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Zirkus Roncalli: Zwei Artisten auf Fantasiereise

Circus Roncalli.

Circus Roncalli.

„Schatz, ich hab nichts anzuziehen“, so lässt sich das Programm „Quick Change“ des Duos Minasov umschreiben. Es ist ein fulminanter Countdown, während dessen das Ehepaar zahllose Male die Kleidung wechselt. Elena bewegt sich anmutig im schwarzen Cocktailkleidchen in der Manege des Circus Roncalli, man hat es kaum wahrgenommen, schon ziert eine blaue Robe die Frau. Innerhalb von Sekunden wechseln sie und Viktor Minasov das Gewand. Legen ein Tänzchen hin – und schon wieder ein neuer Look.

Es ist ein Trick, so viel ist klar, wie er funktioniert, wird natürlich nicht verraten. Nach der Nachmittagsvorstellung ist vor der Abendvorstellung. Noch unter Strom nehmen sich Elena und Viktor Minasov Zeit für ein kurzes Gespräch. Ihre kleine Tochter Eva sitzt zwischen ihnen. Kennengelernt haben sie sich, als Elena ihre Sportkarriere (russische Meisterin in akrobatischer Gymnastik) beendete und – da sie nun mehr Zeit hatte – Freunde besuchte, die im Zirkus arbeiteten. Sie wurden einander vorgestellt und „redeten und redeten und redeten“. Seit 1999 erarbeiten die beiden Programme zusammen. Jung sehen die 43-Jährige und der 42-Jährige aus: „Wir arbeiten im Zirkus, wir haben keine Zeit, alt zu werden.“ Viktor ist Artist oder artistischer Clown in der vierten Generation, er entstammt einer russischen Artistenfamilie.

2003 ging das Duo Minasov erstmals mit Roncalli auf Tour, nun sind sie wieder dabei. Ihr Programm „Quick Change“ mussten sie der Manege anpassen, die Zuschauer haben von überall Einblick ins Geschehen, es gibt keine Bühne, die Schutz böte. Die Kostüme lassen sie schneidern, aber das kleine Geheimnis bauen sie selbst ein. Fantasievoll ist auch Viktor Minasovs Solonummer, zu der er sich von einem alten russischen Zauberkünstler inspirieren ließ. Minasov wollte es aber lustiger haben und kombinierte sein Verschwinden im Ballon mit komischen Einlagen. So passen sie perfekt in den Zirkus Roncalli, wo alle Artistik immer auch eine Fantasiereise ist.Zirkus lebt nicht zuletzt auch von der sensibel auf die Artisten reagierenden Kapelle, synchron scheppert das Becken zum tapsigen Auftreten des Clowns , die Musik gestaltet Spannung und Erleichterung, der „Dirigent“ ist in der Manege. Im derzeit auf den Saarterrassen gastierenden Circus Roncalli spielt seit September 2015 ein Saarländer die Trompete . Thomas Feid, Jahrgang 1983, ist Steuerfachangestellter und kommt aus Buweiler im Nordsaarland und – Dorfjugend verpflichtet – hat im Musikverein Trompete gespielt. Immerhin gut genug, um ein Studium an der Musikhochschule in Saarbrücken zu beginnen und zu beenden. Auf die Zulassungsprüfung hatte er sich allerdings noch eineinhalb Jahre vorbereitet. Den freischaffenden Musiker zog es nach Köln, und da fanden er und Circus Roncalli über Empfehlungen zusammen. Die Bandbreite der Zirkusmusik sagt ihm zu, in gut zwei Stunden geht es von Marsch, Polka, Swing, Walzer mit Ausflügen nach Mexiko bis in die Rockmusik . Thomas Feid ist froh, gleich zugesagt zu haben, „allein für die Erfahrung, das Zirkusleben, das Zusammenleben mit der Band.“ Sie sind zu siebt, „eine kleine verschworene Gesellschaft,“ zu zweit teilen sie sich je einen Wohncontainer. Im Steuerfach behält er sein zweites Standbein. Nach Buweiler fährt er nicht während des Gastspiels, Bekannte und Studienkollegen aus der Saarbrücker Zeit haben schon im Zelt vorbeigeschaut.  
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