Fechingen

Fechinger Talbrücke: Lkw-Verkehr auf der A6-Umleitung bringt die Anwohner zur Verzweiflung
Von Hélène Maillasson Veröffentlicht: Dienstag, 29. März 2016, 22:15 Uhr

Die „Taskforce Brücken“ um Staatssekretär Jürgen Barke (links) diskutierte gestern über die Folgen der Sperrung auf der A 6.
Stockender Verkehr und Dauerbeschallung durch Lastwagen machen den Anwohnern an der alternativen Strecke zur Fechinger Talbrücke zu schaffen. Nach den Ferien könnte sich die Lage zuspitzen.

Auch nachts herrscht reger Verkehr auf den Umleitungsstrecken infolge der Sperrung der Fechinger Talbrücke. Die Anwohner fühlen sich gestört. Fotos: Becker&Bredel Foto:
Jetzt, zur Mittagszeit, sind die Rollos im Wohnzimmer von Familie Otto wieder oben. „Zum Frühstück heute früh musste ich sie runtermachen, sonst gucken mir die Lkw-Fahrer, die im Stau vor dem Haus stecken, auf den Frühstückstisch“, erzählt Jennifer Otto. Die Ottos wohnen in der Straße An der Heringsmühle, die seit der Sperrung der Fechinger Talbrücke zur Umgehungsstraße geworden ist. Seit Donnerstagabend können sie nicht mehr richtig schlafen, so laut ist der Verkehr vor ihrer Haustür. „Wenn nachts zwei Lkws aneinander vorbeirasen, wackelt hier das ganze Haus“, sagt die Mutter von zwei Kindern. Dabei dürfen Autos in diesem Abschnitt der Straße ab 22 Uhr nur 30 Kilometer pro Stunde fahren. Den Lkw-Fahrern, die unter Zeitdruck stehen und von der Autobahn runter müssen, scheint es egal zu sein.

Am ersten Tag nach den Osterfeiertagen ist das ganz große Verkehrschaos in Fechingen ausgeblieben. Immer wieder bildet sich Rückstau bis zur Autobahnabfahrt – zu den Stoßzeiten manchmal weiter. Fechingen ist aber nicht gelähmt. Für die Anwohner ist das kein Trost. Jennifer Otto und ihr Mann Markus haben ihre Matratze vom Schlafzimmer mit Fenster auf die Straße ins Wohnzimmer mit Fenster auf dem Garten gebracht. Eine Dauerlösung sei das aber nicht. Dass sein Elternhaus an einer viel befahrenen Straße liegt, ist für Markus Otto nichts Neues. Die jetzige Situation ist aber besonders nervenaufreibend. „Unsere Doppelverglasung reicht nicht aus. Aber was können wir machen?“, fragt sich Otto verzweifelt und berichtet von seiner Nachbarin, die dreifache Verglasung hat und trotzdem durch den ständigen Lärm gestört wird. Verärgert ist Otto auch über den Mangel an Informationen. „Die Situation kam von jetzt auf gleich. Heute freuen sich alle, dass der Stau nicht so groß ist wie befürchtet. Dass es den Anwohnern so schlecht geht, interessiert niemanden.“ Sein Sohn, der siebenjährige Merlin, ist der einzige mit Schlafzimmer auf Gartenseite, doch nachts wird auch er immer wieder durch Hupen geweckt. Wenn bald die Osterferien zu Ende sind, stellt sich für die Kinder im Viertel ein weiteres Problem. Auf der Umleitungsstrecke, die an manchen Stellen so eng ist, dass zwei Brummis nur sehr knapp aneinander vorbeifahren können, liegt die Schulbushaltestelle. „Hier könnte man zumindest einen Blitzer installieren, dann würden sich die Leute wenigstens an das Tempolimit halten“, schlägt Jennifer Otto vor.

Während die Umleitung den Ottos der Schlaf raubt, raubt sie ein paar Duzend Meter weiter der Bäckerei in der Provinzialstraße die Kunden. „Die Leute trauen sich nicht mehr hier anzuhalten, weil sie Angst haben, wegen des stockenden Verkehrs nicht mehr rauszukommen“, klagt die Betreiberin. Doch trotz aller Unannehmlichkeiten geht für sie Sicherheit vor. „Stellen Sie sich mal vor, die Brücke wäre tatsächlich eingestürzt. Da wäre das Geschrei groß gewesen, und viele Leute wären gestorben.“ Rund hundert Meter weiter in der Saarbrücker Straße macht Stefan Haßdenteufel von der Erlebnisgärtnerei Storb drei Kreuze. Noch hatte die Sperrung keine Auswirkungen auf das Geschäft. Wenn die Ferien vorbei sind, könnte sich die Situation zwar verschärfen. Noch nimmt er das Ganze aber gelassen: „Wir müssen einfach das Beste daraus machen.“

Größere Behinderungen merken die Menschen in Scheidt. Vor allem im Bereich Scheidterberg stehen die Autofahrer nicht selten eine halbe Stunde lang im Stau – auch mitten am Tag. Dort spitzt sich die Lage vor allem wegen einer Baustelle mit Ampelschaltung zu. Baustellen auf den Alternativstrecken vorzeitig beenden, das will die von Verkehrsministerin Anke Rehlinger ( SPD ) eingesetzte „Taskforce Brücken“, die gestern erstmals tagte. Außerdem soll der Lkw-Verkehr aus Frankreich die Landeshauptstadt weiträumig umgehen und die Pendler sollen durch mehr Park&Ride-Areale verstärkt auf die Bahn umsteigen. Die Bauarbeiten könnten bis Dezember abgeschlossen werden. Ob die Ottos bis dahin im Wohnzimmer schlafen müssen?
Die „Taskforce Brücken“ um Staatssekretär Jürgen Barke (links) diskutierte gestern über die Folgen der Sperrung auf der A 6. Foto:

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