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„Wir brauchen mehr Vorbilder“: Bundesagentur und Handwerkskammer werben für mehr Frauen in Männerberufen

Frauen im Saarland verdienen deutlich weniger als Männer . Und das, sagt Heidrun Schulz, Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz/Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA), liege nicht an einer schlechteren Qualifikation, sondern an der Berufswahl . „Viele entscheiden sich immer noch für typische Frauenberufe mit geringeren Verdienstmöglichkeiten“, sagt Schulz. Über diesen Missstand kann sich die regionale BA-Chefin immer wieder aufregen. Zwar liegt der Klischee-Beruf Friseur auf der Top-Ten-Liste nur noch auf Platz fünf nach der Bürokauffrau, der Verkäuferin, der Medizinischen Fachangestellten und der Einzelhandelskauffrau. In den typischen Männerberufen sind Frauen aber weiter völlig unterrepräsentiert.

 

„Wir brauchen mehr Vorbilder – in der Berufswahl zählen die deutlich mehr als Worte“, sagt Schulz und bekommt Schützenhilfe von Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Der spricht nicht nur von Vorbildern, sondern von „Heldinnen“. Heldinnen wie Jana Sablowski. Die 32-Jährige hat sich ihren Traum erfüllt und eine Ausbildung als Fahrzeuglackiererin absolviert, später auch noch die Meisterschule angehängt. Den Beruf wollte sie schon seit ihrem 13. Lebensjahr lernen, hat sich dann aber von ihrer Familie zu einer Kochlehre überreden lassen. „Ich komme aus einer Gastronomie-Familie. Da lag das nahe“, sagt sie. Letztlich sprang der Funke aber nie über, so dass sie – trotz finanzieller Einbußen – noch einmal eine weitere Ausbildung begann. Rückblickend war es für sie die einzig richtige Entscheidung: Mittlerweile bildet sie in der Kfz-Innung in Saarbrücken als Meisterin den Nachwuchs aus: „Der Idealjob. Ich wollte immer mit Auszubildenden arbeiten“, sagt sie.

 

Sablowski ist noch immer eine von wenigen Frauen , die sich in Männerberufe wagen. Doch die Handwerkskammer sieht schon leichte Fortschritte: Während 2010 erst 6,8 Prozent der Azubis in typischen Männerberufen weiblich waren, sind es in diesem Jahr schon 8,3 Prozent.

 

Doch auch wenn Frauen sich für einen sogenannten Männerberuf entscheiden, gibt es erhebliche Hürden: Sie habe nach ihrer Ausbildung 50 Bewerbungen bundesweit geschrieben, nach dem Meisterabschluss 88 – und doch habe sie nur wenig Rückmeldungen bekommen, sagt Sablowski. Häufig sei es einfach so, dass Chefs keine Frauen in der Werkstatt wollen, „um die anderen Männer nicht abzulenken“. Auch müsse man als Frau ein dickes Fell und Schlagfertigkeit besitzen, um anzüglichen Bemerkungen gleich den Boden zu entziehen. Manikürte und lackierte Fingernägel seien sowieso nicht drin, die würden beim Arbeiten sowieso sofort wieder abgeschliffen.

 

BA-Chefin Schulz wünscht sich mehr Jana Sablowskis. Denn gerade bei Frauen schlummere großes und oft ungenutztes Fachkräftepotenzial: Von den 171 000 weiblichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben bisher nur knapp 114 000 einen anerkannten Berufsabschluss. Und fast 44 000 Frauen haben nur einen Mini-Job.
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