A1 Saarbrücken Richtung Trier Zwischen AS Tholey-Hasborn und AS Nonnweiler-Primstal Gefahr durch defekten LKW, rechter Fahrstreifen blockiert (10:25)

A1

Priorität: Sehr dringend

2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Zu kompliziert? Deutsch bei französischen Nachbarn eher unbeliebt

Für viele französische Schüler ist es eine Abwägung zwischen der Hoffnung auf aufregende Sommernächte an spanischen Stränden und der Vorstellung deutscher Strenge. Zwischen einer temperamentvoll klingenden romanischen Sprache, die der ihren ähnelt, und einer fremdartigen germanischen mit ellenlangen Wörtern und komplizierter Grammatik, die höchstens Assoziationen an Kriegsfilme weckt, in denen die harschen Befehle deutscher NS-Soldaten in Originalsprache belassen wurden. So fällt jungen Franzosen die Entscheidung für eine zweite Fremdsprache nach Englisch oft leicht: Eine Mehrheit wählt Spanisch, nur 15 Prozent Deutsch. Und meist nicht freiwillig, sondern auf Druck ihrer ehrgeizigen Eltern: „Vielen geht es weniger um die Sprache, als darum, dass ihre Kinder mit guten Schülern lernen. Deutsch-Klassen gelten als anspruchsvoll, elitär“, erzählt die Lehrerin Annie Myllet. Je nach Region herrscht teilweise aber auch Lehrermangel.

In Deutschland lernen gut 18 Prozent der Schüler Französisch, das klar die zweitwichtigste Fremdsprache nach Englisch bleibt. Der Soziologe Hans Herth bedauerte kürzlich in einem Aufsatz einen pragmatischeren Zugang als in Zeiten, da man eine Sprache als Schlüssel zu einer ganzen Kultur erlernte: „Früher konnten sich beide Länder bis aufs Blut bekämpfen, dennoch war der gegenseitige Respekt vor der Kultur des anderen unerschüttlich.“ Paradoxerweise ergebe sich aus der institutionell wie wirtschaftlich engen Verknüpfung des deutsch-französischen Duos kein stärkeres Interesse an der Sprache. Dabei sucht die Wirtschaft händeringend nach mehrsprachigen Nachwuchskräften, sind Deutschland und Frankreich einander doch mit die wichtigsten Handelspartner. Soeben erhielt das Reifenwerk von Michelin in Karlsruhe für seine Partnerschaft mit dem Collège Charles de Gaulle im elsässischen Seltz den Wirtschaftspreis der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer, weil es gezielt junge Leute aus Frankreich ausbildet, wo genau 25,8 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind. Doch das Argument besserer Job-Aussichten zieht nur mäßig.

Franzosen seien Chauvinisten und untalentiert bei Fremdsprachen, lautet eine oft verbreitete Meinung. Studien bestätigen eine vergleichsweise geringe Sprachkompetenz. An der Eigenmotivation ihrer Schüler hapere es gewaltig, berichtet die Stuttgarterin Theresa Günther, die seit drei Jahren in Frankreich Deutsch unterrichtet, derzeit in einem Collège in einem sozialen Brennpunkt der Pariser Vorstadt Saint- Denis. „Die Jugendlichen sehen oft nicht ein, was Deutsch ihnen bringen soll“, sagt die 29-Jährige. Die arabischstämmigen Schüler würden oft von ihren Eltern dazu gedrängt, die selbst der Arbeit wegen nach Frankreich gekommen seien und Wert auf gute Noten legten: „Deutsch macht sich gut im Lebenslauf.“ Infolge des autoritären Systems seien die Zwölf- bis 16-Jährigen Gruppenarbeit und autonomes Arbeiten nicht gewöhnt. Dennoch versuche sie etwa mit Musik der Band Seeed, mit aktuellen deutschen Filmen oder anderen didaktischen Anregungen des Goethe- Institutes ihre Schüler zu motivieren, sagt Günther. „Anregend sind auch Schüler-Austausche oder Brieffreundschaften.“ Immerhin: Eine Reise ins bei Franzosen sehr angesagte Berlin erschiene ihnen genauso attraktiv wie ein Strandurlaub in Spanien.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein