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"Wir haben gelernt, wie viele Freunde wir haben"

Der Großbrand bei der Dachdeckerei Bernardi war selbst für viele altgediente Feuerwehrleute ein Großfeuer, das ihnen lange in Erinnerung bleiben wird. Und auch die Brüder Hans-Jörg (54) und Roland Bernardi (53) werden es nie vergessen. Innerhalb einer Nacht brannte ihre Halle ab, wertvolle Maschinen wurden zerstört, das Holzlager wurde ein Opfer der Flammen wie auch vier Autos und zwei Sattelauflieger. „Nachdem ich angerufen wurde, fuhr ich sofort los und sah die Rauchsäule vom Rotweg aus. Ich wusste, das der Schaden riesig sein würde“, erzählt Roland Bernardi heute nach gut drei Wochen. Sein Bruder war am Tag des Brandes in den USA. „Ich hatte den Schock nach zehn Minuten überwunden, habe der Feuerwehr die Tore aufgeschlossen und ihnen gesagt, dass sie mich in meinem Büro finden, denn ich habe noch nachts begonnen zu planen, wie wir am nächsten Tag weitermachen“, sagt Bernardi.

Das soll aber nicht bedeuten, dass er völlig cool gewesen sei. Das ist er heute noch nicht. Natürlich geht ihm die Sache mit dem Großbrand seines Unternehmens sehr nah. Aber er wollte seine Firma retten, und da erschien es ihm logisch, die Feuerwehr löschen zu lassen und selbst zu überlegen, wie man die 30 Mitarbeiter am nächsten Werktag so sinnvoll einsetzen kann, dass es weitergeht. „Wir hatten donnerstags den Brand und freitags eine Verzögerung von maximal eineinhalb Stunden. Die Arbeiter kamen morgens zur Arbeit und waren betroffen. Vielen standen Tränen in den Augen, sie machten sich Sorgen um den Job. Aber ich habe ihnen gesagt, dass wir nicht aufgeben, und wir haben die Werkzeuge, die wir noch hatten, aufgeteilt, und alle sind zu ihren Baustellen gefahren. Kein Kunde musste mehr als 90 Minuten warten“, sagt Bernardi rückblickend. Drei Wochen nach dem Feuer hat er sogar positive Erinnerungen.

„Feuerwehr und Rotes Kreuz haben sich extrem angestrengt. Die Sanitäter haben wir zum Glück nicht gebraucht. Dafür hat die Feuerwehr alle Nebengebäude gerettet. Feuerwehrmänner, die ich kannte, haben mir Mut zugesprochen. Andere Handwerksbetriebe aus dem Saarland haben uns Maschinen und Hallen angeboten, Autos wurden uns geliehen, und eine Nachbarin brachte Blumen vorbei. Ich kann nur Dank sagen an die Hilfskräfte und die Belegschaft. Alle haben für die Firma gekämpft, und das macht uns glücklich“, berichtet der Firmenchef sichtlich bewegt. „Wir haben gelernt, wie viele Freunde wir haben. Das ist die positive Seite an der Katastrophe.“

Die Firma Bernardi arbeitet „normal“ weiter, soweit man es „normal“ nennen kann, wenn die zentrale Werkshalle in Schutt und Asche liegt, ständig Gutachter kommen, Unterlagen rausgesucht und Ersatz beschafft werden muss. Aber alle Baustellen werden bedient, versichert der Chef. Kein Projekt habe unter dem Brand gelitten. Bis man den Brand mit Abriss der alten und Neubau einer neuen Halle zu den Akten legen kann, wird es ein Jahr dauern. Inzwischen ist die Kripo mit ihrer Arbeit fertig, sie schließt Brandstiftung aus. Nun wird der Abriss geplant.

Dazu wurden chemische Proben genommen, denn der Brandschutt muss entsorgt werden. Erst dann kann neu gebaut werden. „Mit den Versicherungen läuft es bislang vorbildlich“, sagt Bernardi. Aber einen Millionenschaden wickelt man nicht in vier Wochen ab, das wisse er. „Wir haben uns auch nicht warm saniert. Wir werden selbst investieren müssen“, fügt er hinzu. Er hat aber keine Zweifel, dass das funktionieren wird. Vorläufig werde ein Zelt aufgebaut, um Gerät und Maschinen unterstellen zu können. Nächsten Sommer will er dann mit seinem Bruder die neue Halle einweihen. Fest steht für ihn aber schon jetzt: „Die Firma ist gerettet, den wirtschaftlichen Schaden bekommen wir in den Griff. Aber wir wurden auch menschlich aufgefangen, und das hat uns allen sehr viel gegeben.“

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