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Zu viele Aufträge: Kirkeler Firma macht aus Wasser Desinfektionsmittel

Saarbrücken. Jörg Heil aus Kirkel hat ein Problem, über das viele andere sich freuen würden. Er hat ein neues Produkt erfunden, es gibt zahlreiche Anfragen auch großer Unternehmen. Allerdings hat er nicht die Strukturen, um die Anfragen zu erfüllen.

Heil hat ein Verfahren entwickelt, um aus gewöhnlichem Salzwasser ein Desinfektionsmittel zu machen. Der Charme dabei: Das Mittel ist nicht nur billig, es sind auch weder Alkohol noch sonstige Chemikalien nötig, und die Umwelt wird auch nicht belastet.

"In unserer Lösung lösen sich die Zellwände auf"

Die Idee dahinter ist grundsätzlich einfach. Per Elektrolyse, also die Anwendung elektrischer Spannung im Wasser, reagiert das Salzwasser, und es bilden sich Natriumhypochlorid, in konzentrierter Form auch als „Eau de Javel“ bekannt, und eine schwache Natronlauge. „Das Besondere ist aber, dass das Natriumhypochlorid elektrisch geladen ist: Es hat eine Spannung von 1200 Mikrovolt“, erklärt Heil. Und diese Spannung, die die Lösung rund acht bis 14 Tage aufrechterhält, ist der Bakterienkiller. „Einzellige Mikroorganismen können nur eine Spannung von 750 bis 800 Millivolt überleben“, erklärt er. „In unserer Lösung lösen sich die Zellwände auf. Bakterien, Viren, Pilze und die gefährlichen Legionellen lösen sich einfach auf.“ Auf Mehrzeller dagegen hat die Lösung laut Heil keine Wirkung.

Wenn seine Vision aufgeht, wird sein Desinfektionswasser nicht nur die Gesundheitsbranche, sondern auch viele Industriebereiche revolutionieren: „Man kann damit nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Kühltürme und Industrierohrleitungen desinfizieren. Verdünnt kann es im Trink- und Duschwasser die Legionellengefahr beseitigen, und Heizsysteme könnten ohne die Gefahr von Bakterienbildung auf niedrigeren Temperaturen gefahren werden“, sagt er. Die Vision hat ihre Berechtigung: Erst kürzlich hat seine Lösung die Zulassung für den Einsatz in Krankenhäusern und Praxen bekommen.

Ein Cent pro Liter

Das Verfahren selbst stammt aus der russischen Raumfahrt. „Ich habe es nicht erfunden, sondern nur weiterentwickelt“, sagt Heil. Um das System zu perfektionieren, habe er allerdings mehrere Forschungsaufträge vergeben und auch selbst lange tüfteln müssen. Heil verkauft auch nicht das Mittel selbst, sondern die Produktionsanlagen. Eine solche Anlage kostet zurzeit rund 13 000 Euro, für das Desinfektionsmittel fällt dann aber nur noch rund ein Cent pro Liter an.

Erste Investoren  bereits an Bord

Vier Anlagen pro Monat stellt Heils Firma Waterclean zurzeit her, 50 Anlagen hat er bereits ausgeliefert. Die Anfragen aus Industrie und Gesundheitswirtschaft kann er damit nicht bedienen: „Wir werden jetzt mit weit höheren Auftragsgrößen konfrontiert“, sagt er. Nun steht er vor der Frage, ob er weiter langsam wachsen und den Interessenten einen Korb geben oder schnell vergrößern soll. Letzteres gehe aber nicht ohne Partner: „Ich brauche einen Investor, der bereit ist, mit einzusteigen und der auch das Know-how für einen europaweiten Vertrieb mitbringt“, sagt Heil. Auch gelte es, eine Produktion aufzubauen, ohne sich finanziell zu übernehmen.

Erste Investoren sind bereits an Bord. Die KfW und die Saarländische Wagnisfinanzierungsgesellschaft (SWG) sind gleich mit 20 Prozent eingestiegen.

Heil hofft nun, dass seine Firma – sie beschäftigt 30 Mitarbeiter – den anstehenden Strukturwandel überlebt: „Es gibt viele Unternehmen, die an solch einem Erfolg gescheitert sind“, sagt er.

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