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„Wir wollen jeden erreichen“: Was der Stadtbauernhof bewirken soll

Gab es Vorbilder für die Gründung des Stadtbauernhofes Saarbrücken?

 

Jörg Böhmer: Ich habe in der Zeit, in der ich Biokontrolleur war, Gespräche mit anderen Höfen geführt. Aber der Gedanke, die solidarische Landwirtschaft auf dem Stadtbauernhof als Konzept zu übernehmen, der kam im Prozess, und es war schnell klar, dass es nur mit vielen Leuten geht. Ein klarer Vorteil an einem Solidarhof ist, dass man von Anfang an finanziell eine gewisse Sicherheit hat.

 

Was sind die Ziele des Stadtbauernhofes und der Solidarischen Landwirtschaft ?

 

Böhmer: Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft sieht vor, dass Erzeuger und Verbraucher sich zusammentun, dass ich als Landwirt mit den Leuten, die unsere Produkte haben wollen, gemeinsame Sache mache. Das funktioniert so, dass wir ein Jahresbudget von 43 000 Euro aufgestellt und das auf 70 Ernteteile umgelegt haben, wobei ein durchschnittlicher Monatsbeitrag von 51 Euro rauskam. Durchschnittlich deshalb, weil wir als Solidarhof auch den Leuten, die weniger Geld in der Tasche haben, die Möglichkeit bieten, mitzumachen.

 

Verstehen Sie den Bauernhof als einen Beitrag zu einem nachhaltigeren Saarbrücken?

 

Böhmer: Das ist so gedacht. Der Bauernhof ist nur ein Standbein. Der Träger des Stadtbauernhofs ist der Stadtbauernhof Saarbrücken e.V. Der gemeinnützige Verein verfolgt das Ziel der Bildung für nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung. Das ist eine Plattform, die erst geschaffen wurde und sukzessive ausgebaut wird. Wir wollen Trends wie das „Urban Gardening“ mit dem Stadtgarten aufgreifen. Wir haben schon die ersten Kindergartengruppen aus sehr unterschiedlichen Ecken von Saarbrücken da gehabt. Gerade bei einem Ökoprojekt, wo immer die üblichen Verdächtigen angelaufen kommen, ist es mir wichtig, dass wir alle Teile der Bevölkerung erreichen.

 

Auch hier in Saarbrücken fand ein „Marsch gegen Monsanto “, also gegen die industrielle Landwirtschaft statt. Inwiefern kann der Stadtbauernhof dazu einen Beitrag leisten?

 

Böhmer: Ich glaube, das ist wichtig, aber die Wirkung von Demonstrationen ist begrenzt. Der Stadtbauernhof kann das insofern ergänzen, dass wir mit dem Positivbeispiel arbeiten. Es geht darum, zu zeigen, was man machen kann und nicht, was man nicht will. Die Frage ist ja: Was wollen wir? Ich glaube, dass in der konventionellen Landwirtschaft immer mehr Betriebe sind, die sich nachhaltige Landwirtschaft anschauen. Wir wollen künftig mehr Exkursionen veranstalten zu anderen Höfen, damit wir nicht nur das Kleine zeigen, sondern den Leuten auch die große Landwirtschaft erklären können. Das Bedürfnis bei den Städtern ist auf jeden Fall da, mehr über Nahrungsmittel zu erfahren.

 

Gegner der Öko-Landwirtschaft behaupten, der globale Lebensmittelbedarf könne ohne chemische Zusatzstoffe, wie Glyphosat, nicht gedeckt werden. Geht es auch wirklich ohne?

 

Böhmer: Ja klar! Es ist viel Handarbeit. Das erfahren die Leute hier ganz praktisch: „Da wächst ja schon wieder Gras, haben wir das nicht letzte Woche weggehackt?“ Wir haben Grünlandflächen umgebrochen und da kommt jetzt überall Gras zwischen dem Gemüse raus. Es ist ein hartes Stück Arbeit, dass das Gemüse nicht überwuchert wird. Aber man sieht ja, dass hier was steht und es funktioniert.

 

Es könnte sein, dass das Industriegebiet Süd ins Almet hinein erweitert wird. Wie steht der Stadtbauernhof dazu?

 

Böhmer: Das wäre ein großes Problem für uns, weil der Stadtbauernhof 1,7 Hektar Gesamtfläche hat. Da bleibt vielleicht ein Hektar Nutzfläche, die wir bewirtschaften. Damit ist der Hof sehr knapp mit Fläche ausgestattet, um Landwirtschaft zu betreiben. Wir haben Bedarf, uns weitere Flächen zu erschließen, weil wir auch eine Fruchtfolge fahren müssen. Es gehen Flächen verloren, insgesamt ist von 10 Hektar die Rede. Es gibt andere Betriebe im Tal, die direkt Flächen verlieren und dann steigt der Druck hier auch. Wir arbeiten konstruktiv und freundlich zusammen, aber irgendwann ist zu wenig Fläche da. Aus meiner Sicht müsste das auf jeden Fall verhindert werden. Zudem brächte das dem Naherholungsgebiet einen unglaublichen Abschlag, weil wenn man zum Beispiel diese Route als Wanderroute betrachtet und es sind plötzlich 500 Meter dieser Route im Industriegebiet, dann ist das ein extremer Verlust an Qualität.

 

Zum Thema:

 

Der gemeinnützige Verein Stadtbauernhof Saarbrücken e.V. wurde im Mai 2014 gegründet, hat derzeit 85 Mitglieder und ist seit Oktober 2015 Pächter des „Weirichshofes“ im Naherholungsgebiet Almet. Im Frühjahr 2016 hat die Bewirtschaftung der Freiflächen mit Gemüse begonnen und die Mitglieder erhalten bereits die ersten Ernteteile. Verantwortlich für die Landwirtschaft ist Jörg Böhmer, studierter Agraringenieur mit Spezialisierung im Ökolandbau, dem der eigentliche Bauernhof vom Verein unterverpachtet wurde. Der gastronomische Bereich wurde an die Inhaber des „Ulanen-Pavillons“ unterverpachtet. Weiterhin gibt es einen Stadtgarten für das „Urban Gardening“, eine Upcycling-Werkstatt und naturpädagogische Kurse für Kinder. Mitmachen kann jeder Interessierte samstags von 10-17 Uhr. red stadtbauernhof.org/
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