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Zoff in Hoof: Wollte Jäger Reh Bettina erschiessen?

Bettina, das Reh, fand viele Freunde unter den Hoofern. Von denen ließ sich das junge Reh füttern und streicheln.

Bettina, das Reh, fand viele Freunde unter den Hoofern. Von denen ließ sich das junge Reh füttern und streicheln.

Hoof. Ein Reh ist ein Wildtier, ein Fluchttier, das sich in der Regel von Menschen fernhält. Doch was ist, wenn ein Reh plötzlich in einer Wohnsiedlung auftaucht, vor den Anwohnern nicht davonläuft, sondern sich sogar füttern lässt? Für die Anwohner ist klar: Das Tier sieht gesund aus, es frisst den Menschen aus der Hand, also muss es eine Handaufzucht sein. Die Jäger hingegen meinen: Das Tier muss krank oder verletzt sein, sonst würde es weglaufen, selbst als Handaufzucht. Ein solcher Fall sorgt derzeit in Hoof für viel Ärger. Am Mittwoch vergangener Woche /09.01.2013) war das Reh in Hoof aufgetaucht, lag auf dem Grundstück hinter einem Wohnhaus. „Das Reh war handzahm und zutraulich“, berichtet Nachbar Frank Müller.

Viele Anwohner seien gekommen, um das Reh zu sehen, darunter auch Kinder. „Wir haben versucht, das Reh aufzupäppeln“, sagt Müller. Die Familie holte sich Rat, alle waren sich einig, dass das Tier, das nun Bettina genannt wurde, von Menschenhand aufgezogen oder gepflegt worden sein müsse. Einen Tag später sei der örtliche Jagdpächter, Bernd Jung, vorbeigekommen und habe bestätigt, dass das Tier gesund sei. Jedoch sei am vergangenen Samstag der Sohn des Jagdpächters erschienen, um das Reh zu erschießen. „Er lieferte uns auf Nachfrage vier verschiedene Begründungen. Erst hieß es, das Reh sei krank. Dann sagte er, dass es bei einem Unfall einen ‚Dachschaden’ erlitten habe. Als Nächstes meinte er, dass es seine Scheu vor Menschen verloren hätte und deswegen erlegt werden müsste. Und zum Schluss sagte er, dass so viele Leute angerufen hätten wegen des Rehs, dass es ihn nervt und er es deswegen erschießen will“, wirft Müller dem Sohn des Jagdpächters, der auch Jäger ist, vor. Die Anwohner hätten sich jedoch vor das Reh gestellt, weshalb der Jäger wieder abzog.

Zudem dürfe der Jäger das Tier nur erlegen, wenn es schwer verletzt oder krank sei, meint er. Müller zitiert Paragraf 22 a des Bundestierschutzgesetzes, wonach schwerkrankes Wild erlegt werden soll, „es sei denn, dass es genügt und möglich ist, es zu fangen und zu versorgen“. Beide Jäger wollten auf SZ-Nachfrage keine Stellung dazu nehmen und verwiesen an den Landesjägermeister Daniel Hoffmann.

Ungewöhnliches Verhalten

„Dass sich ein Reh so den Menschen nähert, ist absolut ungewöhnlich für dieses Tier“, sagt Hoffmann der Saarbrücker Zeitung. Seine Erklärung für dieses Verhalten: Es müsse krank, verletzt oder altersschwach sein. Deshalb hat der Landesjägermeister auch keine Bedenken, solch ein Tier zu erlegen. „Das ist gewöhnlich eine klare Sache, gerade in dieser Jahreszeit.“

Denn bis Ende Januar ist noch Jagdsaison. „Außerdem ist es biologisch unsinnig, ein Tier retten zu wollen mit teuren Maßnahmen, wie ein Haustier. Es ist ein Wildtier. In freier Natur wäre es sicher einem Luchs zum Opfer gefallen“, sagt der Biologe Hoffmann. Doch damit ist der Ärger um das Reh noch nicht beendet.

Laut Familie Müller sei das Reh später von allein zurück in den Wald gelaufen. Jedoch erstattete der Jagdpächter später bei der Polizei Anzeige gegen die Schwester von Frank Müller, Susanne, wegen Jagd-Wilderei. Sie soll das Tier in ein Auto verladen und weggebracht haben.

„Rechtlich gesehen sind die Tiere herrenlos. Wenn die Familie aber das Tier aufgenommen hat, begeht sie Jagdwilderei, unabhängig davon, ob sich das Tier im Garten oder im Wald befand. Außer dem Jagdpächter hat keiner das Recht, sich ein Tier anzueignen“, erklärt Landesjägermeister Daniel Hoffmann. Die Polizei St. Wendel bestätigt die Anzeige, die Beteiligten seien bereits vernommen worden. Ob es tatsächlich zu einer Anklage kommt, darüber entscheide der Staatsanwalt, erklärt Otmar Löber von der Polizei.

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