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Die Maske abgelegt
(2012-01-05 10:03:07)
Von Uwe Mies
Zehn Jahre sind eine lange Zeit, besonders in der Popmusik. Rapper, HipHopper und andere Vokalakrobaten halten ihre Karrieren kaum einmal über einen solchen Zeitraum und versinken im Dunkel der Normalität, werden zahm und sesshaft. Bei Sido war das anders. Kaum hatte der Mann mit den Kraftausdrücken im Repertoire seine Maske abgelegt, schaltete er den gedanklichen Weichspülgang ein und ist heute sogar in der Position eines moralischen Vorbilds für nachgewachsene Jugend. Wie weit dieses Charisma tatsächlich strahlt, wird sich nun zeigen, denn Sido (bürgerlich Paul Würdig) und sein Weggefährte B-Tight (Robert Edward Davis) sind nun vor die Kameras getreten, um höchst selbst die eigene wilde Aufbruchzeit fürs Kino nachzustellen.
Die setzt ein im ersten Jahr des zweiten Milleniums, als im Berliner Untergrund selbstbewusste junge Männer mit Spontanraps ihr schnelles Mundwerk trainieren. Auch Otis (Sido) und Eddy (B-Tight) träumen von der großen Karriere, haben aber weder das Equipment noch das Knowhow. Ein paar Gaunereien und eine Aufnahmesession später gelingt der Kontakt mit einem Clubmanager, der gleich mit der ersten Einspielung reißenden Absatz findet. Der Aufstieg der rappenden Lebenskünstler ist nicht mehr aufzuhalten, doch der Erfolg birgt auch Tücken.
So wie es sich sich auf der Leinwand nun darstellt könnte es tatsächlich gewesen sein. Und anders als in Bernd Eichingers Bushido-Produktion "Zeiten ändern Dich" enthebt sich "Blutzbrüdaz" dank eines anarchischen Sinns für Selbstironie der tranigen Selbstgefälligkeit vergleichbarer Biografien. Regisseur Özgür Yildirim beweist auch in seiner zweiten Arbeit (nach dem Gangsterfilm "Chico") mit Mentor Fatik Akin ein sicheres Gespür für Milieuzeichnung und Charakterskizzen.
Vor allem in den Nebenrollen erwirken die präzise besetzten Schauspieler den nötigen Grad von Street Credibility, ohne den es sonst schnell in peinliche Knallcharge abrutschen könnte; und Claudia Eisingers Glanzauftritt sollte die gestandene Theateraktrice mit dem originellen Gesicht endlich auch im Kino nach vorn spülen. Weniger glücklich ist die Besetzung der Hauptrollen mit den Originalstars, die nun eben keine 20 mehr sind, wobei - Sido hat durchaus das Zeug für eine Karriere als kommender Werbemann bei der Hamburg-Mannheimer. (Deutschland 2011, 87 Min.)
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