Kinderporno-Prozess: Sohn des Angeklagten sagt als Zeuge aus

Von Von SZ-Redakteur Wolfgang Ihl Veröffentlicht: Dienstag, 8. Dezember 2009, 19:12 Uhr
Fall des Schiffweiler Bürgermeisters weiter ohne Ergebnis

Wie kamen Kinderpornos in den Computer von Bürgermeister Wolfgang Stengel? Der angeklagte Rathauschef will damit nichts zu tun haben. Sein Sohn auch nicht. Die Verteidiger verweisen auf Internet-Viren.

Saarbrücken. Auch der vierte Tag im Strafprozess gegen den Schiffweiler Bürgermeister Wolfgang Stengel brachte nicht die von zahlreichen Zuhörern erhoffte, rückhaltlose Aufklärung. Es lässt sich weiter trefflich diskutieren, wie mehr als 300 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt auf den privaten Laptop des SPD-Politikers (45) gekommen sind.

Im Zuge einer bundesweiten Aktion gegen Kinderpornografie war der Rechner von Stengel ins Visier der Fahnder geraten. Im Juli 2007 stellten Polizisten ihn im Privathaus der Familie sicher. Ergebnis ihrer Analyse: Zwischen 2004 und 2007 sei jemand mit diesem Laptop regelmäßig auf Porno-Seiten gewesen. Dabei seien auch Kinderpornos abgerufen worden. Mehrere Tausend dürften es über die Jahre gewesen sein.

Die entsprechenden Daten über die Internetnutzung seien auf dem Rechner regelmäßig gelöscht worden. Zuletzt einen Tag vor der Sicherstellung des Computers. Trotzdem, so ein Experte des Landeskriminalamtes, habe man einiges rekonstruieren können. Das sei wie mit einem Tagebuch, das zerrissen und über mehrere Mülltonnen verteilt wurde. Man habe eine dieser Tonnen gefunden und versuche, das Buch zu rekonstruieren.

Aber wer hat die Kinderpornos im Internet nun angesehen? Der angeklagte und vorläufig suspendierte Rathauschef Stengel betonte mehrfach, dass er damit nichts zu tun habe. Er habe lediglich des Öfteren normale Pornos angeschaut, auch welche mit jungen Frauen. Aber nie Pornos mit Kindern. Gestern wurde nun erstmals der Sohn der Familie vor dem Landgericht zu seinem Internetverhalten gehört.

Der 17-Jährige schilderte, dass er regelmäßig das Internet benutzt und dann auch die Internetspeicher des Computers gelöscht habe. Mit Kinderpornos habe er aber nie zu tun gehabt. Einem Jugendlichen seines Alters seien normale Porno-Seiten bekannt. Solche habe er sich auch angesehen.

Wie die Kinderpornos auf den Rechner des Bürgermeisters gekommen sind, bleibt weiter offen. Die Verteidigung macht dafür Viren und andere schädliche Programme aus dem Internet verantwortlich. Sobald vom Laptop Stengels aus erlaubte Pornoseiten aufgerufen worden seien, hätten diese Schädlinge im Hintergrund verbotene, kinderpornografische Inhalte aus den Tiefen des Internets mitgeliefert. Der Experte des Landeskriminalamtes hält das für unwahrscheinlich.



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