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Wurstspezialist Höll muss Insolvenz anmelden

Saarbrücken. Ein Jahr nach seinem 100jährigen Jubiläum muss der Saarbrücker Fleisch- und Wurstwarenspezialist Höll Insolvenz anmelden. Das Familienunternehmen soll nun, so die Hoffnung des Geschäftsführers Michael Thielen, im Rahmen eines so genannten Planinsolvenzverfahrens wieder auf Kurs gebracht werden.

Als Grund für die Schieflage nennt Thielen die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten: „Es geht vor allem um zwei Warengruppen – Naturdärme, die wir für unsere Würstchen in großem Maße brauchen – und Schweinefleisch." So habe sich der Preis für Naturdärme zeitweise verdoppelt, sagt Thielen.

Rohstoffe machen bei Höll einen sehr starken Teil der Kosten aus: In der letzten testierten Bilanz aus dem Jahr 2009 schlagen die Rohstoffe mit gut der Hälfte des Umsatzes zu Buche - im vergangenen Jahr sei der Anteil noch deutlich höher gewesen, sagt Thielen. Höll setzt knapp 100 Millionen Euro um.



Dass Höll diese Situation nicht abfangen kann, liegt an einer weiteren Verkettung unglücklicher Umstände. Wegen der Finanzkrise hat Höll neue Investitionen 2009 nicht mit Krediten gegenfinanzieren können, weil die Banken sich bei der Kreditvergabe sehr restriktiv zeigten. Das Unternehmen hat deshalb unter anderem für Investitionen in die Erweiterung des Convenience-Sektors den Cash-Flow, also die flüssigen Mittel des Konzerns angegriffen. Im vergangenen Jahr hat Höll dann mehrere Wurstsorten zurückgerufen, weil die interne Kontrolle Salmonellen gefunden hat.  „Das hat uns in den vergangenen zwei Monaten zehn Prozent des Umsatzes gekostet", sagte Thielen. Auch deshalb gebe es jetzt kein finanzielles Polster mehr. „Letzten Monat ist die Situation so eskaliert, dass wir keinen anderen Weg mehr sehen", sagt er. Höll hat sich von Insolvenzverwalter Udo Gröner beraten lassen, der zu diesen Schritt riet.

Betroffen von der Insolvenz sind die Konzernmutter Hans Höll GmbH & Co. KG sowie die Tochter Höll Feine Fleisch- und Wurswaren GmbH. Die Höll-Gruppe unterhält Produktionsstätten in Saarbrücken, in Brandenburg an der Havel, sowie im polnischen Kaszczor. In Saarbrücken arbeiten 320 Beschäftigte, in Brandenburg 190 und in Polen 80 Beschäftigte.

Wie es nun weitergeht, ist vorerst offen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Günter Staab hat heute das Unternehmen besucht und sich einen ersten Eindruck verschafft. Im Unternehmen müsse alles auf den Prüfstand gestellt werden – von den Warenwirtschaftssystemen bis hin zu den Strukturen der Firmen untereinander, sagt Thielen. „Gleichzeitig müssen wir uns natürlich auch die Sortimente anschauen, was in einer Insolvenz natürlich leichter fällt", so Thielen. Eine Sortimentsänderung hatte Höll bereits mit dem Ausbau des Convenience-Bereichs vor zwei Jahren angestrebt. „Weil der Thekenverkauf zurückgeht, haben wir versucht, dem dadurch zu begegnen.  Das ist uns auch zum Teil gelungen." Der Bereich mache je nach nach Saison 15 – 17 Prozent des Umsatzes aus.



Bei der Sanierung kann der Traditionsbetrieb auch auf Unterstützung aus dem saarländischen Wirtschaftsministerium bauen: „Wir sind in Gesprächen mit Höll und werden alles tun, um konstruktiv zu einer Lösung für das Unternehmen und die Mitarbeiter beizutragen", teilte eine Ministeriumssprecherin mit.

Thielen hofft, dass angesichts der starken Marke und der soliden Basis, auf die das Unternehmen bauen kann, die Neuausrichtung gelingen wird. „Unser vorrangiges Ziel muss jetzt sein, strukturiert wieder aus dieser Situation hinauszukommen."
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