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Zu wenig Rektoren für Saarlands Grundschulen

Saarbrücken. Für das neue Schuljahr ist gerade noch einmal alles gut gegangen: Alle 162 Grundschulen im Land haben einen Rektor. Aber das war ein gutes Stück Arbeit: Das saarländische Bildungsministerium erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, die Schulaufsicht habe mit „intensiver Beratung“ geeignete Lehrkräfte zu einer Bewerbung ermuntern müssen. Denn seit Jahren wird es immer schwieriger, Leitungsstellen an den Grundschulen zu besetzen. Derzeit scheide „eine ganze Generation von bewährten und lang gedienten Schulleiterinnen und Schulleitern aus dem Dienst aus“, so ein Sprecher des Ministeriums. Und offenbar will kaum noch jemand die Strapazen des Jobs auf sich nehmen. In den vergangenen Jahren seien zwar viele junge Grundschullehrer eingestellt worden, berichtet das Bildungsministerium. Diese sammelten jedoch noch Berufserfahrung oder seien aufgrund einer Familiengründung zurückhaltend mit der Übernahme eines Rektorenpostens.

„Auch in der Altersgruppe über 55 Jahren ist vorwiegend aus persönlichen Gründen eine Zurückhaltung bezüglich der Übernahme einer Leitungsstelle zu verzeichnen“, so das Ministerium. Die dazwischen liegende Altersgruppe sei prädestiniert, aber relativ klein. Woran liegt es, dass kaum noch jemand Rektor einer Grundschule werden möchte? Grundschulrektoren seien heutzutage „Schul-Manager“, die „doppelt und dreifach belastet“ seien, klagt Lisa Brausch, die stellvertretende Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV). Zusätzlich zu ihren Unterrichtsverpflichtungen seien sie für die Förderkonzepte, die Organisation der Nachmittagsbetreuung, aber auch die Zusammenarbeit mit Schulträgern und Kindertageseinrichtungen verantwortlich. „An den Grundschulen hat es in den letzten zehn Jahren keine Entlastungen gegeben, sondern immer nur zusätzliche Belastungen“, sagt Brausch. Der SLLV fordert von der Politik ein „sichtbares Zeichen der Entlastung“, eine Höherstufung der Grundschulrektoren von Besoldungsstufe A13 nach A14 (siehe Hintergrund), einen Konrektor für jede Schule sowie weniger Unterrichtsverpflichtung fürs Leitungspersonal.

Die Ausstattung von Grundschulen mit Sekretärinnen sei besser geworden, „aber noch nicht gut“. Für dieses Personal sind die Schulträger, also die Kommunen, zuständig. Das Ministerium will den Lehrern keine allzu großen Hoffnungen machen. Bei der Bezahlung der Lehrer bewege sich das Saarland im Rahmen der anderen Länder. „Eine Besserstellung gegenüber anderen Bundesländern wäre als Haushaltsnotlage- und Nehmerland kaum zu rechtfertigen.“ Was kann das Bildungsministerium dann überhaupt tun? Es will „intensiv bei geeigneten Lehrkräften“ werben und sie zur Bewerbung motivieren. Grundsätzlich sei zu erwarten, dass eine neue Lehrer-Generation heranwachse und „nach entsprechender Erfahrung sowie bei angepassten Fortbildungsangeboten“ zur Übernahme von Leitungsstellen bereit sein werde. Hoffnung macht dem Ministerium das Interesse am Studiengang für das Lehramt an Grundschulen, der im Wintersemester an der Saar-Uni startet: Auf die 60 Studienplätze haben sich mehr als 800 Personen beworben. „Offensichtlich besteht also ein großes Interesse an diesem Beruf. Das stimmt uns auch im Hinblick auf die spätere Übernahme von Leitungsstellen zuversichtlich“, so das Ministerium.


HINTERGRUND

Wie viel ein Lehrer verdient, richtet sich nach seiner Besoldungsgruppe und seiner am Dienstalter orientierten Erfahrungsstufe. Zur besseren Vergleichbarkeit wird im Folgenden (jeweils brutto) die Stufe 8 zugrunde gelegt, die ein Lehrer – je nach Lehramt – nach 11 bis 13 Dienstjahren erreicht. Ein Grundschulrektor ist in der Regel in der Besoldungsgruppe A13 und verdient nach Angaben des Bildungsministeriums rund 3980 Euro. Das sind etwa 400 Euro mehr als ein „normaler“ Grundschullehrer in der A12. In beiden Fällen kommen noch etwa 200 Euro Familienzuschlag hinzu. Bei einer Schülerzahl von mehr als 180 erhält ein Rektor eine Zulage von 170 Euro. In diesem Fall bekommt die Schule auch einen Konrektor (A12 plus 140 Euro Zulage). Ab einer Schülerzahl von 361 ist ein Rektor in der Besoldungsgruppe A14 (rund 4320 Euro); diese Fälle gibt es aber kaum noch. Ein gewöhnlicher Gymnasiallehrer (Studienrat, A13) erhält die gleichen Bezüge wie ein Grundschulrektor, der Direktor eines Gymnasiums (A16) verdient etwa 5280 Euro. kir
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