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Wollen St. Wendeler Firmen-Chefs Betriebsräte mundtot machen?

Jeder Mitarbeiter in einem Unternehmen hat was zu sagen – auch wenn’s dem Chef nicht passt. Das ist gesetzlich verankert. Damit aber die Belegschaft ihren Einfluss geltend machen kann, muss eine Firma ab fünf dauerhaft Beschäftigten einen Betriebsrat haben. „Der steht allen zu“, sagt Jörg Caspar mit Nachdruck.

Der 1. Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft (IG) Metall für den Raum St. Wendel und Neunkirchen beklagt während eines Pressegesprächs in St. Wendel die Haltung vieler Geschäftsführer in der Region: „Demokratie hört oftmals vor den Werkstoren auf.“ Dabei ist Mitbestimmung verbrieft, nicht nur wenn’s der Leitung genehm ist. In seinem Bezirk, der einen kleinen Teil bei Kusel im benachbarten Rheinland-Pfalz umfasst, gebe es 43 metallverarbeitende Firmen mit Betriebsrat.

Allerdings habe Caspar keine Vergleichszahlen, wie viele ohne Mitarbeitervertretung gegenüberstehen. Dass es einige sein müssen, belegten Gewerkschaftsmitgliedern. Michael Knopp, Projektsekretär bei der Saarbrücker IG-Metall-Verwaltungsstelle: „Wir erfahren immer wieder, dass Betriebsratsgründungen torpediert werden.“

Mitarbeitern, die einem Wahlvorstand angehören, werde gedroht. Ihnen eine Karriereperspektive abgesprochen. Versetzungen drohten. Wo Gewerkschafter Handzettel zur Betriebsratswahl verteilten, setzten leitende Angestellte Mitarbeiter unter Druck, diese einzukassieren, bevor sie alle Beschäftigte zu Gesicht bekommen. „Retter des Unternehmens“ Größte Probleme, Mitarbeitervertretungen einzusetzen, machten Betriebe mit 50 bis 200 Kollegen und familiengeführte.

Knopp: „Da herrscht der Firmenchef noch wie ein Patriarch.“ Viele Angestellte hielten es für unnötig, einen Betriebsrat zu haben. Doch Bettina Altesleben vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Saar: „In wirtschaftlich rosigen Zeiten mag das sein. Aber wenn es nicht mehr so läuft, tauchen Probleme auf.“ Knopp pflichtet bei: „Dann will die die Geschäftsführung Mitarbeiter bei unangenehmen Entscheidungen mit ins Boot nehmen.“

Was laut Altesleben Bewandtnis hat: „Wir haben mit Betriebsräten bei Arbeitsplatzabbau und Kurzarbeit mit Arbeitnehmern gute Ergebnisse im Sinne der Belegschaft und damit zum Erhalt des Unternehmens erzielt.“ Christian Ruffing, Betriebsrat bei Fresenius in St. Wendel, bestätigt. „Wir sind nicht nur dem Arbeitnehmer verpflichtet, sondern auch dem Unternehmen.“ Es gehe darum, „nicht nur das Beste für die Beschäftigten herauszuholen und das Unternehmen an die Wand zu fahren“. Ruffing sieht den Betriebsrat als „Co-Unternehmer“, sogar als „Retter des Unternehmens“.

Der regionale IG-Metall-Chef Caspar sieht’s ebenso. Betriebsräte seien mehr als mancher Geschäftsführer am Fortbestand des Unternehmens interessiert. „Geschäftsführer kommen und gehen. Mancher Betriebsrat, der Jahrzehnte im Amt ist, hat Chefs gesehen, die oft nicht länger als zwei Jahre dabei sind.“ „Ja, die haben oft 3- oder 5-Jahrespläne im Blick, ein Betriebsrat ist daran interessiert, dass das Unternehmen ein ganzes Arbeitsleben gesund ist“, macht Ruffing deutlich.

Dann werden die Gewerkschafter konkret, stellen zwei Firmen im St. Wendeler Land an den Pranger, die sich bislang hartnäckig gegen Betriebsräte durchgesetzt hätten. Darum biete der DGB Schulungen für Betriebsräte, Wahlvorstände und Kandidaten an, um solche weißen Flecken auf der Landkarte zu beseitigen. IG-Metall-Vertreter Knopp kontert: „So einfach geht das auch 2014 nicht.“ 


Betriebs- und Personalräteforum des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Freitag, 21. März, 16 Uhr. Ort: Landratsamt in St. Wendel. Themenschwerpunkte: Betriebsratswahlen und gleiche Bezahlung für alle Geschlechter (equal pay). Anmeldung: Telefon (06 81) 40 00 10, E-Mail: saar@dgb.de
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