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Wo die Liebe hinfällt

(2012-02-29 14:08:01)

Neu im Kino: „Mein liebster Alptraum“ von Anne Fontaine – Unterhaltsame französische Komödie

Von Martin Schwickert


Isabelle Huppert spielt die Galeristin Agathe, eine durch und durch beherrschte Persönlichkeit. Foto: Concorde
Je weiter die sozialen Klassen auseinanderrücken, desto interessanter ist der Zusammenprall der unterschiedlichen Welten als Stoff für eine Kinokomödie. Nachdem in „Mein Stück vom Kuchen“ eine entlassene Fabrikarbeiterin und ein Börsenhai aufeinander losgelassen wurden und in „Ziemlich beste Freunde“ ein afrikanischer, arbeitsloser Emigrant als Pfleger für einen schwerreichen Adeligen eingestellt wurde, benutzt Anne Fontaine mit „Mein liebster Alptraum“ eine weitere französische Produktion, die sozialen Kontraste zwischen Bürgertum und Prekariat als Treibstoff.

Isabelle Huppert spielt die Galeristin Agathe als durch und durch beherrschte Persönlichkeit. Als ihr Sohn einen Mitschüler mit nach Hause bringt, hofft Agathe, dass der neue aufgeweckte Freund einen guten Einfluss auf die wenig zufriedenstellenden schulischen Leistungen Adriens hat. Aber als später der Vater des Jungen in der Tür steht, ist sie gründlich schockiert. Patrick (Benoît Poelvoorde) ist ein grobschlächtiger Typ mit einem losen Mundwerk. Er hält sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, hat keinen festen Wohnsitz und übernachtet mit seinem Sohn im Lieferwagen seines Stiefbruders. Ihr Lebensgefährte François (André Dussollier) hingegen findet Gefallen an Patricks Bauarbeitercharme und engagiert den Handwerker für den Umbau des Ankleidezimmers. Und so beginnt ein langsamer Annäherungsprozess zwischen der zugeknöpften Galeristin und dem lebenslustigen Proleten.

Auch wenn die Grundanlage der Geschichte zunächst vollkommen konstruiert klingt, entwickelt sie in Fontaines filmischer Umsetzung ihren eigenen komödiantischen Drive. Isabelle Huppert hebelt die klischeehafte Anlage ihrer Karrierezickenfigur mit schauspielerischer Präsenz und Präzision schnell aus. Und auch der belgische Kollege Benoît Poelvoorde („Mann beißt Hund“) findet schon bald die Zwischentöne in der Zeichnung des proletarischen Grobians. Auch wenn der Humor manchmal zu sehr ins Burleske abkippt, entstehen in der lustvoll und detailreich inszenierten Konfrontation auch immer wieder Szenen komödiantischer Hellsichtigkeit, in denen die gesellschaftlichen Diskrepanzen auf den Punkt gebracht werden.

 

 
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