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Treffpunkt in Alaska

(2012-02-29 10:02:18)

Neu im Kino: „Der Ruf der Wale“ von Ken Kwapis

Von Uwe Mies


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Der neugierige Reporter Adam (John Krasinski) hält die riskante Rettung der Walfamilie mit der Kamera fest. Foto:
Es gibt für einen Reporter nicht viel zu berichten, wenn er im Städtchen Barrow in Alaskas Norden beheimatet ist. Adam Carlson hatte eben noch seinen vorläufigen Karrierehöhepunkt mit einem Artikel über die Reise einer Avocadofrucht von der Ernte im Süden bis zum Verzehr in Barrow erklommen, da entdeckt er eine richtige Story buchstäblich unter seinen Füßen. Eine dreiköpfige Walfamilie hat zu spät den Weg in den Süden angeschwommen und steckt nun unter der rapide dichter werdenden Eisdecke fest. Die Wissenschaft vor Ort weiß, dass binnen drei Tagen ein erstes Luftloch gebohrt sein muss, wenn die Tiere nicht jämmerlich ersticken sollen. Aber dann würden sich erst die wirklichen Probleme eröffnen, denn für den Weg nach Süden wäre es nötig, den Tieren eine viele Meilen lange Fahrrinne zu schaffen. Adam setzt seinen ersten Artikel ab und landet den erhofften Treffer. Nachrichtenagenturen verbreiten Adams Meldung - und plötzlich schaut nicht nur die halbe Welt auf Barrows Waldrama, es beginnen sich immer mehr Leute für die Sache zu engagieren, darunter auch Adams Ex-Freundin, die für Greenpeace tätig ist, außerdem die US-Regierung und der Kreml, denn das letzte Stück der Fahrrinne führt durch sowjetisches Gebiet.

Es begab sich tatsächlich so, dass im Jahre 1988 genau diese Geschichte die Weltöffentlichkeit bewegte und für einige Tage den Niedergang der Sowjetunion, das Ende des Kalten Krieges und die Positionierung eines Nachfolgers des amtierenden US-Präsidenten Ronald Reagan aus den Schlagzeilen verdrängte. Die Kreativkräfte dieses Films haben im Blick auf die historischen Sachverhalte einen interessanten Spagat gewagt. "Der Ruf der Wale" gibt sich an der Oberfläche als bildkräftiges, gefühlsbetontes Abenteuerkino für den Familienmarkt; alles sehr dramatisch, aber immer auch die Aussicht erhaltend, dass die Hoffnung auf Rettung nicht vergebens sein wird. Allerdings, und das macht die Sache dann weitaus interessanter als Vergleichbares à la "Free Willy", gibt es diesmal eine Menge Hintergrund. Keine Figur im Spiel handelt selbstlos; der kleine Provinzreporter verfolgt ebenso persönliche und professionelle Interessen wie der nach neuen Förderlizenzen gierende Ölboss (klasse gespielt von Ted Danson) oder die Staatenlenker Reagan und Gorbatschow. So viel Sinn für Ironie in einem Familienfilm hat schon was. Wem das verdächtig erscheint, der kann sich immer noch an die Wale klammern.

 

USA 2011; 107 Min., Regie: Ken Kwapis; Drehbuch: Jack Amiel, Michael Begler; Kamera: John Bailey; Musik: Cliff Eidelman; Darsteller: Drew Barrymore, John Krasinski, Kristen Bell, Dermot Mulroney, Tim Blake Nelson, Vinessa Shaw, Ted Danson, Stephen Root

 

 

 

 

 

 

 
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