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Waisenjunge auf Abenteuersuche
(2012-02-18 10:02:04)
Von Uwe Mies
Paris im Jahre 1931 ist eine pulsierende Metropole mit einem gigantischen Bahnhof im Herzen der Stadt. Hier lebt der zwölfjährige Hugo Cabret und hält die Uhren instand seit dem Tag als sein Vater bei einem Brand ums Leben kam. Der Job ist nicht unriskant, denn der Bahnhofsvorsteher vermutet in Hugo lediglich einen obdachlosen Herumtreiber, den es endlich dingfest zu machen gilt. Seine Freizeit widmet Hugo einer mechanischen Apparatur, die neben einem Notizbuch mit seltsamen Aufzeichnungen das Einzige ist, was Hugo von seinem Vater geblieben ist. Zur Fertigstellung fehlen noch zwei Schlüssel. Einen davon glaubt Hugo im Spielzeugladen von Monsieur Georges entdeckt zu haben. Dann lernt Hugo das Mädchen Isabelle kennen, das ihm nicht nur freundschaftlich zugetan ist, sondern auch ganz zufällig die Enkelin von Monsieur Georges ist.
Martins Scorseses erster Kinderfilm, zugleich sein erster Spielfilm in 3D ist eine sündhaft teure Superproduktion, die in diesem Jahr für elf Oscars nominiert ist. Technisch geht das in Ordnung, denn im Blick auf Kulissen, Kostümgebung, Ton und Trickeffekte wird hier in der Tat ein außerordentlicher Kinorausch entfesselt, der alles hat und alles ist, nur eines nicht - liebenswürdig. Scorsese bleibt sich also treu, denn abgesehen von seinem frühen Rockumentary "The Last Waltz" hat er keinen einzigen liebenswerten Film gedreht.
Auch bei "Hugo Cabret" ist er trotz des formalen Zuckerbäckerwerks immer noch der kühle Intellektuelle, der zwar Slapstick und Gefühl verstanden hat, aber um es auf die Leinwand zu bannen, fehlt es Scorsese an Herz und Timing. Erst spät im Film, wenn sich das Geheimnis um den von Ben Kingsley virtuos, aber kalt gespielten Monsieur Georges lüftet, kommt ein Hauch von Wärme in den Film. Denn Georges ist Melies, der Tausendsassa aus den Kindertagen des Kinos, der als erster eine Rakete im Bewegtbild zum Mond fliegen ließ. Für Scorsese war es die Möglichkeit, jenem Pionier ein liebevolles Denkmal zu setzen und plötzlich hat der Film Herz und Gefühl. Es ist aber die Begeisterung eines Erwachsenen, der sich endlich seinen langersehnten Traum von der Modelleisenbahn erfüllt.
Im Blick auf Familienkino schießt der Film hingegen am Ziel vorbei. Und man begreift, wie zeitlos gut Filme wie "Mary Poppins" oder "Meine Lieder - Meine Träume" sind. Aber für solches ist Martin Scorsese einfach der falsche Mann.
USA 2011, 127 Min;, Regie: Martin Scorsese; Drehbuch: John Logan; Kamera: Robert Richardson; Musik: Howard Shore; Darsteller: Asa Butterfield, Chloë Grace Moretz, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Ray Winstone, Emily Mortimer, Christopher Lee, Jude Law.
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