Kreis Neunkirchen

Sumpfbiber siedelt sich im Kreis an
Von Elke Jacobi Veröffentlicht: Sonntag, 11. Dezember 2016, 18:05 Uhr

Nutria bei Schloss Buseck. Foto: Leser-Reporter Konrad Casper

Foto: Leser-Reporter Konrad Casper
Die Nutrias, auch Biber-Ratte oder Sumpfbiber genannt, werden im Kreis Neunkirchen heimisch. Zoodirektor Norbert Fritsch ruft zur Gelassenheit auf: Die Tiere stellen für niemanden eine Bedrohung dar.

Nutria bei Schloss Buseck. Foto: Leser-Reporter Konrad Casper

Foto: Leser-Reporter Konrad Casper

Da haben sie ja ganz schön Glück gehabt, die Nutrias, die unser Leser-Reporter Konrad Casper in Bubach bei Schloss Buseck entdeckt hat. Glück, dass sie hier und heute leben und nicht vor der Wende in der ehemaligen DDR. Doch dazu später.

Zur Erinnerung: Der Leser-Reporter hat die possierlichen Tierchen, eine Mutter und acht Junge, am Weiher im Park von Schloss Buseck entdeckt. „Kein Wunder“, sagt Zoodirektor und Biber-Kenner Norbert Fritsch. Schließlich lieben die Nutrias ruhige Gewässer , schließlich schwimmen sie gern. Die Nutrias, auch Biber-Ratte („ist aber keine Ratte“, sagt Fritsch) oder Sumpfbiber genannt, werden gerne mit dem Biber verwechselt. Dass ihm selbst das nicht passiert, da hat Fritsch vor vielen Jahren bei der Ausbildung als Biberbetreuer mit Hilfe einer Fotoserie die Unterscheidungsmerkmale gelernt. Die auch bei der Nutria verhältnismäßig großen Zähne gleichen denen des Bibers, auch in ihrer orangeroten Färbung. Der Kopf allerdings sieht für den Kenner ganz anders aus. Außerdem ist der fast drei mal so schwer, wird doch die Nutria lediglich bis zu zehn Kilo schwer. Außerdem stehen die Barthaare weiter ab, die Haare sind gesprenkelt, sie hat einen langen, nicht platten, dreigeteilten Schwanz. Starken Frost mag das aus Südamerika stammende Tier nicht. Mittlerweile hat es sich aber über Europa verbreitet, massenhaft kommt es in der Camargue vor, weiß Fritsch. Es mag stehende Gewässer , Teiche, wenig fließende Flüsse, das ruhige Wasser oberhalb von Staustufen. Der reine Vegetarier ist sehr zutraulich. Er lebt in Kolonien.

Dass man ihn jetzt in der Nähe von Schloss Buseck entdeckt hat, das führt Fritsch darauf zurück, dass es dort eben gut einsehbar sei. Sicherlich gebe es noch viel mehr Tiere hier, wie viele allerdings, das kann er nicht beantworten. „Sie leben überall dort, wo die Lebensumgebung stimmt.“ Genau genommen, so der promovierte Biologe, handele es sich um Faunenverfälschung. Davon spricht man dann, wenn ein Tier sich in einem Lebensraum ausbreitet, in dem es eigentlich nicht heimisch ist. „Dabei machen die nix, sollte man eben akzeptieren, dass es die Tiere jetzt hier gibt. Ebenso wie die nordamerikanischen Bisams. Die kriegen wir auch nicht mehr los.“ Und warum auch, fragt sich Fritsch, wenn doch die Tiere für nichts und niemanden eine Bedrohung darstellen.

Er erinnert sich an einen Fall vor vier bis fünf Jahren. Damals hatte sich eine Kolonie von eisgrauen Nutrias an einem Anglerweiher in Dillingen angesiedelt. Jemand störte sich an dieser Faunenverfälschung und alle Tiere wurden getötet. „Völlig unnötig.“ Fritsch weiß von Fotodokumenten her, dass es vor Jahrzehnten auch Nutrias im Zoo gab. „Die wurden auch vielfach gehalten. Viele hielten sie wie Kaninchen hinterm Haus.“ Da werden sogar Kindheitserinnerungen wach bei Fritsch, der sich daran erinnert, wie in seinem Heimatdorf jemand welche hielt. Beliebt seien die Tiere auch in der ehemaligen DDR gewesen. Da habe man die Tiere vielfach sozusagen als Zubrot gehalten, habe sie sogar gegessen wir Kaninchen und ihre Felle zu Pelzekleidung verarbeitet. „Nach der Wende hörte das dann auf.“ Die Tiere seien vermutlich irgendwann freigelassen worden. „Mir gefallen sie jedenfalls und sie sollen gern hierbleiben.“


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