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Zwei starke Abende beim Tanzfestival Now Dance Saar in Saarbrücken

Nachrichten aus der Region Saarbrücken.

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So schnell und unwiderstehlich hat noch niemand das Publikum zum Mitmachen gebracht wie die Truppe „Moving into Dance“ in Robyn Orlins Stück. Wir sollen die Plastiktrinkflaschen auf unseren Sitzen in die Hand nehmen und mit dem herrlich klaren Wasser gurgeln, fordert uns die Tänzerin in ausladender afrikanischer Robe auf – und nennt das „Klang Nummer eins“.

Ebenso willig werfen wir die leeren Flaschen auf die Theaterzelt- Bühne, um ein böses Schlangenwesen zu vertreiben. In diesem Stück soll es nur um Schönheit gehen. Wo ist sie in Afrika zu finden? Für Touristen vielleicht in den Savannen, für die Menschen von Soweto indes in den „einfachen Dingen“, dem klaren Wasser, dem Sonnenschein, zeigt Orlins mitreißende, kurzweilige Choreografie mit dem langen Titel „Beauty Remained For Just A Moment Then Returned Gently To Her Starting Position...“.

Einer der Höhepunkte des Festivals Now Dance Saar. Die sieben schwarzen Tänzerinnen und Tänzer tanzen, spielen, sprechen, singen, oft alles gleichzeitig. Im traditionellen afrikanischen Tanz wurzelt das Magische, Rituelle der mit Projektionen hinterlegten Szenen, in denen auch schon mal mit Gott geskypt wird. Sie sprühen vor Lebensfreude, um die wir Afrikaner so beneiden. Und doch hintertreibt die weiße Anti- Apartheid-Kämpferin Orlin lust- und humorvoll jegliches Klischee. Mit prachtvollen Kostümen aus Verpackungen zeigt sie, wie einfallsreich Afrikaner recyclen, was wir achtlos wegwerfen. Und damit zum Teil ihres Problems werden.

Noch weitaus härter und beeindruckender hält uns Israel Galván in „Lo Real“ im Forbacher Le Carreau den Spiegel vor. Vom Tiefpunkt der Verfolgung der Sinti und Roma erzählt der jüdische Sevillaner mit den Mitteln des Flamenco, wie man ihn noch nie sah. Der Stolz, das Pathos der Gesten, die Raserei der Füße des Flamenco, bei Galván, diesem virtuosen Tänzer, werden sie zum Ausdruck von Überlebens-Willen und -Kraft. Bar jeder Erotik, zu der sich hier die in die Enge getriebenen Gypsies schließlich prostituieren, und mit der sich hier Leni Riefenstahl – historisch verbürgt – im Domina- Gewand tanzend geriert. In Szenen vielschichtig wie Zwiebeln umkreist Galvan das Thema und findet im quietschenden Hin- und Herschieben von Metallschienen sogar für das Nicht-Darstellbare ein überzeugendes Bild. Grandios!

Rasende Füße hat auch Colin Dunne, der in der Alten Feuerwache den Irischen Tap-Dance in seine Elementarteile zerlegt, um virtuos damit zu experimentieren. Wie er sich als einstiges Wunderkind des Tap- Dance von dessen Zwängen befreit und auch den Oberkörper entdeckt, führt er in „Out of Time“ beeindruckend vor. Neun Artisten im 20er-Jahre-Look, die mit 80 Äpfeln nicht nur perfekt jonglieren, sondern dies auch in Szenen setzen, in denen sie sich mit köstlich trockenem Humor gegenseitig stören und piesacken, das bot „Smashed“ von Gandini Juggling. Pina Bauschs „Kontakthof“ stand sichtlich Pate, dennoch hätte man sich die Truppe eher fürs Straßentheaterfestival gewünscht.

Und für Now Dance ruhig mal etwas Sperrigeres, das man beim Tanzfesitval bislang vermisste.

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