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Zweite Bauphase des Parks lässt auf sich warten

Fast ein Jahr ist es her, dass dem Gondwana-Urzeit-Park in Reden das Aus drohte

Fast ein Jahr ist es her, dass dem Gondwana-Urzeit-Park in Reden das Aus drohte

Reden. Wenn alle von „konstruktiven“ Gesprächen reden, Auskünfte über Zwischenergebnisse jedoch ablehnen, darf man von ernsthaften Problemen ausgehen. Im Falle des Redener Gondwana-Parks ist das so. Die „Rettungs-Gemeinschaft“, die sich vor einem Jahr zusammenfand, um für das unter Rechnungshof-Beschuss geratene und von Schließung bedrohte Standort-Leitprojekt auf dem ehemaligen Redener Grubengelände ein zukunftssicheres Szenario zu entwickeln, entpuppt sich als Schweige-Kartell: Saar-Wirtschaftsministerium, Staatskanzlei und Investor Matthias Michael Kuhl. Dabei schien die böse Krise doch für Klärung gesorgt zu haben, alles schien Anfang 2010 sonnenklar: Gondwana muss wachsen, wenn es überleben will. Vor allem aber: Als singuläres Angebot wird „Das Prähistorium“ Reden nicht zu einem touristischen Ziel machen. Dynamisch startete man zusammen mit der Standort-Vermarktungs-Gesellschaft IKS (Industriekultur Saar GmbH) in Weiterentwicklungs-Gespräche. Kuhl kündigte einen Bauabschnitt II an, eine Fünf-Millionen-Euro-Halle mit Riesendino-Bühnen-Show („Im Reich der Giganten“), die Landesregierung ein touristisches Gesamtkonzept, und die IKS wollte für eine Hotel-Ansiedlung und eine Erlebnis- und Lernlandschaft („Kinderland“) sorgen. Nichts davon hat sich bisher konkretisiert. Mehrmalige SZ-Nachfragen blieben unbeantwortet. Warum?

Fortschritt kostet Geld. Kuhl braucht Fremdmittel für die Gondwana-Erweiterung, schätzungsweise über vier Millionen. Und offensichtlich hat er Probleme, sich dieses Geld auf dem freien Markt zu beschaffen. Also müsste – wieder – die Landesregierung für Liquidität sorgen. Doch die üblichen Fördermöglichkeiten – 250.000 Euro pro Dauerarbeitsplatz – stehen nicht zur Verfügung, weil für Kuhls neue Echsen-Show kaum neue Jobs nötig sein dürften. Finanzierungs-Alternativen bieten die Verträge. Die sind für Kuhl überaus kommod gestrickt worden, zum Nachteil des Landes. Das sagt nicht mehr nur der Landesrechnungshof, davon künden auch die Ermittlungsergebnisse des Reden-Untersuchungsausschusses. Doch braucht Kuhl jetzt Geld, könnte man nachverhandeln. Etwa wie folgt: Die ihm zugesicherte Brücke zum Bahnhof (1,5 Millionen Euro) wird nicht gebaut, stattdessen fließt ihm die Summe zu. Er verzichtet dafür auf Mietsteigerungen über 25 Jahre: Die fünf Millionen werden ihm – abgezinst – bereits jetzt ausgezahlt. Und beide Summen – Brücken-Entschädigung und Mietsteigerungs-Vorauszahlung –, die ihm so oder so zustünden, steckt Kuhl wiederum in den Standort, beziehungsweise in seine zweite Gondwana-Halle. Ein „vernünftiges“ Modell?

Wirtschaftsminister Christoph Hartmann (FDP) hat es bereits vor Medienvertretern erwähnt. Momentan gibt es dazu von ihm jedoch weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Denn Gondwana ist ein vermintes Gebiet, seit die Opposition im Untersuchungsausschuss genüsslich in den Vertrags-Wunden wühlt. Ein Schaden von 44 Millionen Euro soll laut Rechnungshof in 25 Jahren auflaufen. Hauptverantwortlich: Minister Karl Rauber (CDU), Aufsichtsratschef der IKS, die die Finanz-Konstruktionen entwarf. Seit März 2010 sorgen sie für ein Dauer-Feuerwerk an Negativ-Schlagzeilen. Wie man hört, meint mancher potenzielle Besucher bereits, der Gondwana-Park am „Problemstandort“ sei geschlossen. Kuhl erlebt dies alles als belastende Skandalisierung und Geschäftsschädigung, seine Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze. 24 Vollzeitstellen statt der versprochenen 100 wurden durch Gondwana geschaffen. Immerhin: 2010 kamen nach Angaben von Gondwana-Sprecher Gunther Träger immer noch rund 190.000 Besucher, nur 10.000 weniger als im Eröffnungsjahr. Doch zum einst von Kuhl genannten Wirtschaftlichkeits-Maßstab von 245.000 Besuchern klafft eine beängstigende Lücke. Mittlerweile hat Kuhl diese Zahl und wohl auch seine Rendite-Erwartungen korrigiert. Gondwana sei auch mit 150.000 Gästen rentabel, heißt es. Wie lange ist es noch bis zu dieser Final-Marke, wenn keine Zusatzangebote kommen?

