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Zu alt: Gibt es im Saarland bald keine Hausärzte mehr?

Saarbrücken. Auf der Folsterhöhe ist es gerade noch mal gut gegangen. Bei Grippe, Husten oder anderen Beschwerden müssen junge Mütter mit ihren Kindern oder wackelige Senioren nicht den Weg in die Stadt antreten, sondern werden ab Oktober wieder an drei Tagen die Woche von einem Hausarzt vor Ort versorgt.

Bis 2020 gehen 382 on 694 Hausärzten  in den Ruhestand

In der Saarbrücker Hochhaussiedlung, die viele nur als sozialen Brennpunkt kennen, hat eine Bürgerinitiative erfolgreich darum gekämpft, nicht an einem Punkt benachteiligt zu werden, der für die meisten selbstverständlich ist: der kurze Weg zum Hausarzt des Vertrauens. Ende März hatte der dort niedergelassene Arzt seine Praxis aufgegeben und zuvor zwei Jahre lang gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) vergeblich einen Nachfolger gesucht. Eine Entwicklung, die aktuell zwar eher für ländliche Gebiete typisch ist, aber auch auf die saarländischen Städte zukommen kann: Nach Erhebungen der KV werden bis zum Jahr 2020 von 694 Hausärzten 382 in den Ruhestand gehen – vorausgesetzt sie legen im Alter von 65 Jahren Stethoskop und Rezeptblock zur Seite.

Saarländische Bevölkerung wird älter und kränker 

Womöglich entschließen sich dazu zahlreiche Ärzte sogar schon früher, sagt Wolfgang Meunier, stellvertretender KV-Vorsitzender. Er rechnet damit, dass bis 2020 nur jede zweite Praxis wiederbesetzt werden kann – und das angesichts einer älter und kränker werdenden saarländischen Bevölkerung. Derzeit seien 13 Hausarztpraxen „in der Vermittlung“, so die KV. Bewerber? Fehlanzeige.

Dabei hat der Hausarzt bei den Patienten einen guten Ruf. Im Gesundheitsbarometer 2009, einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst&Young, genießt er das höchste Vertrauen vor den Spezialisten, Ärzten an Kliniken und Apothekern. Doch das allein genügt offenkundig nicht, um mehr Absolventen für den Facharzt Allgemeinmedizin zu begeistern. Aktuell werden die Stimmen wieder lauter, die vor einem drohenden Ärztemangel warnen. Der Saarländische Hausärzteverband ruft eigens zu einem Aktionstag am kommenden Mittwoch, 15. September, in Dillingen auf. Etwa die Hälfte der über 600 Hausarztpraxen im Saarland könnten dann geschlossen bleiben, wenn die Mediziner gegen die aktuellen Pläne der Bundesregierung zum Gesundheitswesen protestieren. 

Gestiegene Anforderungen 

Verbandschef Joachim Meiser befürchtet, dass auf die Ärzte gestiegene Anforderungen bei Ausstattung, Fortbildungen und Personal zukommen, sollte sich Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am Kabinettstisch durchsetzen – und zugleich könnten die Einkommen sinken. „Warum soll das noch ein Mensch machen?“, fragt Meiser empört nach Berufsaussichten für den Nachwuchs. Unter anderem diese fehlende Perspektive halte die zukünftigen Mediziner davon ab, sich als Haus- und Familienarzt ihren Patienten zu verschreiben – Notdienste, Nachtschichten und Hausbesuche inklusive. Etwas Hoffnung setzt er auf einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Homburg, der von der Landesregierung gewünscht wird und an dessen Konzept eine Arbeitsgruppe feilt. Wann der Lehrstuhl seine Arbeit aufnehmen soll, ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums aber derzeit noch ungewiss.

Allerdings: Vertraut man Hausarzt Meiser drängt die Zeit. Nach seinen Berechnungen könnte schon in den nächsten fünf Jahren ein Viertel der Allgemeinmediziner im Land in den Ruhestand gehen.

Auf einen Blick

Der Aktionstag des Saarländischen Hausärzteverbandes beginnt am Mittwoch 15. September, um 10 Uhr in der Stadthalle in Dillingen. Das Durchschnittsalter der saarländischen Vertragsärzte liegt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung bei etwa 53 Jahren. Bis 2020 werden von 694 Hausärzten (Allgemeinmediziner/ Praktische Ärzte/ hausärztliche Internisten/ Kinderärzte) 382 (45 Prozent) über 65 Jahre alt sein. Bei den Fachärzten sind es 460 von 765 (60 Prozent). red

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