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„Willkommenskultur nicht am Ende“

Im Herbst 2015 war der Andrang in der Landesaufnahmestelle in Lebach groß. Seit Dezember ist die Zahl der Asylsuchenden zurückgegangen, doch das Innenministerium rechnet damit, dass der Zustrom im Frühling wieder zunehmen wird. Foto: Becker&Bredel

Im Herbst 2015 war der Andrang in der Landesaufnahmestelle in Lebach groß. Seit Dezember ist die Zahl der Asylsuchenden zurückgegangen, doch das Innenministerium rechnet damit, dass der Zustrom im Frühling wieder zunehmen wird. Foto: Becker&Bredel

Im Sommer 2015 war die Hilfsbereitschaft der Deutschen in der Flüchtlingskrise groß, Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) verkündete: „Wir schaffen das.“ Dann kam die Silvesternacht und mit ihr die sexuellen Übergriffe in Köln. Saarlands Innenminister Klaus Bouillon ( CDU ) sagte im Februar dem Berliner „Tagesspiegel“, die Stimmung gegenüber Flüchtlingen sei „großteils gekippt“.

Unsinn, sagt Peter Nobert vom Saarländischen Flüchtlingsrat (SFR). Er ist überzeugt: „Die Willkommenskultur ist nicht am Ende.“ Für ihn ist die vermeintlich schlechte Stimmung „gemacht“ – von Medien und Politikern, die mit ihren Äußerungen die öffentliche Meinung beeinflussen.

Umfragen zeigen ein ambivalentes Bild: So gaben etwa in einer aktuellen Forsa-Umfrage für den „Stern“ 83 Prozent an, dass ihnen die Angriffe auf Flüchtlingsheime und die verbreitete rassistische Gewalt weit mehr Sorgen machen als die Zahl der Asylbewerber (52 Prozent). Dennoch sind 49 Prozent der Meinung, die Zahl der Ausländer und Flüchtlinge sei hoch genug, es sollten keine weiteren zuziehen.

Welche Erfahrungen haben ehrenamtliche Helfer gemacht? Gaby und Jürgen Thiery kümmern sich seit einem Jahr in der Flüchtlingsinitiative Saarlouis um die Menschen, die in der Stadt ankommen – 700 sind es derzeit. „Die Motivation der Helfer ist ungebrochen“, sagt Jürgen Thiery. Eher komme zuweilen Frust auf über die Mühlen der Bürokratie, die so langsam mahlen, die wenig Raum lassen für Improvisation. Thiery ist keiner, der die rosarote Helfer-Brille aufhat: „Wir können nicht alle Flüchtlinge aufnehmen. An dem Satz ,Wir können nicht Retter der Welt sein', ist schon etwas dran. Doch ich sehe auch die Not der Menschen.“ Und Deutschland sei noch lange nicht an der Belastungsgrenze. Hin und wieder bekommen die Thierys bei ihrer Arbeit fremdenfeindliche Sprüche zu hören. Doch das sei die Ausnahme.

Hinter solchen Sprüchen steckten meist irrationale Ängste , meint Walter Nägle, der sich im Verein „Agil Kirkel“ engagiert, der 180 Flüchtlinge betreut. Nägle erzählt von einem Dorffest in Kirkel-Altstadt, das er mit einer Gruppe Flüchtlinge besuchte. „Die erste halbe Stunde war eisig.“ Die Altstädter ignorierten die Neuankömmlinge, nur langsam taute die Stimmung auf. „Auch die Deutschen brauchen Zeit, um Ängste und Vorurteile zu überwinden“, sagt Nägle. Er glaubt, dass in Kirkel nur eine „winzige Minderheit“ wirklich fremdenfeindlich sei. Zwei Drittel seien offen und hilfsbereit, ein Drittel skeptisch. „Aber die kann man überzeugen.“

Anders als andere Bundesländer meistert das Saarland die Flüchtlingskrise noch vergleichsweise gut. Keine einzige Halle musste als Flüchtlingsunterkunft belegt werden, auch das dürfte Einfluss auf die Stimmung in der Bevölkerung haben. Die Leistung von Innenminister Klaus Bouillon ? Die Helfer wollen Bouillon seine Verdienste nicht absprechen, doch dass die Aufnahme der Flüchtlinge hier reibungsloser als in anderen Ländern funktioniert, sei in erster Linie den Ehrenamtlern zu verdanken – und den Kommunen, die sich „noch gut kümmern“, wie Nägle sagt, der selbst für die SPD im Kirkeler Gemeinderat sitzt. Das Saarland habe zudem den Vorteil, dass es ländlich geprägt sei. „Die Integration funktioniert sicher besser, wenn kleine Gruppen von Flüchtlingen in den Gemeinden leben, als wenn Zehntausende in der Großstadt untergebracht sind“, meint Jürgen Thiery.
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