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Zensur im Missbrauchsskandal? Trierer Bischof wehrt sich

Bonn/Trier. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ist vorerst gescheitert. Die Bischöfe kündigten gestern vorzeitig den Vertrag mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, das eine wissenschaftliche Studie über die sexuellen Übergriffe von Priestern seit den 50er Jahren erstellen sollte. Der Schritt hatte sich, wie gestern berichtet, bereits am Dienstag abgezeichnet. Der Leiter des Forschungsinstituts, Christian Pfeiffer, und sein Team hatten 2011 den Auftrag übernommen.

Der Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bischofkonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, verteidigte gestern gegenüber unserer Zeitung den Schritt der Bischöfe. Das Vertrauen gegenüber Pfeiffer sei „einfach zerrüttet“. Ackermann wies den Vorwurf Pfeiffers zurück, von Seiten der Kirche habe es Bestrebungen gegeben, die Ergebnisse zu zensieren. Auch über Aktenvernichtungen im Missbrauchsskandal habe er ,,bis heute keine verlässlichen Informationen“, sagte Ackermann. Er warf Pfeiffer vor, „Bistümer gegeneinander auszuspielen“. Pfeiffer beharrte gestern aber darauf, die Kirche habe die Veröffentlichung nach dem Widerstand aus einzelnen Diözesen nachträglich reglementieren wollen.

Der Sprecher der Missbrauchsopfer im Bistum Trier, Thomas Schnitzler, äußerte gestern die Vermutung, Ackermann seien angesichts „reaktionärer Kräfte in der katholischen Kirche“ die Hände gebunden. Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, sagte: „Ich habe den Verdacht, dass starke Kräfte in der katholischen Kirche jetzt nach der Methode Vergessen-und-Vergeben arbeiten.“ Von dem neuen Partner, den die Bischöfe nun mit dem Forschungsprojekt beauftragen wollen, sei eher ,,ein Gefälligkeitsgutachten“ zu erwarten.

HINTERGRUND

Im Saarland wurden seit Anfang 2010 mehrere Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen bekannt. So hat es unter anderem in einem früheren Internat der Steyler Missionare in St. Wendel in den 60er und 80er Jahren sexuellen Missbrauch gegeben.

Auch im Internat des Homburger Gymnasiums Johanneum ereigneten sich in den 70er und 80er Jahren Missbrauchsfälle. Zwei Patres haben zwischenzeitlich gestanden, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Sie wurden im Juni 2012 kirchenintern bestraft. Kurze Zeit später wurde ein damals 72-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen aus dem Klerikerstand entlassen. Der Mann, der aus Sulzbach stammt, hatte zwischen 1966 und 1980 fünf Jungen missbraucht, unter anderem in Illingen und Hühnerfeld.

Ende 2011 waren außerdem Übergriffe von zwei Priestern aus Lebach- Gresaubach und Saarbrücken aus den 70er und 80er Jahren bekannt geworden. tho

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