode ausscheiden und damit den Platz für zwei Jüngere (einschließlich Wagenknecht) frei machen.

Auch die SPD dürfte das Schauspiel mit Spannung verfolgen: Falls Lafontaine doch noch einmal antritt, wären wohl alle rot-roten Spekulationen beendet. Allzu viel Zeit bleibt ihm für seine Entscheidung jedoch nicht. Am 5. Mai wollen die Saar-Linken ihre Kandidaten-Liste für den Bundestag bestimmen. Spätestens dann muss er Farbe bekennen.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein