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Zum Jahreswechsel blüht der Aberglaube

Gilt als klassischer Glücksbringer: der Schornsteinfeger. Foto: dpa</p>

Gilt als klassischer Glücksbringer: der Schornsteinfeger. Foto: dpa

An Silvester hat der Aberglaube Hochkonjunktur. Die Menschen hoffen und bangen, was die nächsten 365 Tage ihnen wohl bringen mögen. Das mehr als 100 Millionen Euro teure Feuerwerk, das alleine die Deutschen in Form von Böllern und Leuchtraketen jedes Jahr in den Himmel schießen, soll nach altem Volksbrauch etwa die bösen Geister vertreiben.

Ob Christen, Muslime, Juden oder Menschen anderer Weltanschauungen: Etwa die Hälfte der Deutschen, so wird laut Meinungsumfragen vermutet, sind in irgendeiner Weise abergläubisch. „Aberglauben ist nach dem Grimmschen Deutschen Wörterbuch durch übermäßiges Glauben verkehrter Glaube , also falscher Glaube “, erklärt Gunter Altenkirch vom Museum für dörfliche Alltagskultur und Aberglauben in Rubenheim. Altenkirch hat sich in seinem kleinen Museum, das nur jeden dritten Sonntag im Monat öffnet, sowie in zahlreichen Volkskunde-Schriften auch mit Silvesterbräuchen beschäftigt. Schließlich wird dem Aberglauben zu keiner Zeit des Jahres so vielfältig gehuldigt wie am letzten Tag des Jahres, der an den am 31. Dezember 335 gestorbenen Papst Silvester I. erinnert.

Dem für Sekten- und Weltanschauungsfragen zuständigen Landespfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, geht es bei den Silvesterbräuchen aber „nicht darum, falschen Glauben zu entlarven“. Zwar stelle sich die Frage, ob man ein Großteil der Riesensumme für das Silvesterfeuerwerk nicht besser zum Beispiel für die Obdachlosen in Deutschland verwenden könne, sagt Schäfer. Doch die Silvesterbräuche seien in aller Regel weder grundsätzlich gefährlich noch okkult belastet und machten den Menschen ja auch großen Spaß. Entscheidend sei auch nicht, ob ein solcher Brauch an sich oder durch den bloßen Vollzug problematisch sei, sondern mit welchem Verständnis man ihn ausübt.

Den Schornsteinfeger als Glückssymbol erklärt Volkskundler Altenkirch damit, dass sich in früheren Jahrhunderten nur die reichen Leute so einen schwarzen Mann leisten konnten, der ihren rußbesetzten Kamin säuberte und dann oft am letzten Tag des Jahres auch die Rechnung dafür präsentierte. Ärmere hatten nur die Möglichkeit, an einem Seil eine Gans in den engen Schornstein herabzulassen, so dass die flatternden Flügel des bedauernswerten Federviehs wie eine Putzbürste wirkten.

Das Schwein galt schon bei den alten Griechen als Opfertier für die Fruchtbarkeitsgöttin. Dass es zum Glückssymbol wurde, liegt auch daran, dass es kein besonderes Futter braucht und schon nach sechs Monaten schlachtreif und nutzbar für den Menschen ist. Der zum Start in den Reichtum dienende Glückspfennig ist in den Euro-Ländern zwar dem etwas argwöhnischer betrachteten Glückscent gewichen, wird aber im Handel gerne weiterhin verkauft. Ein nach rechts offenes Hufeisen soll dabei nach altem Brauch den Buchstaben C für Christus darstellen.

Bis heute bekannt ist das Bleigießen zu Silvester , bei dem Blei auf einem Löffel unter heißer Flamme geschmolzen und dann schwungvoll in kaltes Wasser befördert wird. Die dabei entstehenden teils bizarren Formen werden dann verheißungsvoll als Glück und Liebe (bei einem ringähnlichen Gebilde), als Unglück (bei einer Flamme) oder auch nur als drohendes Übergewicht (bei einem Nilpferd-ähnlichen Gebilde) gedeutet.

Ein weiterer alter Brauch ist – je nach Gegend – auch das Essen von Sauerkraut oder Blutwurst am letzten Abend des alten Jahres. Hintergrund ist der Glaube , dass man dann im nächsten Jahr immer Geld haben wird beziehungsweise eine Art Garantie auf Gesundheit und Wohlbefinden hat. Auf keinen Fall, so der alte Volksglaube, sollte man dagegen am letzten Tag des Jahres einen Apfel verzehren. Denn, so gesund der auch ist, so steht er doch im Zusammenhang mit dem Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies.

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