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Zwei Saar-Kraftwerke vor dem Aus

Das Steinkohlekraftwerk Bexbach soll im kommenden Jahr vom Netz gehen. Foto: Becker & Bredel

Das Steinkohlekraftwerk Bexbach soll im kommenden Jahr vom Netz gehen. Foto: Becker & Bredel

Noch quillen Wasserdampfwolken aus den Kühltürmen der Kohlekraftwerke Bexbach und Quierschied-Weiher. Damit soll es aber im Laufe des kommenden Jahres vorbei sein. Der Energiekonzern Steag will fünf Kraftwerksblöcke stilllegen, zwei im Saarland und drei am Niederrhein in Voerde und Herne. Das Essener Unternehmen hat gestern bei der Bundesnetzagentur die vorläufige Schließung beantragt.

„Viele hundert Arbeitsplätze werden verloren gehen“, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Ralf Melis. Im September hatte das Unternehmen bereits ein Spar- und Zukunftsprogramm angekündigt, wonach dauerhaft unrentable Kraftwerke abgeschaltet werden sollen. Die Pläne sehen den Abbau von 800 bis 1000 der insgesamt knapp 6000 Arbeitsplätze vor. Die Jobs der nach Angaben eines Steag-Sprechers insgesamt rund 280 Mitarbeiter in Bexbach und Weiher sind nun akut in Gefahr.

„Das ist ein harter und trauriger Schnitt, aber unumgänglich, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Steag zu erhalten“, sagte Konzernchef Joachim Rumstadt. Denn mit Strom aus Kohle lässt sich derzeit kaum noch Geld verdienen, da wegen des zusätzlichen Wind- und Sonnenstroms die Großhandelspreise eingebrochen sind. Bexbach und Weiher gehören offenbar zu den Problem-Kraftwerken, nicht zuletzt wegen hoher Logistikkosten für den Kohletransport. Trotz hoher Investitionen in die Modernisierung „muss man am Ende sagen: So viel Verlust kriegt man nicht gewuppt“, sagte Dietmar Geuskens, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE im Saarland.

Wie viele Arbeitsplätze im Saarland genau wegfallen, sei im Augenblick aber offen, sagte ein Steag-Sprecher. Denn womöglich laufen die Kraftwerke doch noch länger weiter. Nach dem Antrag bei der Bundesnetzagentur ist nämlich zuerst der Stromnetzbetreiber Amprion am Zug. Er muss prüfen, ob die Anlagen für die Stabilität des Stromnetzes unverzichtbar sind. Falls Amprion dies bejaht, kann bei Genehmigung durch die Bundesnetzagentur ein Weiterbetrieb von zunächst bis zu 24 Monaten vorgeschrieben werden. Dann würden nach Angaben der Bundesnetzagentur zusätzliche Kosten – in diesem Fall der Steag – erstattet und auf die Stromkunden umgelegt. „Das ist unsere einzige Hoffnung“, sagte Klaus-Dieter Woll, Mitarbeiter im Kraftwerk Bexbach und stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats. Geuskens sieht sogar ganz gute Chancen, „noch ein paar Jahre herauszuschinden“, weil angesichts der Abschaltung mehrerer Atomkraftwerke in Süddeutschland die saarländischen Kraftwerke zur Netzsicherheit noch gebraucht werden dürften.

Um die Lasten für die Arbeitnehmer zu mildern, sei ein Sozialplan erarbeitet mit dem Ziel eines sozialverträglichen Stellenabbaus ohne betriebsbedingte Kündigungen, sagte Melis. Sein Betriebsratskollege Woll ist skeptisch, ob dieses Ziel zu erreichen ist. Wenn beide Saar-Kraftwerke abgeschaltet werden dürfen, „dann wird es schwierig“, sagte er.

Das dritte von der Steag im Saarland betriebene Kohlekraftwerk, Völklingen-Fenne, mit seinen rund 140 Mitarbeitern ist von den aktuellen Beschlüssen nicht betroffen. Eine langfristige Bestandsgarantie gebe es aber nicht, sagte ein Steag-Sprecher.

Der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke ( SPD ) forderte eine umfassende Prüfung der Bedeutung der beiden Saar-Kraftwerke. Denn „es darf nicht so weit kommen, dass die Energiesicherheit unserer Industrie und der saarländischen Privathaushalte von Strom aus Cattenom abhängig gemacht wird“. Und er erwartet von dem Unternehmen, das einem Stadtwerke-Konsortium gehört, „das Feld der erneuerbaren Energie intensiv zu bearbeiten und auch im Saarland am Umbau der Energielandschaft mitzuwirken“.

Ähnlich äußerte sich Oskar Lafontaine , Fraktionschef der Linke im Landtag: „Es wäre ein Treppenwitz, wenn die Versorgung in Zukunft über das Atomkraftwerk Cattenom sichergestellt würde.“ Auch er sieht Steag „in der Verpflichtung, an der Saar Ersatzinvestitionen vorzunehmen“.

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