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Schmutziges Geschäft

(2012-02-11 16:15:13)

Neu im Kino: „Dame, König, As, Spion“ von Tomas Alfredson – Spannender Agenten-Thriller nach dem Roman von John Le Carré

Von Uwe Mies


Ein Lächeln sieht anders aus: Der brillante Agent George Smiley (Gary Oldman) muss in den eigenen Reihen ermitteln. Foto: Studiocanal
In London schrillen die Alarmglocken, als eine riskante Geheimdienstaktion in Budapest gründlich scheitert. Nicht nur wurde der Agent vor Ort enttarnt und auf offener Straße erschossen. Es erhärtet sich der Verdacht, dass es in der inneren Führungsriege des MI6 einen Doppelagenten Moskaus gibt. Die Affäre bleibt nicht ohne Folgen, gleich mehrere bislang verdiente Beamte aus der zweiten Reihe müssen ihren Hut nehmen. Auch George Smiley erfährt, dass er sein Dasein fortan nur noch als Pensionär fristen wird. Sein Abschied aber ist eine Finte, die MI6-Chef „Control“ hinter dem Rücken seiner Führungscrew eingefädelt hat. Smiley soll den Verräter in den eigenen Reihen mit der Hilfe zweier noch nicht entlassener Mitarbeiter ausfindig machen, was ohne Zugriff auf das geheimdienstliche Datenwesen so gut wie unmöglich ist. Erst die Rückkehr eines zwielichtigen Außendienstagenten, der in Asien eine schmierige Affäre mit einer Russin unterhielt, wirft neues Licht auf den Fall.

Dieser Film spielt 1973. Es war ein Jahr, in dem die Menschen hässliche Kleidung und schlimme Frisuren trugen. Computer wurden mit Magnetbändern und Lochkarten gespeist und Sicherheitsausstattung in Automobilen war von zweitrangiger Bedeutung. Auch mobile Telefonie war noch nicht erfunden. Trotzdem flogen Leute zum Mond und es gab genug Atombomben, um die Welt vielfach in die Luft zu sprengen. Es war die politisch spannungsreiche Zeit des Kalten Krieges, der offiziell klare Fronten hatte. Wie diffus die Lage im einzelnen war, beschrieb John Le Carré in seinen Romanen, und einer seiner besten ist nun verfilmt worden. Unter der Regie des Schweden Tomas Alfredson (siehe kleines Porträt) sieht „Dame, König, As, Spion“ mehr noch als Steven Spielbergs „München“ aus, als ob der Film 1973 gedreht worden wäre und nur die Präsenz von Colin Firth vermittelt, dass diese Filmwelt mit ihren fahlen Farben ganz frisch rekonstruiert wurde.

Der Film ist immens spannend, wenn man bereit ist zuzuhören und vor allem zuzuschauen, wie Gary Oldman als Smiley die Leute um ihn herum ins Auge fasst und abschätzt. Er spricht kaum einen Satz, denn seine Aufgabe ist das Abwägen und Einschätzen von Informationen und Beobachtungen. Er weiß, dass sein Gegner ganz genau so vorgeht. Es ist eine Welt der Belauerung und des Misstrauens, das schmutzige Geschäft der Spionage. Ein Schachspiel, bei dem Menschen die Bauernopfer sind.

ZUR PERSON

Tomas Alfredson, am 1. April 1965 in Lindigö bei Stockholm geboren, begann seine Laufbahn beim schwedischen Fernsehen, arbeitete an Programmen wie „7 till 9“ oder „Bert“. Als der Titelheld von „Bert“ mit „Bert, die letzte Jungfrau“ seinen eigenen Kinofilm bekam, wechselte Alfredson zur großen Leinwand. Den internationalen Durchbruch schaffte er mit dem außergewöhnlichen Horrorfilm „So finster die Nacht“.tr

 

 

 
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