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Worte in einer Welt der Stille

Sie sind Brückenbauer zwischen hörenden und gehörlosen Menschen: Gebärdensprach-Dolmetscher. Im Saarland arbeiten nur fünf Dolmetscherinnen. Eine davon ist die 30-jährige Grundschullehrerin Isabelle Ridder.

Von SZ-Mitarbeiter  Benjamin Rannenberg

Wie kann man das Wort "Gleichberechtigung" Menschen verständlich machen, die kein Hörvermögen haben? Die Hände mit den Handrücken nach oben werden parallel aneinander geführt. Dann machen Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand eine stehende Zweifingerfigur auf der Innenfläche der linken Hand.

Sie sind Mittler der Lautsprache: Gebärdensprach-Dolmetscher. Sie können gesprochene Worte in Handzeichen, Mimik und Körperhaltung, kurz Gebärden, übersetzen.

Isabelle Ridder sitzt auf einer Bank. Jetzt sind ihre Hände ruhig. Als Gebärdensprachdolmetscherin für gehörlose Menschen arbeitet sie seit knapp zwei Jahren neben ihrem Hauptberuf. Im Oktober dolmetschte sie an mehreren Tagen in Trier im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen für eine gehörlose Patientin. Dort spannte sie eine Sprachbrücke zwischen dem Klinikpersonal und der gehörlosen Frau. "Grundschullehrerin wollte ich schon immer werden", sagt sie. Und Lehrerin ist sie geworden, an der staatlichen Förderschule für Gehörlose und Schwerhörige in Lebach. Sie unterrichtet eine Klasse mit gehörlosen Hauptschülern.

Ihren ersten Gebärdensprachen-Kurs besuchte sie an der Volkshochschule Saarbrücken. Jahre später hatte sie eine Schlüsselerfahrung. Sie studierte zwei Monate an der Gellaudet Universität in Washington D.C. das Fach Gebärdensprache - Sign Language heißt das Wort im amerikanischen Englisch. Als einzige Studentin mit intaktem Gehör belegte sie mit hörbehinderten Studenten pädagogische Seminare. Anfangs fühlte sie sich isoliert. 

Die rechte Hand ballt sich zur Faust, nur der kleine Finger zeigt als einziger nach oben. Die Faust dreht sich gegen den Uhrzeigersinn. Lautlos formt der Mund das Wort - das ist die Gebärde für "Isolation".

"Gehörlose sollten die Möglichkeit haben sich einzuklinken in die Gemeinschaft der Gebärdensprachler und in die der Lautsprachler", betont Ridder. Einer, der sie kennt, könnte denken, sie hätte sich stillschweigend, als sie diesen Satz sagt, mit eingeschlossen.

Denn seit drei Jahren lebt sie mit einem Mann zusammen, der seit seiner Geburt gehörlos ist. In der Freiburger Amateur-Theatergruppe "Handstand", in der hörende, schwerhörige und gehörlose Erwachsene zusammenspielen, hat die 30-Jährige ihren heutigen Ehemann Dominik getroffen. Sie haben einen hörenden Sohn, der Benjamin heißt. Sein Vater gebärdet, wenn er mit seinem Sohn spricht. Isabelle Ridder und ihr Ehemann verständigen sich, wenn sie ihr Kind meinen, mit einer Gebärde:

Der Daumen der rechten Hand eingeklappt und die vier übrigen Finger leicht gespreizt - das Fingerspreizen versinnbildlicht die langen Wimpern ihres Sohnes. 

Denken Isabelle Ridder und ihr Mann für einen Moment an dieselbe Sache, beschreibt die Gebärde mit Daumen und Zeigefinger zum Kreis geformt eine unsichtbare Schnur, die sich von der Stirnmitte zum Gegenüber spannt.


AUF EINEN BLICK

Im Saarland üben, nach Angaben der Dolmetscherzentrale für hörbehinderte Menschen im Saarland, derzeit fünf Dolmetscherinnen die Übersetzung von Lautsprache in Gebärden für gehörlose Menschen aus. Darunter ist eine staatlich anerkannte Gebärdensprachdolmetscherin und vier Dolmetscherinnen ohne Ausbildung, darunter Isabelle Ridder. Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als eigenständige Sprache anerkannt. Gehörlose unterschiedlicher Landesherkunft können sich per internationalen Gebärden verständigen. bera



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