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Zwei Menschen nach Pilzvergiftung in Lebensgefahr

Schwer zu unterscheiden: der giftige grüne Knollenblätterpilz (links)
und der genießbare Anis-Champignons (rechts).

Schwer zu unterscheiden: der giftige grüne Knollenblätterpilz (links) und der genießbare Anis-Champignons (rechts).

Mehrere Menschen im Saarland sind derzeit nach dem Verzehr von Giftpilzen in stationärer Behandlung. Eine vierköpfige Familie wird auf der Intensivstation des Klinikums Saarbrücken behandelt. Nach Angaben des leitenden Arztes waren nach dem Verzehr von Knollenblätterpilzen Vater, Mutter und zwei Kinder schwer erkrankt. Zwei von ihnen werden wohl nur noch durch eine Lebertransplantation zu retten sein. Das Leberversagen sei ein typischer Verlauf bei einer Vergiftung durch den Knollenblätterpilz, teilte Professor Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken mit. Dieser dem Champignon ähnliche Pilz sei bundesweit für 90 Prozent der Todesfälle nach Pilzverzehr verantwortlich. Auch in Homburg war am Wochenende ein Patient mit schwerer Pilzvergiftung behandelt worden.

Experten raten Pilzsammlern, sich zuvor ausführlich über giftige sowie über zum Verzehr geeignete Pilze zu informieren. Anleitungen dazu vermitteln beispielsweise Exkursionen der Pilzfreunde Saar-Pfalz. Die SZ hat sie am Sonntagnachmittag an den Rohrbacher Weiher begleitet.

„Das ist der Weiße unter den Grünen“, sagt Pilz-Experte Thomas Brandt beim Anblick eines Anistrichterlings. Die Pilzsorte sollte im Normalfall einen grünen Hut besitzen. Dass es dennoch nahezu weiße Exemplare gibt, zeigt, dass es nicht nur schwer zu unterscheidende Pilzarten gibt, sondern auch noch große Variationen innerhalb derselben Art. Das ist einer der vielen Sachverhalte, die die etwa 30 Teilnehmer der Pilz-Exkursion der Pilzfreunde Saar-Pfalz lernen.

Nein, einfach machen es die Fungi, so der lateinische Name für Pilze, dem Menschen nicht, und so beschränken sich die meisten Pilzesammler auf leicht zu bestimmende und kaum zu verwechselnde Arten wie Steinpilze, Maronenröhrlinge und Pfifferlinge. Dass die allgemein bekannten Sorten aber höchstens die Spitze des Eisbergs darstellen, macht Exkursionsleiterin Elisabeth Hoffmann den Teilnehmern gleich am Anfang klar: Von den weltweit etwa eine Million Pilzarten gehörten 100 000 zu den größeren Pilzen; in Mitteleuropa wüchsen davon noch 5000 Arten, essbar seien davon zirka 500, in unserer Region 150. „Köstlich schmecken von denen aber nur 40 bis 50 Pilzarten“, sagt die Expertin. Da es nur relativ wenige giftige Sorten (darunter jedoch tödliche) gebe, sei der Großteil der Pilze einfach ungenießbar.

Tatsächlich bietet der Mischwald am Rohrbacher Weiher vielerlei Sorten der bunten Waldbewohner, sei es der violette Rötelritterling, der rosa Rettichhelmling, der dickblättrige Schwarztäubling oder der Grünspanträuschling. Auffällig oft halten die Experten einen Pilz an die Nase: „Jede Sorte riecht anders“, erklärt Brandt, somit gehöre die Geruchsprobe zur Bestimmung meistens dazu. Anfangs erwähnter Trichterling riecht, wie sein Name schon sagt, angenehm nach Anis. Der Schwefelporling ist dagegen ein wahrer Stinker im Reich der Pilze. Kaum jemand, der nicht zurückzuckt angesichts dessen Aroma. Wichtig ist ein gutes Näschen vor allem beim Aussortieren des giftigen Karbolchampignons. Der Magendarmprobleme auslösende Pilz riecht laut Meinung vieler Teilnehmer „nach Krankenhaus“ oder Jod; äußerlich gleicht er dagegen einigen essbaren Champignons.

Experte Brandt ist einer von 15 Pilzsachverständigen im Saarland. Die Pilzfreunde Saarpfalz werden bei Vergiftungsfällen gerufen, um aus den Resten der Mahlzeit oder den Abfällen den Giftpilz herauszufinden. Da die vielen Giftpilze unterschiedliche Wirkstoffe enthalten, erleichtern sie mit der Bestimmung den Ärzten die Arbeit. Meist seien es jedoch nicht Giftpilze, die die Symptome auslösten, sondern verdorbene Speisepilze. Dass derzeit die Pilze sprießen, ist auf die starken Regenfälle Mitte September zurückzuführen – ideale Bedingungen fürs Wachstum.
 

HINTERGRUND 

Die einzige saarländische Pilzberatungsstelle befindet sich in Weiskirchen, Tel. (0 68 72) 92 12 62. Die Liste der Pilzsachverständigen steht im Internet unter , die Aktivität der Pilzfreunde Saarpfalz unter . Am kommenden Wochenende findet eine zweitägige große Pilzausstellung im Bürgerzentrum Frankenholz (Pfarrer-Layes-Straße, 66450 Bexbach, Tel. (0 68 26) 73 25) sowie die 16. große Frischpilzausstellung in Herrensohr (Sporthalle Herrensohrer Weg) statt. red
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