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Zweibrückens Anti-Drogenkalender verbreitet schwulenfeindlichen Spruch

Er habe das erst gar nicht wahrgenommen, als ihn jemand gefragt habe, ob ihm an dem Kalender etwas auffalle, sagt der Zweibrücker Jugend- und Schuldezernent, Rolf Franzen (CDU). Er würde das "auch nicht so extrem hoch hängen, das ist sicherlich nicht gegen Schwule gerichtet", es handele sich um leider weit verbreitete Schülersprache. Der Bürgermeister räumt aber ein: "Das war ein Lapsus." Offensichtlich hätten die Erwachsenen, die den Kalender betreuten, "die Problematik an dieser Stelle nicht erkannt". Etwas Gutes könne dieser "Lapsus" in dem an Schulen und anderen Zweibrücker Jugendeinrichtungen verteilten Kalender aber haben, hofft Franzen: "Vielleicht knüpfen Lehrer im Unterricht daran an, und man kann so die Brisanz deutlich machen, schwul als Schimpfwort zu benutzen."

LSVD-Sprecher Markus Ulrich hält es für verharmlosend, von einem "Lapsus" zu sprechen: "Für die Stadtverwaltung ist Homophobie ein Kavaliersdelikt. Sie zeigt damit, dass sie wirklich keine Sensibilität für die Betroffenen hat." Dabei hätten "aufgrund ihrer negativen Erfahrungen im sozialen Umfeld homosexuelle Jugendliche vierfach höhere Suizidraten als ihre gleichaltrigen Altersgenossen". Der Schwulenverband schreibt weiter: "Schule ist der Ort, an dem Lesben und Schwulen die meisten Diskriminierungen erfahren müssen." Durch den Kalender lernten Zweibrücker Schüler "nun auch offiziell, ,schwul' ist nicht erwünscht. Hier werden Mobbing und Ausgrenzung von Lesben und Schwulen gefördert und verstärkt." Ulrich hält es für unwahrscheinlich, dass Lehrer den Kalender zum Anlass nehmen, um mit ihren Klassen über die Akzeptanz von Schwulen und Lesben zu reden: "Unserer Erfahrung nach ist das Lehrpersonal mit diesem Thema heillos überfordert."

Der Zweibrücker Stadtschülerratssprecher Christian Becker sieht das ähnlich: "In meiner gesamten Schulzeit ist über Homosexualität nicht im Unterricht gesprochen worden." Der Stadtsschülerrat habe über den Spruch in dem Kalender noch nicht diskutiert, sagt der 17-jährige Gymnasiast. Er persönlich denke: "Das geht gar nicht. Es ist auf keinen Fall okay, ,schwul' als abschreckenden Begriff in einer offiziellen Publikation zu verwenden. Es ist etwas Gutes, Drogenprävention zu betreiben - aber nicht, indem ich unbewusst Homophobie fördere!" Er sei aber überzeugt, dass die Stadt nicht homophob sei und vermute Gedankenlosigkeit als Ursache.

Dass Homosexualität im Unterricht tabuisiert werde, könne auch mitverwantwortlich dafür sein, dass "schwul" unter Schülern zunehmend als Schimpfwort missbraucht werde. Das fange schon bei Grundschülern an: "Die kennen die Bedeutung gar nicht, aber haben es von älteren Kindern, manchmal sogar Eltern aufgeschnappt."

Auch das rheinland-pfälzische Ministerium für Integration, Familie, Kinder und Frauen kritisiert: "Der Spruch in dem Anti-Drogen-Kalender ist nicht akzeptabel, da er Menschen wegen seiner sexuellen Identität diskriminiert. Von Seiten unseres Ministeriums wäre es sehr zu begrüßen, wenn die Stadt Zweibrücken den diskriminierenden Passus entfernen würde." Der zusammen mit der Stadt und der städtischen Drogenberatung an dem Kalender beteiligte Internationale Bund (IB) hat bereits Konsequnzen gezogen.

Erst mal ein Kompliment: Der Anti-Drogen-Kalender der Stadt lebt von vielen pfiffigen Ideen der beteiligten Schüler. Dass Kindern auch mal ein Spruch massiv danebengeht, kann man ihnen bis zu einem gewissen Alter nicht vorwerfen. Wie sollen sie auch vorurteilsfreien Umgang mit homosexuellen Menschen lernen, wenn das in der Schule kein Thema ist, und wenn nicht mal ihren Betreuern oder der Stadtverwaltung auffällt, wie menschenverachtend der Versuch ist, vom Trinken mit der Warnung abzuschrecken, das sei "schwul"? Dass dies immer öfter als Schimpfwort missbraucht wird, macht die Sache nicht besser, im Gegenteil. Der IB hat sich mit erfreulich klaren Worten schnell entschuldigt. Auch die Stadt sollte Konsequenzen ziehen - und prüfen, wie sie mit ihrer Jugendarbeit Menschenfeindlichkeit vorbeugen statt verstärken kann.

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