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Zu wenige Bewerber: Mehr Geld für junge Grundschullehrer

Endlich erhört: Im Sommer 2015 protestierten Grundschullehrer vor der Staatskanzlei für gerechtere Bezahlung. Jetzt hat Bildungsminister Commerçon (rechts) auf den Protest reagiert. Foto: Becker& Bredel</p>

Endlich erhört: Im Sommer 2015 protestierten Grundschullehrer vor der Staatskanzlei für gerechtere Bezahlung. Jetzt hat Bildungsminister Commerçon (rechts) auf den Protest reagiert. Foto: Becker& Bredel

Kurz vor Weihnachten geht das mit den Wundern wohl doch leichter: „Für die Dauer eines Jahres wird das Land auf die Absenkung der Eingangsbesoldung für Grundschullehrer verzichten“, kündigte Bildungsminister Ulrich Commerçon ( SPD ) gestern an. Bislang mussten Anfänger in ihren ersten beiden Berufsjahren 190 Euro monatlich Abzug hinnehmen – wie die übrigen studierten Landesdiener auch. Diese seit 2011 geltenden Kürzungen sind ein wesentlicher Beitrag zur Haushaltssanierung des finanzklammen Saarlandes. „Wir haben aber eine akute Notlage im Grundschulbereich“, sagt Commerçon.

Aktuell sind laut Ministerium 25 Grundschullehrerstellen unbesetzt. 84 Lehrer aus anderen Schulformen müssen bereits Lücken stopfen. Dazu gilt es, vermehrt Flüchtlingskinder zu integrieren und Kindern mit Handicaps den Regelunterricht zu ermöglichen. Jeder Lehrer, der da fehlt, fehlt doppelt. Verschärfend kommt hinzu: Bundesweit buhlt man um die Lehrer für die Jüngsten. Sachsen etwa lockt seit anderthalb Monaten mit Zuschlägen von 390 Euro. Dieser Wettbewerb habe die „Situation noch zugespitzt“, konstatiert Commerçon. Hätte man jetzt nicht nachgebessert, macht er deutlich, wären massive Unterrichtsausfälle unausweichlich gewesen.

Mit derart klarer Kante hat der SPD-Minister nun wohl auch dem stets aufs Sparen bedachten Koalitionspartner in der schwarz-roten Landesregierung die Mehrausgaben abgetrotzt. Noch vor wenigen Tagen hatte die CDU-Landtagsabgeordnete Gisela Rink moniert, die Reduzierung der Lehrerbesoldung sei schließlich mit dem Stabilitätsrat vereinbart. Und sortierte Commerçons Ansinnen als „Vorwahlkampf“ ein. Der Mangel sei aber eklatant, entgegnet der. Und eben dieser „Mangel“ ist auch die Bedingung, um überhaupt die strikten Sparauflagen zu lockern; der Paragraf 3b im Saarländischen Besoldungsgesetz lässt diese Option zu, die auch schon für die Berufsschullehrer gezogen wurde. Auch da ist die Not groß.

Gestern aber gab nun Finanzminister Stephan Toscani ( CDU ) grünes Licht. Konkret bedeutet das fürs Land rund 136 800 Euro Mehrausgaben in zwei Jahren. Gesetzt den Fall, das Bildungsministerium kann zum 1. Februar wie geplant 30 neue Grundschullehrer einstellen. Die bekommen dann wieder die reguläre A12-Besoldung, rund 3155 Euro im Monat. Somit in den ersten zwei Berufsjahren 4650 Euro pro Kopf mehr als die 201 Kollegen, die unter den Spar-Vorgaben eingestellt wurden. Für die wird es rückwirkend keinen Nachschlag geben. Und auch die Gymnasiallehrer müssen weiterhin den Gürtel eng geschnallt lassen. „Ich bin natürlich für Gerechtigkeit“, sagt Commerçon. Aber im Gymnasialbereich gebe es eben diese Notlage nicht.

Wegen der Schuldenbremse ließ sich die Anhebung der Besoldung zunächst auch nur für ein Jahr durchsetzen, so der Bildungsminister . Nun müsse man sehen, ob das hilft. Für die 30 Stellen, die man zum 1. Februar besetzen will, habe man aktuell 25 Bewerber. Die aber hat das Land keineswegs sicher, denn erfahrungsgemäß versuchen es die Neu-Lehrer in mehreren Bundesländern.

Zustimmung bekommt Commerçon nun auf jeden Fall von den Lehrern. Thomas Bock, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), begrüßte die Besoldungskorrektur, kritisierte aber die Befristung auf ein Jahr und forderte gleiches Recht für alle Lehrer. Und, dass die Grund- und Hauptschullehrer im Saarland endlich in die Besoldungsstufe A13 kommen.

Das dürfte in der Tat auch ein Hemmschuh im bundesweiten Rennen um Grundschullehrer bleiben: Andere Bundesländer vergüten nämlich entsprechend. „Mittelfristig müssen wir dazu kommen, deutschlandweit die Grundschullehrer gleich zu bezahlen“, sagt denn auch Ulrich Commerçon . Das aber durchzusetzen, dürfte mehr als ein Weihnachtsfest brauchen.

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