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Wird Industriekultur Saar GmbH aufgelöst?

Auf der der Berghalde Reden soll ein Freizeitpark entstehen. Die Pläne dafür liegen vor.

Auf der der Berghalde Reden soll ein Freizeitpark entstehen. Die Pläne dafür liegen vor.

Saarbrücken. Die Spatzen zwitschern es noch nicht von den Göttelborner oder Redener Dächern. Trotzdem ist der ein oder andere Mitarbeiter der Industriekultur Saar GmbH (IKS) bereits landesverwaltungsintern auf Sondierungs-Tour für einen neuen Job, für den Tag danach. Nach der Auflösung der IKS – oder Verschmelzung. Die Begrifflichkeiten sind noch nicht geklärt. Sicher ist nur: Mittelfristig wird es die IKS nicht mehr geben, das erfuhr die SZ aus zuverlässigen Quellen. Auch IKS-Aufsichtsratschef Minister Karl Rauber stellt dieses Faktum gegenüber der SZ nicht in Abrede, möchte jedoch zum Zeitrahmen nichts sagen. Der Minister: „Wir werden die IKS mit Scherheit nicht zum Juli 2011 auflösen.“ Rauber spielt damit auf den Zehnjahres-Zeitraum an, der 2001, bei Gründung der IKS, als zeitlicher Aktionsradius genannt wurde. Vertraglich festgeschrieben wurde er nicht.

„Es gibt nicht ansatzweise eine Aktualität für das Thema Auflösung“, meint IKS-Geschäftsführer Karl Kleineberg (57) gestern auf SZ-Nachfrage. Sein Vertrag wurde 2009 um fünf Jahre verlängert. Damals schob Rauber die IKS samt Kleineberg in die Strukturholding GmbH Saar (SHS), die für Wirtschaftsförderung und Standort-Vermarktung zuständige Dach-GmbH des Landes. Nicht nur Insider deuteten die Transaktion als eine Vorbereitung für die IKS-Auflösung.

Im Prinzip wäre letztere eine gänzlich undramatische Sache – wäre die IKS nicht ein Politikum. Denn sie wurde als Instrument für ein parteipolitisches Image-Projekt der früheren CDU-Landesregierung aus der Taufe gehoben: für die bald umstrittene Vision, Problem-Flächen über ein Kulturprofil zu vermarkten. Die Projektgesellschaft bekam den Auftrag, zwei Industriebrachen (Reden, Göttelborn) in „Zukunftsstandorte“ zu verwandeln. Budget: 100 Millionen Euro. 85 Prozent der IKS-Anteile hielt und hält das Land, den Rest teilen sich der Landkreis Neunkirchen, der Regionalverband und die Gemeinde Quierschied. Längst wurde die Kultur aus dem Unternehmens-Portfolio gestrichen, das Budget auf rund 60 Millionen Euro reduziert. Reden hat die IKS als „Garten Reden“ landschaftlich-touristisch definiert, Göttelborn durch Forschung (Nanogate, Hydac, Hochschule für Wirtschaft) als „Campus Göttelborn“. Mission erfüllt? Alles vollendet? Das behauptet selbst die CDU nicht. „Millionengrab!“, ruft die Opposition. Seit Jahren fordert die SPD einen IKS-Stopp – wegen Unfähigkeit. Der Reden-Untersuchungsausschuss bestärkte die SPD-Politiker in dieser Haltung. „Die Erkenntnisse müssen Konsequenzen haben“, erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete und Reden-Obmann Magnus Jung gegenüber der SZ. „Die IKS darf auf keinen Fall so bleiben, wie sie ist.“

Rauber hat vergangene Woche seinerseits ein Schluss-Signal gesetzt, indem er von einer letztmaligen Investition für „Gondwana II“ in Reden sprach. Und auch in Göttelborn erwartet niemand mehr konzeptionelle Neuerungen oder Ansiedlungs-Sensationen. Was bedeutet, dass die IKS nur noch managt und verwaltet und zu Ende bringt, was sie in Gang gesetzt hat. Kleineberg sieht das anders: „Wir haben als IKS mindestens noch drei Jahre Infrastruktur-Arbeit in Reden.“ Wohl nicht ganz zufällig korrespondiert dieser Zeitpunkt mit seinem Vertragsende. Kleineberg fühlt sich persönlich durch die Auflösungs-Absicht nicht gefährdet, die IKS sei nicht diskreditiert. Denn schlankere Strukturen bei Landesgesellschaften, also auch bei der SHS, sei eine übergreifende Problematik: „Das ist eine Philosophie jenseits des IKS-Themas.“ Ihm, Kleineberg, gehe es nicht darum, unter welchem Namen die Arbeit laufe, sondern um die Sache. „Die IKS wird sicher nicht ersatzlos verschwinden“, prophezeit er. Jemand müsse sich systematisch um die Bergbau-Folge-Landschaften kümmern. Und was hält er von der These, die IKS sei gescheitert? „Die IKS hat den Begriff der Qualität in die Strukturwandel-Debatte gebracht. Das allein war schon den Schweiß der Edlen wert.“

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