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„Wir wollten ein Zeichen setzen gegen Alkohol und Drogen am Steuer“

Deutsche und französische Polizisten kontrollieren am Dienstag (22.07.2014) gemeinsam Fahrzeuge in Saargemünd.

Deutsche und französische Polizisten kontrollieren am Dienstag (22.07.2014) gemeinsam Fahrzeuge in Saargemünd.

Der Motorrollerfahrer wollte noch entkommen. Erst auf dem Roller, dann zu Fuß. Polizisten hatten den längeren Atem. Grund für den Verzweiflungssprint: Der Mann hat keinen Führerschein. Er war einer von rund 470 Männern und Frauen, die von Dienstagnachmittag (22.07.2014) an bis in den späten Abend in eine grenzüberschreitende Verkehrskontrolle geraten waren.

Jordana Becker von der Inspektion Brebach hatte auf deutscher Seite den Einsatz geplant – vom Einholen der Genehmigung beim Landespolizeipräsidium bis zum Beschaffen der Autos und Testgeräte sowie der Einteilung der Kollegen. „Wir wollten ein Zeichen setzen gegen Alkohol und Drogen am Steuer.“ Außerdem ging es um die ganze Bandbreite der Massenverstöße, auf die Polizisten ein Auge haben. Seien es nun verbotene Handytelefonate während der Fahrt, der nicht angelegte Gurt oder das ungesicherte Kind im Auto.

Aufgefallen ist nicht nur der Rollerfahrer. Ein Franzose bekam Ärger, weil der Blick auf die Windschutzscheibe zeigte: Der Versicherungsnachweis war abgelaufen, ein „Verstoß gegen das Auslandspflichtversicherungsgesetz“. Da sah Jordana Becker keinen Spielraum. Weiterfahrt verboten!

„Nach einem Unfall könnte es erhebliche Schwierigkeiten bei der Schadensregulierung geben.“ Sie ließ sich den Schlüssel geben und ist gespannt, ob der Mann sein Versprechen hält, also den gültigen Versicherungsnachweis zu Hause holt und zur Polizei nach Brebach bringt. Dagegen stand noch an Ort und Stelle fest, dass Alkohol und Drogen bei dieser Kontrolle keine Rolle spielten. Alle sechs Alko-Tests verliefen unauffällig.

Dass zum Ausrasten Alkohol gar nicht nötig ist, zeigte sich für alle Beteiligten überraschend auf der anderen Seite, in Saargemünd. Becker ging prüfend ums Auto. „Der ältere Beifahrer hat total aggressiv reagiert und fragte: ,Wer kontrolliert hier: Deutsche oder Franzosen?’“ Beckers französische Kollegen klärten den Mann mehrfach über die rechtlichen Grundlagen der Kontrolle auf. „Das war aber der einzige Fall. Sonst fielen die Reaktionen sehr positiv aus“, sagt die Polizeioberkommissarin. Ausgenommen sind natürlich die Fälle, in denen die Police Nationale Fahrern Denkzettel verpasste. Sei es, weil Autos nach einem Umzug nicht umgemeldet oder die Papiere nicht an Bord waren. Und über einen Säbel und eine falsch transportierte Flinte im Wagen, zwei Verstöße gegen das Waffenrecht, sieht kein Polizist hinweg.

Trotzdem war es alles in allem ein normaler Kontrolltag, auch weil Franzosen und Deutsche diese Polizeiarbeit so oft gemeinsam machen. Armand Buchmüller leitet die Dienststelle Saargemünd der Police Nationale. Er weiß, was er an seinen deutschen Kollegen hat, wenn er in Frankreich Autofahrer aus dem Nachbarland mitunter kräftig zur Kasse bitten muss. „Es hilft, wenn dann mein deutscher Partner erklärt, dass das seine Richtigkeit hat.“ Verständnis für die Kontrollen fehle dennoch oft. Buchmüller erzählt von dem allzu eiligen Pärchen, das zwar nach einer Tempokontrolle zahlte, dann aber im Wegfahren zeigte, was es davon hielt – mit dem Stinkefinger.

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