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Wird Kinderkriegen zum Problem?

Angesichts der Schließungen von Geburtshilfe-Stationen in Deutschland hat der Deutsche Hebammenverband ein Umsteuern gefordert. Foto: Daniel Karmann

Angesichts der Schließungen von Geburtshilfe-Stationen in Deutschland hat der Deutsche Hebammenverband ein Umsteuern gefordert. Foto: Daniel Karmann

Ein Kreißsal nach dem nächsten macht zu. Sieben sind im Saarland noch übrig geblieben. Dabei habe es alleine in Saarbrücken einmal fünf gegeben, erzählt Hebamme Martina Felix. Heute seien es noch zwei: im Caritas Klinikum und dem Klinikum auf dem Winterberg. Zuletzt machten im Saarland 2015 zwei Kreißsäle dicht: im Januar im St. Josef-Krankenhaus in Dudweiler, im Oktober in der Knappschaftsklinik in Püttlingen. Gründe waren Personalmangel und niedrige Geburtenraten. Im vergangenen Juli erst ging das Kreißsaal-Sterben in der Region weiter. Im Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken schloss der Kreißsaal. Er rechnete sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr. Mittlerweile sei die große Dramatik im Saarland zwar wieder vorbei, sagt Felix. Aber die Folge der Entwicklung: „Die Kliniken müssen einen enormen Ansturm verkraften“, sagt die freiberufliche Hebamme, die sich zugleich im Saarländischen Hebammenverband engagiert. Alleine im Caritas Klinikum auf dem Rastpfuhl seien in diesem Jahr schon 1450 Kinder zur Welt gekommen. „Die Hebammen arbeiten am Limit“, erzählt Felix. Vor- und Nachversorgung kämen dabei oft zu kurz – Unmut macht sich bei den Schwangeren breit.

Seit 1991 ging in rund 40 Prozent der Kreißsäle in Deutschland das Licht aus, während die Geburtenrate im gleichen Zeitraum nur um etwa zwölf Prozent sank. Der Deutsche Hebammenverband warnt vor der Schließung weiterer Kreißsäle . Im Jahr 2014 habe es nur noch 725 Krankenhäuser mit Geburtshilfe gegeben. Seitdem seien 44 weitere Kreißsäle geschlossen worden oder stünden vor der Schließung. 1991 waren es bundesweit noch 1186 Krankenhäuser mit Geburtshilfe . Aktuell gibt es in vielen ländlichen Regionen kein Krankenhaus mit Geburtshilfe mehr. Die verbliebenen Geburtskliniken klagen über Personalnot. Nach einer vom Hebammenverband in Auftrag gegebenen Umfrage betreuen angestellte Hebammen drei bis fünf Frauen während der Geburt gleichzeitig. Arbeitsbedingungen, die dringend verbessert werden müssen, findet der Verband. Immer mehr Arbeit, der Zeitdruck steigt.

Vielerorts müssen Kliniken ihre Kreißsäle vorübergehend schließen. Frauen werden abgewiesen, erzählt Martina Klenk, Präsidentin des Hebammenverbandes im Gespräch mit der SZ. „Ein Drittel der Krankenhäuser in Deutschland macht Verluste. Vielfach bleibt den Häusern nichts anderes übrig, als die personalintensive Geburtshilfe-Station zu schließen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKGEV), Georg Baum. Heute entscheide sich im Gemeinsamen Bundesausschuss der Gesundheitsorganisationen, ob das Sterben der Geburtshilfe weitergeht. Denn heute steht der Sicherstellungszuschlag auf der Tagesordnung. Damit sollen Krankenhäuser im ländlichen Raum, die für Notfälle wichtig sind, ergänzende finanzielle Mittel bekommen, um überleben zu können. Aus Sicht der DKGEV sollten auch Geburtshilfestationen auf diese Weise unterstützt werden. „Die Krankenkassen lehnen dies ab. Das halten wir für nicht gerade familienfreundlich“, sagt Baum.

„Auch das Saarland bräuchte mehr Hebammen , als es finden kann“, sagt Felix. Wenn schwangere Saarländerinnen den zum Teil überlasteten Krankenhäusern ausweichen wollen, haben sie wenig Alternativen. Ein Geburtshaus gebe es noch in Merzig, sagt Felix. Das ist eine außerklinische Einrichtung. Sie wird von Hebammen betrieben. Die Frauen werden dort während der gesamten Schwangerschaft in der Regel von ein oder zwei Hebammen begleitet. Und sie entbinden dort auch unter Leitung einer Hebamme. Oder die Frau möchte ihr Kind zuhause zur Welt bringen. Dann ist zum Beispiel Martina Felix bei der Geburt dabei. Geburtshaus und Hausgeburt seien aber eher Nischen, sagt Felix. Die meisten Frauen wollten in einer Klinik entbinden.

 

Zum Thema:

Um Kreißsaal-Schließungen zu stoppen, muss laut Hebammenverband das Problem hoher Haftpflichtprämien für freiberufliche Hebammen und Ärzte gelöst werden. Oft sind in Kliniken Beleghebammen und -ärzte tätig. Die Krankenhäuser sparen so Sozialversicherungsbeiträge und Haftpflichtprämien. „Wir fordern einen Haftungsfonds oder eine Medizinal-Schadensfürsorge, analog zur gesetzlichen Unfallversicherung, in die alle Versicherten einzahlen“, so Martina Klenk vom Hebammenverband. Laut Verband gebe es jährlich etwa 100 Schäden bei der Geburtshilfe bei Neugeborenen oder Müttern. dpa

 

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