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Wurst-Hersteller Höll gerettet: Übernahme durch Kunzler

Die Höll-Produktion soll mittelfristig zu Kunzler nach Überherrn verlegt werden.

Die Höll-Produktion soll mittelfristig zu Kunzler nach Überherrn verlegt werden.

Höll ist gerettet: Ab dem 1. Januar gehört der Wurst-Hersteller aus Saarbrücken zum Konkurrenz-Unternehmen Kunzler aus Überherrn. Das gab gestern Insolvenzverwalter Marc Herbert bekannt. Die Gläubiger-Versammlung habe der Übernahme gestern Morgen zugestimmt. Alternativen gab es nicht mehr. Der zweite Interessent, der Fleischgroßhändler Klaus Wirthwein, war vor wenigen Tagen abgesprungen, weil ihm die Übernahme „zu teuer“ geworden wäre. Die Alternative wäre die Schließung gewesen.

„Es ist uns gelungen, deutlich mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze zu retten“, sagt Herbert. Er rechnet damit, dass Kunzler langfristig rund 130 der etwa 215 Höll-Mitarbeiter halten wird. Für etwa 50 Mitarbeiter werde es eine Transfergesellschaft geben, über die aktuell noch verhandelt wird. Andere würden altersbedingt oder über Befristung ausscheiden. Auch die Marke Höll soll erhalten bleiben.

Kunzler hat angekündigt, die Produktion mittelfristig nach Überherrn zu verlegen. Dort soll der Betrieb entsprechend ausgebaut werden. Der Höll- Betriebsrat hatte sich zwar ursprünglich für den Konkurrenten Wirthwein ausgesprochen, der mehr Mitarbeiter behalten wollte, begrüßte nun aber die aktuelle Lösung: „Wir bieten Kunzler unsere Zusammenarbeit an“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Dirk Naumann. Für die Höll-Beschäftigten ist es die zweite Insolvenz innerhalb von nur zwei Jahren.

Wie viele Mitarbeiter von Kunzler übernommen werden, werden der Insolvenzverwalter, Kunzler, der Betriebsrat und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in den kommenden Tagen verhandeln. Ebenso wie über den Sozialplan. „Für uns ist es jetzt die wichtigste Aufgabe, in den kommenden Wochen die Zukunft der Mitarbeiter zu sichern, die nicht übernommen werden können“, sagt NGGSaar- Chef Mark Baumeister.

Insolvenzverwalter Marc Herbert ist es gelungen, innerhalb von zwei Monaten den Verlust von Höll auf rund 200 000 Euro pro Monat etwa zu halbieren. Außerdem stehen zwei Großaufträge an, die den Betrieb weiter stabilisieren sollen. Herbert wird Höll noch bis zum Ende des Jahres weiterführen.

Offen ist, was mit den Immobilien am Saarbrücker Lyonerring passiert, in denen Höll aktuell noch seinen Verwaltungs- Sitz und die Produktion hat. Die landeseigene Strukturholding Saar (SHS) hatte im Rahmen der letzten Insolvenz die Immobilien von Höll für 4,5 Millionen Euro gekauft und an den Hersteller zurückvermietet. Wenn Kunzler den Betrieb nach Überherrn verlegt, müsste das Land eine Weiternutzung finden.

Möglich ist aber auch, dass das Land den Kauf komplett rückabwickelt. Denn beim Kauf war durch ein Versehen des Notars eine Grundschuld auf den Immobilien stehen geblieben. Aktuell verhandelt die SHS mit der Versicherung des Notars über eine Lösung.
 

MEINUNG

Mehr, als zu erwarten war

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Zu Beginn der Insolvenz war kaum damit zu rechnen, dass Höll noch einmal gerettet wird. Weil zwei Monate lang keine Gehälter gezahlt worden waren, hatte Insolvenzverwalter Marc Herbert gerade einmal vier Wochen Zeit, das Unternehmen zu analysieren und neu zu ordnen. Dass er es in dieser Zeit geschafft hat, Höll zumindest so weit aufzustellen, dass der Konkurrent Kunzler ihm mit einer Finanzspritze einen weiteren Monat Zeit für die Restrukturierung und die Suche nach einem Käufer gegeben hat, ist eine reife Leistung. Sicher ist es bitter, dass nur ein Teil der Arbeitsplätze gerettet werden kann. Doch nach Jahren des Missmanagements drohte viel Schlimmeres: das komplette Aus.
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