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Wohin steuert der FC Saarbrücken im Jahr 2013 - Bestandsaufnahme

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Von der SZ -Sportredaktion

Saarbrücken. Werner Cartarius ist Ehrenratsvorsitzender des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken. Anfang Dezember fasste sich der 78-Jährige bei der Mitgliederversammlung ein Herz, schritt ans Rednerpult der Saarbrücker Congresshalle und appellierte an die Fans, den Glauben nicht zu verlieren. Vor 50 Jahren „hatten wir die interessanteste Mannschaft Europas“, schmetterte Cartarius und erinnerte an Gegner wie Mailand und Madrid. Seine Rede beschloss er mit der Frage: „Warum sollen wir da nicht mehr hinkommen?“

Viele der Mitglieder schmunzelten. Nicht zuletzt, weil viele im Hier und Jetzt leben. Und das ist wenig schön. „Der Verein ist langweilig wie nie zuvor. Die Leute kommen nicht mehr zum FC“, sagt Dominik Laudwein vom FCS-Fanclub „Crusaders“, „man muss nur ins Stadion gehen, dann sieht man, was los ist“. Vergangene Saison kamen 5000 im Schnitt, zuletzt waren bei Heimspielen knapp 3000 Zuschauer im Ludwigspark-Stadion. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Luginger dümpelt im Mittelfeld auf Platz zwölf herum. „Offenbar hat die Führung ihre sportlichen Ansprüche drastisch reduziert“, kommentierte Gerd Kliebenstein aus Saarbrücken in einem Leserbrief an die Saarbrücker Zeitung. Dabei nahm der Schreiber Bezug auf die Mitgliederversammlung. Vor allem auf den Vortrag von Vize-Präsident Harald Ebertz, der, wie Präsident Paul Borgard sagte, „der sportlich Verantwortliche“ ist. Ebertz hatte erklärt, dass die sportliche Situation zwar besser sein könnte, dass der Verein mit ihr aber nicht unzufrieden sei. Unzufrieden sind aber viele Mitglieder und Fans, die auch den Vorstand kritisieren. „Es gibt derzeit eine Mauer zwischen der Führung und dem Rest des Vereins“, sagt Laudwein.

Diese Mauer ist seit dem Weggang von Sportdirektor und Identifikationsfigur Dieter Ferner im Sommer zu Borussia Neunkirchen noch höher geworden. Auch die Mauer zu Präsident Paul Borgard, der seit gut zwei Jahren im Amt ist. Er wirkte bei der Versammlung wenig mitreißend, hin und wieder auch dünnhäutig. Bei der Rückschau auf das Pokalspiel gegen Schalke 04 (0:5), bei dem es bei 40 Grad Celsius zu wenig Wasser für 30.000 Zuschauer gab und das Deutsche Rote Kreuz 64 Hitzeopfer behandeln musste, zog Borgard eine Parallele zur Love-Parade-Katastrophe in Duisburg (21 Tote). Getreu dem Motto: Seid froh, dass nicht mehr passiert ist. Viele schüttelten mit dem Kopf. Der Satz von Schatzmeister Dieter Weller – „Ich schäme mich für dieses Spiel“ – hingegen löste lauten Applaus bei den Mitgliedern aus, stieß dafür aber Borgard sauer auf. Sich von Stadion-Caterer Schröder zu trennen, war für Borgard kein Thema. Man müsse zu ihm stehen, da Schröder in schweren Zeiten auch zum FCS stand.

Auch die Rolle des Vereins beim erhofften Umbau des Stadions wirft Fragen auf. So gab es auf der Mitgliederversammlung Kritik an der im Raum stehenden Stadionmiete über 450.000 Euro pro Jahr und der erwarteten Zuschauerzahl von 10.000. Was niemand vortrug: Die Zahlen, die in der vorläufigen Machbarkeitsstudie von Stadt und Land stehen, sollen nicht von den Erstellern stammen, sondern vom FCS.

Der Umbau des Ludwigspark-Stadions ist nach wie vor die große Hoffnung des FCS auf bessere Zeiten – erst einmal finanziell und in der Folge dann auch sportlich. Dass es da einiges zu verbessern gibt, wissen die Verantwortlichen des Drittligisten selbst am Allerbesten. Fanbindung und Findung, Ticketverkauf, Catering – in den Kernbereichen des Fußball-Geschäfts lebt der FCS noch im vergangenen Jahrtausend. Weller kündigte an, dass ein professioneller Vermarkter künftig für den FCS arbeiten soll. Verhandlungen habe Marketing-Geschäftsführer Sebastian Pini bereits geführt. 2013 solle er seine Arbeit beginnen. Dass der Verein im Geschäftsjahr 2011/2012 satte 1,172 Millionen Verlust gemacht habe, erklärte Weller mit der Schwierigkeit, zusätzliche Sponsoren zu finden. Diese würden nur einsteigen, wenn der Club mehr zu bieten hätte. Das hat er derzeit nicht. Und das sehen nicht nur viele Mitglieder und Fans so, sondern wohl auch der ehrenwerte Werner Cartarius. red


Morgen um 15 Uhr startet die Mannschaft von Trainer Jürgen Luginger im FC-Sportfeld in die Vorbereitung.

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