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Wird Grewenig Interims-Chef der Stiftung Kulturbesitz?

Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.

Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.

Saarbrücken. Für Gesprächsstoff auf der Sondersitzung des Kuratoriums der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, die heute um 16 Uhr im Saarlandmuseum stattfindet, ist gesorgt. Kurator und Kulturminister Karl Rauber ist gefordert, zumindest vorläufig das Amt des Stiftungs-Vorstands neu zu besetzen, nachdem er Ralph Melcher vom Dienst suspendiert hat. Anlass dafür war – wie berichtet – die Untreue-Anklage gegen den Museumschef.

Die Staatsanwaltschaft kreidet Melcher an, er habe einen Saarbrücker Innenarchitekten, der als Projektsteuerer für den Bau des Vierten Pavillons bezahlt wird, unangemessen oft und äußerst großzügig zu Gourmetessen auf Kosten der Stiftung eingeladen. Voraussichtlich wird bei dem Krisentreffen des Kuratoriums auch dieser Projektsteuerer Gesprächsthema.



Denn: Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt auch gegen ihn wegen Korruptions-Verdachts. Pressestaatsanwalt Thomas Reinhardt bestätigte dies gestern gegenüber unserer Zeitung. Offenbar wurden bei Durchsuchungen Hinweise darauf gefunden, dass der Projektsteuerer rund 8000 Euro an seinen Auftraggeber Ralph Melcher gezahlt haben soll.

„Das lässt sich lückenlos aufklären“, sagt dazu Professor Egon Müller, Verteidiger des Projektsteuerers. Eine Vernehmung sei terminiert. Müller prognostiziert, dass es nicht zur Anklage komme. Das Geld sei über die Bücher seines Mandanten gelaufen; der habe für eine adäquate Beratungssleistung Melchers gezahlt. Es liege eine Rechnung vor.  Müller: „Da bleibt nichts hängen.“ Außer ein Geschmäckle? Schließlich wird hier ein Auftragnehmer plötzlich zum Auftraggeber für seinen Bauherren. Letzterer – Melcher – hatte ihn, salopp ausgedrückt, zum Haus- und Hof-Architekten der Stiftung Kulturbesitz gemacht. Dies offensichtlich unter Mitwissen und Billigung des Kuratoriums. Mit dem Baumeister wurden seit 2005 mindestens acht Berater-, Projektsteuerungs- und Architekten-Verträge geschlossen.

Ihm wurde nicht nur das Management des Neubaus der Galerie der Gegenwart anvertraut (Grund- Honorar: 200 000 Euro), sondern angeblich auch die Neugestaltung der ehemaligen Schillerschule sowie die Sanierung des Kreisständehauses. Mehr noch. Es ist nicht das erste Mal, dass der Projektsteuerer in Zusammenhang mit seinen Aufträgen für die Stiftung in die Gerüchteküche gerät. Vor Melchers Amtsantritt war der Architekt in die Anfangs-Planungen für das Mammutvorhaben „Historische Musuemsmeile“ am Schloss involviert. 2003 erstellte er die „Machbarkeitsstudie“.

Danach wurde ihm der Umbau der Schlosskirche zum Museum und die Gestaltung des gläsernen Zwischenbaus anvertraut. Kosten: rund 3,5 Millionen Euro. Schon 2004 kursierte das böse Wort von der Amigo-Wirtschaft. Der damalige Kultusminister und Kurator, Jürgen Schreier (CDU), war auf Grund einer 20-jährigen guten Bekanntschaft ein Duzfreund des Projektsteuerers. Und ist es geblieben.  Zum lauten Flüstern über Vetternwirtschaft äußerte sich Schreier 2004 gegenüber der SZ wie folgt: „Soll denn ein Architekt dadurch geächtet werden und nur deshalb einen Auftrag nicht bekommen, nur weil er den Minister kennt?“



Schreier ist heute Saartoto-und Spielbank-Direktor. Wie berichtet, beschäftigt jetzt die Spielbank den Projektsteuerer (Stundensatz: 150 Euro). Außerdem bahnt sich bei der Stiftung weiterer Ärger an. Der Landesrechnungshof tritt erneut auf den Plan, um die Abwicklung des Neubau-Vorhabens Vierter Pavillon zu prüfen. Dies bestätigte Rechnungshof- Präsident Manfred Plaetrich der SZ gestern.

Dabei gehe es um Auftragserteilung, Vergabepraxis, Projektsteuerung und die Gesamtkosten. Demnach kommen wohl auch die Verträge mit dem Projektsteuerer, die ein Ermittler als „Lizenz zum Gelddrucken“ bezeichnet, auf den Prüfstand. Derweil hat Kurator Rauber, wie er der SZ auf Nachfrage mitteilt, die Bauzulage (15 000 Euro im Jahr) für seinen beurlaubten Stiftungsvorstand gestrichen, dessen Gehalt – rund 9500 Euro – weiter läuft.


Grewenig neuer Stiftungsvorstand?

Der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig, wird voraussichtlich Interims-Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Nach SZ-Recherchen will Kulturminister Karl Rauber dies dem Kuratorium heute vorschlagen. Grewenig soll zeitweise die Aufgaben von Ralph Melcher übernehmen. Rauber wollte dies weder bestätigen noch dementieren.




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