L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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„Wir beteten darum, nicht geköpft zu werden“

Charli Kanoun von der assyrischen Christengemeinde (l.) mit Ex-Geisel Jamal Kefarkis. Foto: Prams

Charli Kanoun von der assyrischen Christengemeinde (l.) mit Ex-Geisel Jamal Kefarkis. Foto: Prams

Bis zuletzt hatte Jamal Kefarkis gehofft, dass Talgoran, sein Heimatdorf im Nordosten Syriens, nicht in die Hände der Terroristen des Islamischen Staats (IS) fallen würde. In der Nacht zum 24. Februar wurde diese Hoffnung zunichte gemacht. „Gegen vier Uhr habe ich Schüsse gehört. Plötzlich standen die IS-Soldaten vor mir“, erzählt der 52-Jährige.

Gemeinsam mit 20 anderen war Kefarkis in seinem Dorf geblieben, um es vor Plünderern zu schützen. Allen anderen Bewohner hatten sich aus Angst vor den IS-Terroristen in Sicherheit gebracht. Insgesamt wurden in jener Nacht 34 Dörfer in der Region um den Chabur-Fluss überfallen, die von assyrischen Christen besiedelt waren. Ein großer Teil der rund 6000 Bewohner konnte fliehen, andere wurden getötet oder in Geiselhaft genommen. Wie Jamal Kefarkis und die 20 anderen.

„Man hat uns in eine nah gelegene Stadt verschleppt, wo wir in einen Raum gedrängt wurden“, erzählt Kefarkis unter Tränen. Über das, was ihm und den anderen in den darauffolgenden Tagen angetan wurde, will er nicht sprechen. Es könne anderen Geiseln schaden, sagt er. „Wir hatten keine Hoffnung mehr. Wir beteten nicht mehr darum, freizukommen, sondern nur noch darum, erschossen zu werden, nicht geköpft oder verbrannt.“

Kefarkis und die anderen wussten nicht, dass bereits Verhandlungen über ihre Freilassung in Gang waren, die nach zwölf Tagen dazu führten, dass alle 21 Geiseln , darunter drei Frauen und ein Kind, freigelassen wurden.

„Über die Höhe des Lösegelds möchten wir nichts sagen. Aber nach unserem letzten Stand verlangte der IS 100 000 Dollar pro Geisel“, sagt Charli Kanoun, Sprecher der assyrischen Christengemeinde im Saarland, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass alle 21 Ex-Geiseln im Saarland untergebracht werden. „Wir haben die Reise nach Deutschland finanziert, sorgen für Unterkünfte und tragen sämtliche Kosten“, erklärt Kanoun, der im März in einer Sondersitzung den Innenausschuss des Landtages darum gebeten hat, die Einreise der 21 Assyrer zu ermöglichen. „Wir bedanken uns bei allen Parteien im Landtag. Sie haben das ermöglicht“, sagt Kanoun. Bis Mitte September sollen alle 21 im Saarland eintreffen, 18 werden dann in Saarlouis leben. Die Aufenthaltsgenehmigung gilt vorerst für zwei Jahre.

Jamal Kefarkis, der seit einer Woche hier ist und bei seiner Schwester in Saarlouis lebt, ist dankbar. Die Angst vor dem Terror sei verschwunden. Aber Ruhe könne er erst finden, wenn auch seine Frau und seine sieben Kinder bei ihm seien. Die sind derzeit im Libanon, zwar in Sicherheit vor dem IS, aber „untergebracht unter erbärmlichen Bedingungen“. Ihnen wurde kein Visum ausgestellt, weil sie nicht in Geiselhaft waren.

Kefarkis hofft auf baldige Familienzusammenführung . Aber bis dahin, weiß Charli Kanoun, sei noch ein langer Weg. „Ohne außergewöhnliche Hilfe dauert es sicher zwei Jahre.“
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