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Zwischen Liebe und Grauen

(2012-02-12 10:03:23)

Neu im Kino: „Ein Sommer in Haifa“ von Avi Nesher – Vielschichtige israelische Coming-of-Age-Geschichte

Von Katrin Meyer


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Der junge Arik (Tuval Shafir) verliebt sich in Tamara (Neta Porat), die Cousine seines besten Freundes. Foto: Bildkraft

Foto:

Der Sommer 1968 in der israelischen Stadt Haifa ist für den 16-jährigen Arik (Tuval Shafir) ein besonderer Sommer. Er lernt Menschen kennen, die sein Leben von Grund auf verändern.

Da ist zunächst der Ehevermittler Yankele (Adir Miller), dem er zufällig auf der Straße begegnet. Schon bald stellt sich heraus, dass er und sein Vater sich aus Kindertagen kennen, dass sie beide Holocaust-Überlebende sind. "Ich wusste so viel über den Holocaust wie meine Freunde, also nicht viel", erzählt Arik. Er kann nur erahnen, dass sein Vater Grausames erlebt hat, er redet nicht darüber. Auch bei seiner Arbeit für Yakele, bei der er potenzielle Partner für dessen Kundschaft bespitzelt, bekommt er eine Ahnung davon, in welchem Ausmaß der Holocaust das Leben der Überlebenden geprägt hat. Gleichzeitig lernt er viel über die Liebe.

Seine Arbeit führt ihn in den schäbigeren Teil der Stadt zum Hafen. Dort lernt er unter anderem Yankeles Kollegin Clara kennen, die hinter ihrer glamourösen Fassade viel Schmerz verbirgt. Auch Yakele, dessen Gesicht von Narben gezeichnet ist, hat sein Päckchen zu tragen, will für jeden Liebe finden, nur für ihn selbst scheint die Liebe ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber auch zu Hause ändert sich für Arik das Leben: Dort taucht plötzlich die schöne Tamara auf, die Cousine seines besten Freundes Benny - knapp bekleidet, in hochhackigen Schuhen redet sie von "freier Liebe" und Rock'n'Roll. Arik ist zum ersten Mal verliebt...

Auf behutsame Weise erzählt der israelische Filmemacher Avi Nesher die Geschichte des Jungen. Das Schicksal einer Generation, in dem die grausame Vergangenheit der Eltern noch allgegenwärtig ist, jedoch gleichermaßen ein Tabuthema. Zugleich spielt auch die Gegenwart eine wichtige Rolle, geprägt von einer leicht spürbaren Aufbruchsstimmung, von dem Wunsch nach Leben, Liebe und Freiheit. Dabei bewegt sich Nesher in seiner vielschichtigen Coming-of-Age-Geschichte mit einer Mischung aus emotionalen Momenten, farbenfrohen Bilder und interessanten Charakteren zwischen Schwere und Leichtigkeit, zwischen Drama und Komödie.

 

Israel 2010, 117 Min., Filmhaus (Sb), OmdU; Regie u. Buch: Avi Nesher; Kamera: Michael Abramowicz; Musik: Philippe Sarde; Darsteller: Tuval Shafir, Adir Miller, Tom Gal, Dror Keren, Neta Porat.

 

 

 

 

 

 

 
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