A6 Kaiserslautern Richtung Metz/Saarbrücken Zwischen AS Rohrbach und AS Sankt Ingbert-Mitte Gefahr durch defekten LKW (06:35)

A6

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Zu Fastnacht landeten viele Jugendliche mit Alkoholvergiftung in der Klinik

Saarbrücken. Kurz nach 16 Uhr: In Burbach und Ensheim sind gerade die Rosenmontagsumzüge zu Ende gegangen. Das Klinikum auf dem Winterberg ist weit entfernt vom närrischen Treiben. Dennoch dringt die Fastnacht bis in die Kinderund Jugendklinik.

„Den ersten Fall von Alkoholvergiftung hatten wir schon“, sagt Schwester Angelika Meyer. „Ein 15-jähriges Mädchen vom Umzug in Ensheim.“ Die 57- Jährige im weißen Kittel, die seit 39 Jahren in der Kinder- und Jugendklinik arbeitet, sitzt hinter einer Glasscheibe, auf der die Worte „Notaufnahme Stationär“ prangen.

Hin- und Hergerenne: Meyer und ihre Kollegin, Kinderärztin Cornelia Feld, laufen aus dem Notfall-Zimmer rein und raus. Gegenüber geht die Tür auf. Ein Mädchen wird im Rollstuhl weggefahren. „Das Mädchen war ansprechbar. Sie kommt jetzt auf Station.“ Kurze Zeit später klingelt das Telefon: „Nummer zwei“ ist unterwegs. Zwei Sanitäter schieben eine Bahre durch den Flur ins Notfall- Zimmer. Ein 16-Jähriger, ebenfalls vom Umzug in Ensheim. „Da gibt’s noch vier von der Sorte, mindestens“, ruft ein Sanitäter. Der Jugendliche ist bei Bewusstsein, will aber unbedingt aufstehen. Die Männer müssen ihn festhalten. Die Schwester ruft lieber die Polizei. Auch die Eltern müssen verständigt werden.

Nach etwa 20 Minuten kommt Meyer dann aus dem Zimmer. „Er hat sich erleichtert. Er schläft jetzt“, sagt sie. Kurz darauf trifft die Polizei ein. Während noch überlegt wird, ob es besser ist, „Nummer zwei“ schlafen zu lassen oder ihm ein Beruhigungsmittel zu spritzen, klingelt wieder das Telefon: „Nummer drei ist da.“ Inzwischen ist es kurz nach 18 Uhr und Cornelia Felds Ablöse für die Nachtschicht, Christina Orth, ist da. „Nummer drei“ ist männlich, 17 Jahre alt, kommt vom Burbacher Umzug und hat die Polizei gleich mitgebracht. Er habe bereits im DRK-Zelt randaliert. Orth und Meyer kümmern sich um ihn, während Cornelia Feld noch im ersten Zimmer beschäftigt ist. Die Polizei geht wieder, der junge Mann wird in einem Bett weggeschoben. Es folgt eine schnelle Übergabe der beiden Ärztinnen. „Der wird jetzt auf Station gebracht“, erklärt Christina Orth. Dort werde er an einen Monitor angeschlossen, die Vitalwerte würden überwacht. Manche der Patienten bekämen auch Infusionen. Dann müssten sie in der Regel eine Nacht zur Beobachtung bleiben.

Dann sind die Blutergebnisse da: „Nummer eins“ hat 1,4 Promille, „Nummer zwei“ 3,4 und „Nummer drei“ hat 1,6 Promille. Noch ein Anruf. „Der letzte will nicht bleiben“, sagt die Ärztin und läuft Richtung Station. Als sie zurückkommt, erklärt sie: „Er ist entlaufen.“ Weil die Mutter nicht kommen konnte, sei die Schwester gekommen. Mit der hat er wohl die Klinik verlassen. Zweiter Anruf bei der Polizei. Orth beschreibt den „Flüchtling“ und sagt: „Er hat ein Sträflingskostüm an.“ Sie muss selbst schmunzeln. Während der „Sträfling“ nun Sache der Polizei ist, bleiben die anderen beiden über Nacht. Kurz nach Mitternacht bekommen sie Gesellschaft: ein 16- Jähriger. Jens Möller, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik, berichtet am Tag darauf: „Der hatte einen Filmriss. Heute Morgen hat er sich auch schon dafür geschämt.“ Rund 100 jugendliche Patienten mit Alkoholvergiftung gebe es im Schnitt pro Jahr, zehn bis 20 von ihnen müssten sogar auf die Intensivstation. Die meisten könnten am Tag darauf von den Eltern abgeholt werden. Infomaterial zur Suchberatung gebe es gleich mit dazu. Erfahrungsgemäß sei etwa ein Drittel der eingelieferten Jugendlichen suchtgefährdet. Und nicht alle dürfen nach einer Nacht nach Hause. Möller: „Der mit den 3,4 Promille muss noch eine weitere Nacht bleiben.“


HINTERGRUND 

Im Saarland ist die Zahl der jugendlichen „Komasäufer“ gestiegen. 2011 (aktuellste Angabe) kamen 455 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 2,5 Prozent. Das teilte die Krankenkasse DAK mit. Daraufhin hatte Gesundheitsminister Andreas Storm bekannt gegeben, die Einführung eines nächtlichen Alkohol-Verkaufsverbots zu erwägen. kme



MEINUNG

Eltern und Staat in der Pflicht

Von SZ-Redaktionsmitglied Katrin Meyer

Warum Jugendliche volltrunken im Krankenhaus landen, hat unterschiedliche Gründe. Während die einen nur mal ihre Grenzen austesten wollen, trichtern sich andere ganz bewusst Hochprozentiges ein. Bis zur Sucht ist es dann oft nicht mehr weit. Was Erstere anbelangt, kann man das wohl als Jugendsünde abhaken. Meist machen sie den Fehler kein zweites Mal. Genauer hinschauen muss man hingegen bei den anderen. Hier ist zum einen der Gesetzgeber gefordert, dafür zu sorgen, dass Jugendliche nicht so leicht an Alkohol kommen wie bislang. Aber auch Eltern sollten darauf achten, was ihre Kinder tun, selbst ein gutes Beispiel sein und zudem Grenzen setzen. Der größte Fehler wäre jedenfalls, diese jungen Leute sich selbst zu überlassen.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein