L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Zweistelliger Millionenverlust: Was nun, Praktiker?


Kirkel. Bei der saarländischen Baumarktkette Praktiker ist kein Ende der Krise abzusehen: Auch im dritten Quartal musste das Unternehmen mit Sitz in Kirkel eine kräftigen Umsatzrückgang hinnehmen: Mit 844,4 Millionen Euro hat der Konzern 7,3 Prozent weniger umgesetzt, als noch im dritten Quartal 2010. Und auch die 10,1 Millionen Euro operativer Verlust zeigen, dass der Konzern zu kämpfen hat.

Viel interessanter als der Blick zurück ist indes die Zukunft von Praktiker. Denn mit dem neuen Vorstandschef Thomas Fox (Foto: Praktiker) und dem „Chief Restructuring Officer“ Josef Schultheis haben jetzt zwei ausgewiesene Sanierungsexperten das Ruder übernommen. Fragen bei der gestrigen Analystenkonferenz wehrte Finanzvorstand Markus Schürholz allerdings ab: Erst im Dezember würden weitergehende Pläne präsentiert.

Branchenexperten sehen eine umfassende Umstrukturierung als letzte Chance für den stark angeschlagenen Konzern. Volker Bosse, Analyst der Baader-Bank, sieht zurzeit beispielsweise keine klare Positionierung der Märkte: „Nach der Abkehr von den Aktionstagen hat Praktiker das Problem, dass es mit dem Programm ‚Jeden Tag Niedrigpreise‘ keine Differenzierung mehr gibt. Das machen andere auch schon – und teilweise auch besser“, sagt er.

„Praktiker hat sich durch seine Rabattaktionen bei allen unbeliebt gemacht: Bei der Konkurrenz, den Herstellern und den Kunden, die außerhalb der Aktionen eingekauft haben“, sekundiert Marc Tüngler von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Selbst wenn jetzt eine Neuausrichtung gelingen würde, „kommen nun keine Kunden mehr in die Märkte, die das sehen könnten“, sagt er.

Zudem gestaltet sich die Abkehr von „20 Prozent auf alles“ schwierig. Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte der damalige Praktiker-Chef Wolfgang Werner die Abschaffung der Rabattaktionen angekündigt. Doch weil im zweiten Quartal die Lagerbestände massiv angestiegen waren, wurden diese im dritten Quartal erneut durch Rabattaktionen an den Mann gebracht. „45 Prozent der Verkäufe im September waren rabattiert“, sagte Schürholz gestern.

Den Imageschaden verschlimmert hat nach Ansicht von Aktionärsvertreter Manfred O. Klein auch noch die aktuelle Werbekampagne mit Boris Becker. „Dadurch hat Praktiker erst Recht an Glaubwürdigkeit verloren.“ Becker sei als Werbefigur eine Fehlbesetzung, die den Handwerker ebenso verprellt wie die sonstige Kundschaft.

Tüngler sieht wenig Chancen für die Baumarkt-Kette, eine Wende zu schaffen. Die Branche sei von hohen Überkapazitäten geprägt und ohne die Rabatt-Aktionen gebe es für Kunden keinen Grund mehr, bei Praktiker zu kaufen: „Das Unternehmen muss die Frage beantworten, warum man zu Praktiker gehen sollte.“ Schon gar, wo die Konkurrenz mit innovativen Konzepten wie „Drive-In“-Märkten lockt. Der Aktionärsvertreter rät deshalb zu radikalen Schritten: „Denkbar wäre beispielsweise eine Namensänderung“, sagt er. So könne der Name Praktiker durch den des erfolgreichen Tochterunternehmens Max Bahr ersetzt werden. Kontraproduktiv allerdings wäre, zur Sanierung erneut massiv Mitarbeiter zu entlassen: „Das würde dem Image weiter schaden.“ Zu möglichen Personalveränderungen will sich Rüdiger Wolf, bei der Gewerkschaft Verdi für Praktiker zuständig, aktuell nicht äußern; „Wir warten ab, bis Herr Fox seine Pläne im Aufsichtsrat präsentiert“, sagt er. 

Frank John, Bürgermeister der Gemeinde Kirkel, bleibt trotz der Krise optimistisch: „Wir hoffen, dass Praktiker bald wieder in den grünen Bereich kommt“, sagt er.



Hintergrund
Praktiker Deutschland war im dritten Quartal mit einem Minus von 28,3 Millionen Euro (Ebit) das Sorgenkind des Konzerns. Die Hamburger Baumarktkette Max Bahr hat im gleichen Zeitraum einen Gewinn von 6,4 Millionen Euro beigesteuert, das internationale Geschäft 13 Millionen Euro. Neben den schlechten Verkäufen belastet auch noch das Restrukturierungsprogramm „Praktiker 2013“ das Ergebnis: 13,6 Millionen sind an Sondereffekten angefallen, 2,4 Millionen Euro alleine für den Management-Wechsel im Juli.
Bei den Auslandsmärkten sieht der Konzern vor allem Rumänien, Ungarn und Bulgarien mit Sorge. Griechenland schreibt trotz Krise noch immer schwarze Zahlen. jwo
 


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