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„Wir lieben diese Klischees!“: Der Erfolg der Saarbrücker Band Powerwolf

Die Band Powerwolf von links: Gitarrist Matthew Greywolf, Schlagzeuger Roel van Helden, Sänger Attila Dorn, Keyboarder Falk Maria Schlegel und Bassist Charles Greywolf

Die Band Powerwolf von links: Gitarrist Matthew Greywolf, Schlagzeuger Roel van Helden, Sänger Attila Dorn, Keyboarder Falk Maria Schlegel und Bassist Charles Greywolf

Welch ein Kontrast: Mit kalkweißem Antlitz, einer wandelnden Leiche gleich, blickt der Eine auf Pressefotos böse in Richtung Kamera; der Andere, in Lack und Leder, hält ein flammendes Kreuz in Händen – Gestalten, denen man nicht zwingend nachts begegnen möchte, schon gar nicht bei Vollmond auf dem Friedhof.

Trifft man die beiden Herren aber in Alltagskluft, strahlen sie die Aura einer aufrechten Nettigkeit aus, als täten sie nichts lieber, als älteren Herrschaften über stark befahrene Straße zu helfen. Falk Maria Schlegel und Matthew Greywolf nennen sich die beiden Musiker mit Künstlernamen – sie sind Keyboarder beziehungsweise Gitarrist bei der saarländischen Band Powerwolf, die sich mit Haut und Haaren dem Heavy Metal verschrieben hat – kein Musik-Genre, das für auffällige Subtilität berühmt ist, sondern eher für die grobe Kelle; auch Powerwolf lieben die große Geste, die donnernden Rhythmen, mal schrille, mal feingliedrige Gitarrensoli, jubilierende Chöre. Die Songs des jüngsten, enorm eingängigen Albums nennen sich „We are the Wild“, „Army of the Night“ oder auch „Sanctus Dominus“. Da könnte man mitunter eine parodistische Absicht vermuten, ein leichtes Augenzwinkern – ein wenig wie bei der legendären Pseudo-Heavy-Metal-Doku „Spinal Tap“, in der ein Verstärker konstruiert wird, dessen Regler sich nicht bis zehn, sondern bis elf drehen lässt – damit die Musik „eins lauter“ ist. Zustimmen will die Band da nicht. „Ironie haben wir nicht im Sinn“, sagt Greywolf, „eher eine Liebeserklärung, eine Hommage – wir lieben einfach diese Klischees des Heavy Metal . Schon unser Name entspricht ja eigentlich dem Klischee. Aber gleichzeitig nehmen wir das Ganze sehr ernst.“

Der jüngste Aufstieg der Band ist steil. Ihr Album „Preachers of the Night“ sprang 2013 direkt auf Platz eins der deutschen Album-Charts, das jüngste Album „Blessed & Possessed“ erreichte aus dem Stand Platz drei. Diesen großen Durchbruch betrachtet die Band gleichzeitig selbstbewusst und gelassen. „Ein surreales Gefühl“ sei es schon, auf Platz eins zu stehen, sagt Schlegel, „aber im Grunde war es nur das Resultat von viel harter Arbeit“. Konzerte, Pressearbeit, noch mehr Konzerte.

Als sich der große Erfolg einstellte, interessierten sich plötzlich auch die Medien abseits der Heavy-Metal-Szene für sie, ob nun der „Stern“ oder der Deutschlandfunk . „Das hat auch das Klischee wiederlegt, dass Heavy Metal nur eine Nische mit Minderheitenpublikum ist“, sagt Greywolf. „Die Szene wird immer etwas abgetan, aber man muss sich bloß anschauen, wieviele große Festivals es allein in Europa gibt.“ Da sich die Band aber nicht als „diese Freaks aus der Metal-Szene“ im Fernsehen wiederfinden will oder als „Fünf-Minuten-Sensation“, hat sie „manche abstruse“ Angebote ausgeschlagen, sagt Greywolf; darunter war auch eine der beliebten und tränendrüsigen Song Contest-Shows – sehr zum Missvergnügen und gegen den Widerstand der Plattenfirma. „Diesen Mainstream-Erfolg brauchen wir nicht“, sagt Greywolf – und man glaubt es ihm gerne. Über Jahre war die Band ein Feierabendprojekt, mittlerweile ist sie der Hauptberuf für die Musiker , „das war der Traum, den wir alle hatten“, sagt Greywolf, „und den zelebrieren wir jetzt“.

Nicht nur bei den Konzerten, sondern schon bei der Albumproduktion, die mit Erfolg im Rücken so aufwendig sein kann, wie sich die Band das immer erträumt hat: Aufgenommen wurde das Album in Studios zwischen dem saarländischen Holz und dem schwedischen Göteborg, unter anderem mit Chören und einer Kirchenorgel in Thionville. Auch bei der Bühnenshow lässt es die Band buchstäblich krachen, mit Feuer und Blitz. „Wenn ich Musiker sehe, die gut spielen, sich aber dabei auf die Fußspitzen schauen, finde ich das langweilig“, sagt Schlegel, der Band geht es um die große Show, „wir sehen uns als Unterhalter“. Auch deshalb die stets selbst entworfenen Bühnenbilder, die Kostüme und die klingenden Künstlernamen – der Sänger etwa nennt sich Attila Dorn (sein bürgerlicher Vorname ist Karsten). Ist das ein bisschen wie bei Alice Cooper und David Bowie , der sich mit „Ziggy Stardust“ ein schrilles Alter Ego entwarf? „Das ist bei uns keine Maske oder Rolle“, sagt Schlegel, „sondern eher ein Teil der eigenen Persönlichkeit, den man dann rauslassen kann. Privat bin ich eher ruhig – auf der Bühne überhaupt nicht.“

Powerwolf: Blessed & Possessed (Napalm / Universal).

Konzert: 7. November, Garage Saarbrücken .
   
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