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Zu viele Rabatte? Praktiker tief in roten Zahlen

Die Kirkeler Baumarktkette Praktiker steckt in den roten Zahlen.

Die Kirkeler Baumarktkette Praktiker steckt in den roten Zahlen.

Kirkel. „Die Baumarkt-Kette Praktiker hat ihre Kunden zu Rabatt-Junkies erzogen“, titelte die Zeitschrift „Manager-Magazin“ in ihrer Februar-Ausgabe. Die Droge „20 Prozent auf alles“ ist inzwischen abgesetzt. Es läuft der kalte Entzug. Seit Beginn des Jahres ist Schluss mit den Rabatt-Aktionen. Das hinterlässt Spuren. „Unser Umsatz in Deutschland liegt im ersten Quartal unter dem vergleichbaren Vorjahreswert“, räumte Praktiker-Vorstandschef Wolfgang Werner gestern in der Bilanzpressekonferenz ein. Außerdem wurde die Werbung in den ersten drei Monaten kräftig zurückgefahren. Das soll sich wieder ändern. Seit gestern wirbt Alt-Tennisstar Boris Becker für den Kirkeler Baumarkt-Konzern. „Du musst kein Profi werden, um ein Held zu sein“, verrät „Bobbele“ in Zukunft den Heimwerkern.



Viele Sondereffekte

Das vergangene Jahr will Praktiker schnell abhaken. Der Umsatz ging um 5,9 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück. Am Ende steht außerdem ein Jahresfehlbetrag von 33,6 Millionen Euro, der pro Aktie zu einem Verlust von 60 Cent führt. Dennoch schlägt der Praktiker-Vorstand der Hauptversammlung eine Dividende von zehn Cent je Anteilsschein vor.

Die roten Zahlen aus dem Jahr 2009 sind stark von Sondereffekten geprägt. Insgesamt addieren sich die Sondereffekte auf 32,4 Millionen Euro. Dahinter verbergen sich unter anderem Kosten für einen spürbaren Personalabbau. So ging allein in Deutschland die Zahl der Mitarbeiter um rund 480 zurück. „Mit diesem Geld haben wir unsere Organisationsstrukturen verändert, die Hierarchien verschlankt“, erläuterte gestern Vorstandschef Werner. Das „Manager-Magazin“ beschrieb es drastischer: „In Kirkel regiert die Kettensäge. Die zweite und dritte Ebene wird ausgedünnt, Posten werden heruntergestuft oder gestrichen. Der Frust ist groß“. Auch das Kartellverfahren in Polen geht ins Geld. 8,1 Millionen Euro werden in der Bilanz 2010 an Rückstellungen gebildet, um hier auf der sicheren Seite zu sein. Das polnische Kartellamt hatte der Baumarktkette einen Bußgeldbescheid in Höhe von 9,4 Millionen Euro zugestellt. Praktiker wurden unzulässige Preisabsprachen in den Jahren 2000 bis 2006 vorgeworfen. Allein der Posten „Veränderungen im Vorstand“ – Ex-Finanzchef Thomas Ghabel und der frühere Personalvorstand Karl-Heinz Stroh mussten gehen – beläuft sich auf 2,4 Millionen Euro.

Konzern für die nächsten Jahre gut gerüstet

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (Ebita) lag wegen dieser Sondereffekte nur bei 35,3 Millionen Euro, ohne diese Effekte hätte er bei 67,7 Millionen Euro gelegen.

Dennoch sieht der neue Finanzvorstand Markus Schürholz den Konzern für die nächsten Jahre gut gerüstet. Die Liquidität sei gesichert, da der Zufluss liquider Mittel (cash flow) noch um 3,3 auf 266,3 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Außerdem werde die Nettoverschuldung trotz Aufnahme einer neuen Unternehmensanleihe in Höhe von 250 Millionen Euro sinken.

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