Während Rauber mitteilen lässt, er werde sich während der noch andauernden Ermittlungen des Untersuchungsausschusses grundsätzlich nicht äußern, erfährt man aus dem Wirtschaftsministerium immerhin so viel: Es gebe aktuell keine Arbeitstreffen mehr, Kuhl sei am Zug, man warte auf dessen Anträge.

Derweil wirft Kuhl der Landesergierung „Attentismus“ vor, sprich: Nichtstun. Was sich ausschließlich auf die Finanzierungsverhandlungen beziehen kann. Denn während alle Regierungspolitiker in Duckhaltung verharren, um nicht mit dem Gondwana-Debakel in Verbindung gebracht zu werden, arbeitet die Industriekultur Saar GmbH tapfer ihr Programm zur Vitalisierung des Standorts ab. Bis zum Jahr 2011 werden 35 Millionen Euro in die Infrastruktur des Gondwana-Umfelds geflossen sein, in Wassergärten, Schachtanlagen, Halden und Absinkweiher. Dennoch: Der „Garten Reden“ will einfach nicht blühen, keiner kennt den richtigen Dünger. 


Wie das Gondwana-Dilemma in Landsweiler-Reden zu Stande kam
Die Industriekultur Saar GmbH (IKS) erhielt 2001 den Auftrag, das Redener Gruben-Gelände bis 2011 zu einem Zukunftsstandort zu entwickeln. Als Leit-Investition galt der Urzeit-Themenpark Gondwana. Eine Chronologie.

Juli 2005: Erste Ideen für einen Themenpark Evolution werden öffentlich.

Februar 2006: Offizielle Bekanntgabe. Als Arbeitstitel wird der Name des Ur-Kontinents Gondwana gewählt. Bis 2008 will Investor Matthias Michael Kuhl eröffnen. Im Gespräch sind 100 Arbeitsplätze.

September 2006: IKS-Aufsichtsratsbeschluss unter Vorsitz von Minister Karl Rauber (CDU): 20 Hektar gehen an Kuhl für einen Euro. Geplant sind mehrere Hallen (8000 Quadratmeter) und ein zooähnliches Freigelände auf dem Bergehalden-Plateau (12000 Quadratmeter) mit Alpakas (Kamele). Investition: 14 Mio. Euro, zur Refinanzierung sind laut Kuhl 245000 Besucher als Durchschnittswert in 15 Jahren zwingend. Das Land schießt aus Wirtschaftsförder- und Tourismusmitteln rund fünf Millionen zu. Darüber hinaus saniert Kuhl für zusätzlich 8,7 Mio. Euro das Zechengebäude. Das Land mietet es für Behördenunterbringung auf 25 Jahre zurück (12.500 Quadratmeter zu acht Euro pro Quadratmeter; jährlich 1,2 Millionen Euro).

Dezember 2008: Eröffnung des Gondwana-Parks „Das Prähistorium“.

Sommer 2009: Der saarländische Landsrechnungshof rügt erstmals die Subventionspraxis für Gondwana.

16. Januar 2010: Der Landesrechnungshof veröffentlicht einen Gondwana-Sonderbericht mit massiven Vorwürfen.

20. Januar 2010: Kuhl droht mit der Schließung des Parks wegen Geschäftsschädigung und bietet Rückabwicklung der Verträge an. Die neue Jamaika-Landesregierung gerät in Rettungs-Zugzwang.

26. Januar 2010: Kuhl gibt Entwarnung: Die Tore bleiben offen. Er will sogar weiter investieren: fünf Mio. Euro. Bis 2011 soll eine zweite Halle für eine Dino-Show mit beweglichen Modellen entstehen.

Februar 2010: Der Landtag beschließt die Einsetzung eines Reden-Untersuchungsausschusses.

22. März 2010: Start des Ausschusses. ce
 


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