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Wundersame Welt des Wrestlings

Der Wrestler BAM wird von der Wiener Wrestling-Legende Michael Kovac in die Zange genommen. Foto: Thorsten Dieter Baumstark

Der Wrestler BAM wird von der Wiener Wrestling-Legende Michael Kovac in die Zange genommen. Foto: Thorsten Dieter Baumstark

Mit dem Besen in der Hand schleicht Matthias Lorson durch die Sporthalle in Birkenfeld, hebt Pappbecher auf, fegt dreckige Servietten zusammen und wischt hier und da über den Hallenboden. Seine Arme und Beine tun weh, der Rücken schmerzt, die ein oder andere Zerrung hat er sich auch zugezogen. „Ich bin der absolute Depp, der absolute Arsch“, sagt Lorson. „Ich habe die größte Fresse und noch nie etwas bewiesen.“ Und das alles erzählt er mit einem Lachen im Gesicht, und ganz offensichtlich ist er gerade richtig gut drauf. Denn vor nicht mal zwei Stunden stand der 110-Kilo-Mann noch an gleicher Stelle hier im Ring. Nicht als Matthias Lorson, sondern als Matt Mayhem. So nennt sich der 32-jährige Personalreferent aus Saarlouis , wenn er als Wrestler in seine Rolle schlüpft und alles, wirklich alles dafür tut, dass das Publikum ihn hasst. Mit seinen 1,92 Metern steht er dann da, beschimpft seine Kontrahenten als Waschlappen, legt sich mit den Zuschauern an und muss dafür mächtig einstecken.

 

„ Wrestling ist natürlich viel Show, aber auch Hochleistungssport“, sagt Lorson. „Wer wirklich vorhat, in den Ring zu steigen, muss hart trainieren und Ausdauer beweisen. Frühestens nach einem Jahr ist man so weit.“ Natürlich sei vieles einstudiert. Dennoch müsse die körperliche Fitness stimmen, um beispielsweise vom Gegner aus zwei Metern Höhe auf den Rücken geschmissen zu werden. „Und das ohne Schutzhaltung“, betont Lorson. „Im Gegenteil: Du musst die Matte richtiggehend attackieren.“

 

Dass Lorson als Matt Mayhem den fiesen Unsympathen im Ring verkörpert, hat er vor allem Alex Schröder zu verdanken. Er gehört zur Championship of Wrestling , kurz CoW, der saarländisch-pfälzischen Wrestling-Liga. Schröder plant nicht nur die Shows, er überlegt auch, was im Ring passieren soll, welche Geschichte erzählt wird, entwickelt Charaktere, wie etwa den von Matt Mayhem. „ Wrestling ist eine Choreografie mit großem sportlichen Aspekt“, sagt der 35-Jährige. „Es treffen immer Gut und Böse aufeinander. Und das müssen die Sportler rüber bringen. Alle Wrestler sind Sportler und Schauspieler. Sie müssen die Zuschauer einfangen“, betont Schröder. Denn genau darum gehe es: Der Gute müsse geliebt, bejubelt und angefeuert, der Böse hingegen gehasst und ausgebuht werden. „Die Reaktion der Zuschauer ist der Maßstab für alles, was wir tun. Alles beim Wrestling dreht sich nur darum. Wenn wir die Fans nicht mitholen, werden sie auch nicht mehr zu unseren Shows kommen.“

 

Schröder selbst steigt auch in den Ring, allerdings nicht als Wrestler , sondern als Ring-Manager mit dem Namen Alex Wonder. Ein absoluter Sympathieträger und Publikumsliebling. Noch. Denn: „Irgendwann werde ich vermutlich etwas machen, wofür mich die Leute hassen werden. So wie Matt eines Tages etwas tun wird, wofür ihn alle lieben werden“, verrät er. Verrat und Intrige gehörten nun mal zur großen Wrestling-Show. „Wie bei einer Daily-Soap“, sagt Schröder.

 

Kurz nach der Gründung der CoW vor zwei Jahren organisierte der Einzelhandelskaufmann seine erste Wrestling-Veranstaltung. Es folgten zehn weitere, bislang ausschließlich in Birkenfeld. Umso größer ist seine Freude darüber, dass es in zwei Wochen das erste Wrestling-Event der CoW im Saarland geben wird. Unter dem Namen „Saar-Wars“ werden dann Wrestler aus Europa in die Sporthalle nach Brebach kommen. Es erfülle ihn mit Stolz, etwas beizutragen, um auch im Saarland Wrestling zu zeigen. Ebenso stolz sei er darauf, dass sich der kleine Verein CoW in kurzer Zeit einen guten Namen gemacht habe. Bei Fans und Wrestlern.

 

Sind es in den USA, dem Mutterland des Wrestling , durchaus bis zu 100 000 Fans , die zu solchen Veranstaltungen in die großen Football-Stadien kommen, werden in Deutschland weitaus kleinere Brötchen gebacken. 600 Besucher, bei Shows in Großstädten, seien das Maximum, weiß Schröder, der in Brebach auf 300 Zuschauer hofft. Dennoch spricht er von einem Boom in Deutschland. „Das liegt sicher auch daran, dass Wrestling nicht mehr nur im Pay-TV gezeigt wird. 300 000 Zuschauer verfolgen Wrestling auf Tele 5 . Das ist deren absoluter Quotenbringer.“

 

Dass sich in Deutschland mit dem Mix aus Sport und Show kaum Geld verdienen lässt, liegt auf der Hand. „Die Kämpfer kommen teilweise aus Berlin, England oder der Schweiz angereist, um 15 Minuten im Ring zu stehen. Und das für Spritgeld und eine kleine Gage“, sagt Schröder. Aber ums Geld gehe es dabei auch nicht, fügt Matthias Lorson hinzu, der als saarländischer Wrestler in Burbach im Ring stehen wird. „Es geht darum, mit Freunden etwas auf die Beine zu stellen und andere zu unterhalten“, sagt er. Und wenn Matthias Lorson alias Matt Mayham dann demnächst mit blauen Flecken und allerlei Blessuren durch die Brebacher Sporthalle fegt, wird er wieder übers ganze Gesicht lächeln und sich freuen, dass er vom ganzen Saal gehasst wurde.

 

Zum Thema:

 

Auf einen Blick Die Championship of Wrestling (CoW) veranstaltet am Samstag, 2. Juli, ihre erste „Wrestling-Gala“ im Saarland, in der Turnhalle Brebach. Im Ring stehen rund 20 Wrestler , unter anderem Absolut Andy, Murat Bosporus, Joe E. Legend aus Kanada, Crazy Sexy Mike, die Young Lions, Hakeem Waqur, Bernd Föhr und Matt Mayhem. Beginn ist um 17 Uhr. Karten kosten an der Abendkasse zwischen zehn und 20 Euro. pra facebook.com/ championship.of. wrestling
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