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Wir-Projekt lockte weit über 1000 Teilnehmer auf den Christian-Weber-Platz

Die beiden Helfer Luca Ingrao (links) und Nikolas Winter suchen noch nach einem Platz, wo sie auch selbst malen können. Manuela Garib (rechts) ist schon dabei und schreibt das Wort Frieden auf Geldscheine, „weil Geld auch Kriege führen kann“. Fotos: Ulrike Stumm/SZ-Redaktion

Die beiden Helfer Luca Ingrao (links) und Nikolas Winter suchen noch nach einem Platz, wo sie auch selbst malen können. Manuela Garib (rechts) ist schon dabei und schreibt das Wort Frieden auf Geldscheine, „weil Geld auch Kriege führen kann“. Fotos: Ulrike Stumm/SZ-Redaktion

An vielen Stellen in der Innenstadt laufen Kindergruppen mit geschwärzten Gesichtern herum. Das liegt jedoch nicht daran, dass in Homburg plötzlich eine Kohlegrube erschlossen wurde, in die neuerdings eingefahren wird. Des Rätsels Lösung findet sich auf dem Christian-Weber-Platz. „Was ist denn hier los?“, fragt ein Mann im schwarzen Anzug, der vorbeiläuft. Überall ist jemand zugange, Grundschüler, aber auch ältere aus Gymnasien und anderen Schulen, an der Seite haben sich einige Kinder und Jugendliche in Rollstühlen aufgestellt, bemaltes Papier liegt auf dem Boden oder wird von Windstößen ein wenig verweht. Etwas weiter hinten beobachten betagtere Zuschauer das bunte Treiben – und müssen sich sichtlich erst ein bisschen akklimatisieren. Grund für das Treiben ist das Wir-Projekt, hinter dem Nathalie Dommergue und Andrea Mross von „Freiraum und Eigensinn“ stecken. Die sind am Morgen ziemlich aufgeregt, aber auch sehr glücklich. „Es ist alles noch im Werden, ein Prozess“, sagt Dommergue. 1300 Anmeldungen aus Schulen hätten sie allein erhalten, ergänzt Andrea Mross, da seien die noch nicht mitgerechnet, die spontan auf den Platz kommen. „Es ist einfach total schön. Das vergessen sie nicht mehr.“

Das Thema des großen Kunstwerks, das auf dem Platz am Entstehen ist, lautet Kohle – und wie vielschichtig man sich damit auseinandersetzen kann, zeigt schon ein Blick auf die Materialien: Papierovale, auf denen mit Farbe und Kohle gemalt wird, bunte Kreiden, dazu ebenfalls Kohle für den Boden und Kopien von überdimensionierten Geldscheinen.

Manche sind spontan gekommen, andere haben das Thema im Unterricht aufgegriffen. Margit Klein, Lehrerin an der Sonnenfeldschule, ist mit 24 Zweitklässlern hier. Sie habe das Thema Kohle mit seinen zwei Bedeutungen: Bergbau und Geld, auch als Blüten, mit den Schülern behandelt. Die einen hätten dann heute Blütenblätter bemalt, andere auf Geldscheine geschrieben, was man sich für Geld alles kaufen kann. Sie habe die Kinder gebeten, alle in weißen T-Shirts zu kommen, „damit sie dann auch dementsprechend aussehen“.

Bei vielen kleinen Künstlern ist die Kohle nicht nur auf den Kleidern zu finden, sondern auch im Gesicht und auf den Händen. Einige Mädchen haben durchaus praktisch gedacht: einen Grill gemalt und Feuer, schließlich brauche man das zum Anzünden. Manche haben sich an allem ausprobiert, mit Scheinen gearbeitet, die Buchstaben ausgemalt, die ein riesiges „Wir“ ergeben, was auch dafür steht, wofür das Projekt antritt: Kommunikation und Nachhaltigkeit, Künste verbinden und Menschen verbinden. Zwischen den Kleineren laufen Helfer herum, Luca Ingrao ist einer davon. „Ich wusste ungefähr, was auf mich zukommt“, sagt er, allerdings habe er nicht mit so einer breiten Masse gerechnet.

Paul Mukian ist für M&R Kreativ mit der Kamera unterwegs, um das Projekt zu dokumentieren – der Film soll noch am Abend an gleicher Stelle in der Wir-Nacht zu sehen sein. Eine weitere Kamera fängt das Geschehen vom Dach aus der Vogelperspektive ein. Ihm seien vor allem die strahlenden Gesichter aufgefallen, aber auch, dass sich das Thema Griechenland und der Grexit in den Bildern und Aussagen der Kindern widerspiegele. Tatsächlich finden sich, wenn man im Gewusel schaut, viele ernste Gedanken auf Blättern und auf dem Boden: „Ohne Geld kein Griechenland“, „Die Gier entwächst aus den Köpfen. Der Rest ist nur Schein.“ ist da zu lesen oder auch „Für Freundschaft braucht man keine Kohle “. Und während die einen gerade kommen, ziehen die anderen wieder ab – mit einem Lächeln im oft leicht schwarz gefärbten Gesicht.
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